Hallo.
Ich verfolge eure Seite nun schon seit einiger Zeit mit großem Interresse und hab mich endlich entschlossen mich auch anzumelden.
Leider vefüge ich weder über Flatrate, einen extra Internet-Anschluss noch über viel Zeit, weshalb sich meine Posts wohl hauptsächlich auf Filmkritiken beschränken werden. Nichtsdestotrotz würde ich mich über eine Reaktion, ein Kommentar oder eine Frage freuen, auch wenn ich nicht so häufig Online und sich deshalb die Antwort etwas verspäten könnte.
Nun aber die erste Kritik:



Der letzte Mann

Deutschland 1924
Regie:
Friedrich Wilhelm Murnau
Buch:
Carl Mayer
Kamera:
Karl Freund
Darsteller:
Emil Jannings, Maly Delschaft, Max Hiller

Der langjährige Angestellte des Hotels "Atlantic" wird wegen seines hohen Alters und der damit verbundenen Altersschwäche von seinem Posten als Portier, in die Herrentoilette versetzt. Damit beginnt für den Portier ein Abstieg, der nur durch einen Zufall endet.


Mit geschwellter Brust stolziert der Portier (Emil Jannings) der Hauptprotagonist des Films durch "sein" Hotel, passiert selbstbewußt die Drehtür und legt nach dem er sich vor der Tür positioniert hat, feierlich seinen Regenmantel ab unter dem eine glänzende Uniform zum Vorschein kommt, die er stolz präsentiert. Nach dem er genauso stolz seinen breiten Backenbart gerichtet hat, geleitet er zwei junge Damen zu einem wartendem Auto.
Dies ist die Eingangssequenz von Friedrich Wilhelm Murnaus Der letze Mann aus dem Jahr 1924. Die erste Einstellung ist aus dem inneren eines abfahrenden Fahrstuhls, nachdem dieser im Erdgeschoss angekommen ist bewegt sich die Kamera durch die Vorhalle bis sie vor der Drehtür zum Stillstand kommt und der Portier ins Bild tritt. Die Kamera filmt aus seinem Blickwinkel, dass was er sah. Durch diese und einige weitere Einstellungen im Fortlauf des Films, die die sogenannte subjektive Kamera einführten, schrieb das Werk Filmgeschichte. Dies war sicher keine geniale Idee, sondern nur die logische konsequenz der damaligen Filmentwicklung und es ist auch nicht allein die subjektive Kamera die den Film zu dem macht was er ist. Vielmehr ist sie ein Teil von verschieden Utensilien, mit denen Regisseur Murnau eindrucksvoll sein filmisches Bewußtsein beweist. Murnau schöpft aus allen Mitteln um die Kraft des Bildes zu nutzen. Fast jede Szene wird rein visuell und durch die Montage gelöst, ohne die für die Stummfilmzeit üblichen Zwischentiteln. Großartig folgt die Kamera dem Portier ist dynamisch und gestaltend, so dass von einer "entfesselten Kamera" gesprochen wurde. Genaugenommen gibt es nur zwei Schrifteinblendungen: Die erste ist auch die entscheidene, die die Geschichte ins Rollen bringt. Dem Portier wird schriftlich mittgeteilt, dass er aufgrund von Altersschwäche, seinen Posten als Portier verliert und versetzt wird. Die Schrift wird hier kontrastreich zum ganzen Film eingesetzt. Jedes Wort wird übergroß in Detailaufnahme gezeigt, wodurch seine Bedeutung hervorgehoben und unterstrichen wird. Für den Portier entwickelt sich daraufhin eine Katastrophe. Ihm bleibt nichts anderes übrig als den Platz vor dem Hotel mit einem Stuhl im Toilettenraum und seine Uniform gegen einen weißen Kittel zu tauschen. Filmisch wird sein Abstieg durch den Gang in die Kellergewölbe des Hotels gezeigt, wo sich die Toiletten befinden. Welch Folgen dies nach sich zieht wird aber erst später deutlich. Mit dem Posten verlor er nicht nur seine Uniform sondern auch seine Würde sein Selbsbewussstsein und auch seine Haltung, sein Alter tritt hervor, er sackt zusammen und geht nur noch schwer mit gekrümmten Rücken. Mit Uniform wurde er von Nachbarn und Freunden geachtet, ohne sie traut er sich nicht mal mehr Nachhause zu gehen, weshalb er die Uniform mitgehen lässt, um sein Schicksal vor ihnen zu verheimlichen. Doch es kommt noch schlimmer: Als seine Nichte die gerade geheiratet hat und ihn verlassen hat, ihm eine Mahlzeit für die Pause bringen möchte trifft sie ihn am Tiefpunkt zusammengekauert auf der Toilette den Boden wischend. Bis zu diesem Zeitpunkt erzählt Murnau den Verfall des Portiers logisch und konsequent. Danach kommt die oben genannte zweite Schrifteinblendung und eigentlich die einzige Texteinblendung die besagt dass der Film an dieser Stelle enden sollte und nur fortgeführt wird weil der Drehbuchautor mitleid hatte. Was danach folgt ist der unglaubwürdige und glückliche Aufstieg des Portiers der durch einen Zufall eine große Geldsumme geerbt hat, und nun versucht mit der neuen Lebenssituation zurecht zu kommen. Zurückzuführen ist dieses Happy-End nicht auf den Drehbuchautor, sondern auf Hauptdarsteller Emil Jannings der sich weigerte die Rolle zu spielen, wenn der Film tragisch endet. Daraufhin hängte Autor Carl Mayer das Ende zusammen mit dem Titel an. Murnau war davon ebensowenig begeistert, so dass er diese Passage des Films augenzwinkernd mit übertriebenem Humor, in einem völlig anderem Stil inszeniert, so dass dieser Teil völlig unangebracht und lächerlich.wirkt.
Der letzte Mann wurde dennoch zu seiner Zeit der erfolgreichste deutsche Film in Europa und Amerika und eröffnete für Murnau den Weg nach Hollywood, wo er mit Filmen wie Sunrise und Tabu noch Filmgeschichte schreiben sollte.
Am Ende steht Trotz des unbefriedigenden Endes, der großartig gefilmte Abstieg des Portiers, der von Emil Jannings so großartig verkörpert wird. Mit Der letze Mann entwarf Murnau ein virtous inszeniertes um realismus bemühtes Bild der Großstadt und der Gesellschaftordnung im Zwiespalt mit dem Individuum. Ein bedeutender deutscher Filmklassiker, welcher es auch mit Murnaus vielbeachtetem Nosferatu aufnehmen kann.


Wertung: 89 Prozent