„Boys Don’t Cry“

USA, 1999, 118 min.

20th Century Fox

Darsteller: Hilary Swank, Chloe Sevigny, Peter Sarsgaard, uva

Regie: Kimberly Peirce

„Boys Don’t Cry“ ist wiedereinmal so ein Film, der, um das Ergebnis gleich mal vorwegzunehmen, genial ist, es aber nie richtig nach Deutschland geschafft hat. Sehr schade, denn was uns Kimberly Peirce hier präsentiert, ist wirklich sehr beeindruckend.

Erzählt wird die Geschichte der 21-jährigen Teena Brandon, die in der Einöde von Nebraska lebt. Teils aus Langeweile, teils aus sexuellem Interesse verkleidet sie sich als Junge, fährt in Nachbardorf, stellt sich als Brandon Teena vor und mischt sich unter die Dorfjungend. Ihre Täuschung ist so glaubwürdig, dass sie sich schon bald einen neunen Freundeskreis aufgebaut hat und auch zu einer Freundin zieht. Ich will an dieser Stelle nicht zu viel verraten, nur soviel sei gesagt: Ihre Tarnung wird sie nicht ewig aufrecht erhalten können.

Das Konzept von „Boys Don’t Cry“ funktioniert einfach. Alle Faktoren fügen sich nahtlos zu einem überzeugenden Film zusammen.
Fangen wir einmal mit der Inszenierung an. Sowohl die Kamera, wie auch der Schnitt und die Musik sind sehr ruhig und halten sich eindeutig im Hintergrund. Auf optische Spielereien oder auch auf die in letzter Zeit so populär gewordenen schnellen Schnitte wird ganz verzichtet. Ich will hier die Leistung von Kimberly Peirce gar nicht mies machen, ganz im Gegenteil. Es ist heutzutage schon fast ein Phänomen, wenn sich ein Regisseur/in auch mal zurückhalten kann und nicht mit aller Gewalt irgendwelche Schockelemente einbauen will.
Der Film vertraut voll und ganz der Story und dem Drehbuch. Und das passt. Die Handlung ist hochdramatisch, dabei aber auch todtraurig und fesselt den Zuschauer auch über den Film hinaus.
Hinzu kommt eins der komplettesten Darstellerensembles, welches ich in letzter Zeit gesehen habe. Von der Hauptdarstellerin bis zu den Nebenrollen ist jeder Charakter einfach optimal besetzt und verleiht dem Film eine fast schon erschreckende Authensität. Klar hervorheben muss man trotzdem Hilary Swank, die Teena Brandon verkörpert. Ihre ganze Unsicherheit, der innere Konflikt werden so überzeugend dargestellt, wie ich es selten gesehen habe. Man spürt das Glück in den wenigen Momenten, in denen sie sich um ihr Leben keine Sorgen machen muss und einfach nur genießen kann. Man spürt die Verzweifelung, wenn sie dann wieder in die wirkliche Welt zurück kommt. Einer der klarsten und verdientesten Oscars der 90er!

Wenn man irgendwie die Chance hat, sich „Boys Don’t Cry“ anzuschauen, sollte man sich das auf keinem Fall entgehen lassen!