„Lucky Numbers“

USA, 2000

105 min.

Darsteller: John Travolta, Lisa Kudrow, Tim Roth, Ed O’Neill

Drehbuch: Adam Resnick

Regie: Nora Ephron


Die Thematik ist eigentlich gar nicht so schlecht. Ich bin sicher, wenn die Coens (Fargo, The Big Lebowski) den Film gemacht hätten, wäre das ein Renner geworden. Denn es richtiger Coen-Stoff. Alle Charaktere sind irgendwie Loser-Typen, die sich an einem Sache ranwagen, wie sie einfach nicht schaffen können und die dann natürlich auch derbe schief läuft.

In diesem Fall ist dass Russ Richards (John Travolta), der Wetterfrosch eines Lokalsenders, der sich mit Schneemobilen verspekuliert und mit Hilfe des windigen Barbesitzers Gig (Tim Roth) und der egozentrischen Lottofee Crystal (Lisa Kudrow) die staatlichen Lottoziehungen betrügen will. Natürlich läuft nichts so wie geplant.

Eine solche Story schreit geradezu nach einer Menge Sarkasmus und Situationskomik. Diese beiden Worte scheine Drehbuchautor Resnick und auch Regisseurin Nora Ephron aber total unbekannt zu sein. Der Film kann sich einfach nicht entscheiden, oder er eine Satire oder eine Komödie sein will. Natürlich schließt das eine das andere nicht zwingend aus, aber hier wurde eine sehr unglückliche, und gerade zum Ende hin doch auch sehr enttäuschende Variante gewählt. Das Drehbuch hat natürlich Schwächen. Auch wenn die Geschichte wohl irgendwie auf wahren Taschen basiert, nehme ich mal einfach an, dass die dramaturgische Freiheit, die man sich hier genommen hat, doch relativ groß war. So einfach, wie man hier die Lottogesellschaft um 6,4 Millionen $ prellen kann, kann das in Wirklichkeit einfach nicht sein. Aber egal, ich will jetzt nicht anfangen, die Realitätsverzerrung in Hollywoodfilmen zu analysieren. Denn in der Tat wiegen die Drehbuchmängel in diesem Fall nicht so schwer. Was viel schlimmer ist, und woran der Film wohl letztendlich auch scheitert, sind die Charaktere. Denn die Divergenz, die sich schon in der Handlung offenbart, feiert bei den Charakteren ihren Höhepunkt. Es gibt keinen Held, keine Anti-Held, der Zuschauer hat keine Bezugsperson, keinen Orientierungspunkt. Alle Charaktere dümpeln so zwischen den Fronten, der Zuschauer weiß einfach nicht, wem er die Daumen drücken soll. Man ist immer auf Distanz und fühlt sich nicht wirklich in den Film hineinversetzt, baut keine Beziehung auf.
Dem nicht gerade förderlich sind die darstellerischen Leistungen. Travolta spielt nicht wirklich schlecht, aber irgendwie...lächerlich. In einigen Szenen lächerlich-dümmlich, in andern lächerlich-peinlich, aber lächerlich auf jedem Fall. Auch Ed O’Neill kann nicht wirklich überzeugen, ich hatte immer das komische Gefühl, von der Mimik und Gestik mehr Al Bundy als sonst wen zu sehen. Tim Roth hingegen ist ein Lichtblick und Lisa Kudrow hat mich auch einigermaßen überzeugen können.

Nun, natürlich braucht nicht jeder Film eine tiefgründige Aussage, auch ich lehne mich gerne zurück und lasse mich unterhalten, aber irgendwas sollte einem doch im Gedächtnis bleiben, irgendetwas besonderes, woran man gerne zurückdenkt, was einen fasziniert. Und dieser gewisse Funken Kinomagie springt bei „Lucky Numbers“ einfach nicht über. So erzählt er halt seine Geschichte, nicht mehr; nicht weniger. Schön. Aus dem Kino aus dem Kopf.