„Spiel auf Zeit“

USA, 1998
98 Mnuten
Original: „Snake Eyes“

Darsteller: Nicolas Cage, Gary Sinise, u.a.
Drehbuch: David Koepp
Regie: Brian De Palma

So, gestern Abend lief ja „Spiel auf Zeit“ im Fernsehen, da schreib ich doch mal schnell ‚ne Kritik :wink:.

Zur Handlung: Polizist Ricky Santoro (Nicolas Cage) besucht in Altantic City einen Boxkampf, dabei trifft er einen alten Freund Kevine Dunne (Gary Sinise), der als Leibwächter des US-Verteidigungsminister da ist. Dieser wird unglücklicherweise während des Kampfes ermordet. Nun geht es drum, den Mordfall und die vielen Auffälligkeiten aufzudröseln.

Schade, wirklich schade dass „Spiel auf Zeit“ das tolle Niveau der ersten 70 Minuten nicht auch bis zum Ende bei behält. Die ersten ¾ des Films hauen einen, gelinde gesagt, von den Socken. Der Mord passiert relativ früh, danach arbeitet der Film in Rückblenden und erzählt so, wie die einzelnen Beteiligten den Mord erlebt haben. Dabei wird Filmtechnisch oftmals mit sehr geschickten p.o.v.s (Point Of View-Einstellungen) gearbeitet, die den Zuschauer sehr intensiv in das Gesehen mit einbinden. Die Kombination DePalma (Regie), Stephen Burum (Kamera) und Bill Pankow (Schnitt), die mit dieser Art und Weise schon „The Untouchables“ zu einem besondern Filmerlebnis gemacht haben, schaffen das bei „Spiel auf Zeit“ fast noch besser. Fast eine klaustrophobische Atmosphäre entsteht, denn die 98 Minuten, die der Film läuft, verstreichen auch im Film. Eine Minute „Echtzeit“ ist auch eine Minute im Film. Zudem ist das ganze Geschehen auf die Box-Arena und das angrenzende Hotel/Casino beschränkt, und wie die 14.000 Zeugen, die den Tatort nicht verlassen dürfen, ist man auch als Zuschauer gefangen.

Es hätte so ein schöner Film werden können, wenn da nicht nach ca. 70 Minuten (genau kann ich es nicht sagen) ein deutlicher Bruch gewesen wäre. Ich weiß auch nicht, woran es genau liegt, aber irgendwie verliert der Film ganz rapide an Attraktivität. Ob Screenwriter David Koepp angefangen hat zu trinken oder ob er entführt wurde und durch eine gewöhnlichen Hollywood-Schreiber ersetzt wurde? Denn genau das wird der Film: gewöhnlich. Das Ende ist einfach mies, dann wird noch eine halbe Lovestory reingefummelt und auch die tollen optischen Gimmicks sind irgendwie verschwunden. Wirklich schade, denn der tolle Anfang hätte durchaus ein würdiges Ende verdient, zumal Cage und Sinise auf ganzer Linie überzeugen.

Man behält ja meistens das, was man zuletzt sieht, am besten in Erinnerung, und deshalb schmerzt es besonders, wenn ein guter Film ein schlechtes Ende hat. Da ist mir ein schlechter Anfang lieber, wenn’s dann besser wird. Trotzdem will ich hier auch nicht allzu schwarz malen, „Spiel auf Zeit“ lohnt sich auf jedem Fall, der erste Teil ist mit das beste, was ich in letzter Zeit gesehen habe und tröstet auch über das nicht ganz befriedigende Ende hinweg.