„The Cell“

USA, 2000

New Line Cinema, ca. 105 min.

Darsteller: Jennifer Lopez, Vince Vaughn, Vincent D’Onorfio

Kostüme: Eiko Ishioka, April Napier

Musik: Howard Shore

Schnitt: Paul Rubell, Robert Duffy

Produktiondesign: Tom Foden

Kamera: Paul Laufer

Drehbuch: Mark Protosevish

Regie: Tarsem Singh



An Tarsem Singhs’ Spielfilm-Regie Debüt „The Cell“ scheiden sich die Geister. ‚Überzogen brutal und inhaltslos’ sagen die einen, ‚Bildgewaltig und faszinierend’ sagen die anderen. Wie so oft liegt die Wahrheit wohl irgendwo dazwischen.

„The Cell“ beginnt mit zwei unabhängigen Handlungssträngen. Auf der einen Seite ist Catherine Deane (Jennifer Lopez) eine Kinderpsychologin, die in einer Klinik mit Hilfe modernster Technik in den Geist von Kindern, die im Koma liegen, „eintaucht“ und so versucht, zu den Kindern Kontakt herzustellen. Auf der anderen Seite ist Peter Novak (Vince Vaughn), FBI Agent und auf der Jagd nach Carl Stargher (Vincent D’Onorfio), der regelmäßig Frauen entführt und ertränkt. Als Stargher gefasst wird, ist eine junge Frau noch in seiner automatischen „Todesmaschine“ gefangen, und Stargher liegt unglücklicherweise im Koma. An dieser Stelle tritt Catherine auf den Plan, die in den Geist des Killers eintauchen, und das letzte Opfer retten soll.

Das mag alles ein bisschen hanebüchen klingen, und in der Tat ist die Story wohl der größte Schwachpunkt von „The Cell“. Zum einen wirkt alles extrem weit her geholt, zudem ist es auch noch etwas unlogisch. Zwar spielt sich die Hälfte des Films im Geist des Killers ab, der Geist des Zuschauers wird dabei aber nicht sonderlich gefordert. Was beim Zuschauer unterhalten wird, ist das Auge. Dank ausgefeilter Kameratechnik, sehr guten digitalen Effekten und vor allem einem ganzen Haufen an ausgefallenen Ideen, wird „The Cell“ zu einem optischen Genuss, der immer wieder mit neuen Effekten, Einfällen und Farbdramaturgie überraschen kann. Ganz besonders die Sequenzen, die in dem Geist des Killers spielen, sind visuell sehr ansprechend. Man spürt, dass die Macher Spaß daran hatten, sich mal „austoben“ zu können, denn was man in „The Cell“ sieht, ist durchaus originell. So muss an dieser Stelle dem Produktionsdesigner, den Kostümdesignern und dem ganzen Ausstattungsteam mal einfach ein Lob ausgesprochen werden. Auch die Kameraführung ist durchaus innovativ und setzt erfrischend neue Akzente. Gleiches gilt für den Schnitt, der mal schnell, mal geruhsam, sich immer unauffällig dem Geschehen anpasst. In dieser Richtung muss man sagen, dass auch Regisseur Tarsem Singh gute Arbeit geleistet hat. Irgendwie spürt man, dass er aus der Welt der Werbespots und Musikvideos kommt, denn der Stil von „The Cell“ ist eigentlich ehr aus diesen Bereichen bekannt. Trotzdem, und das ist das schöne, wirkt der Film nicht überladen mit „Trickshots“ und Effekten, hier wurde ein guter Mittelweg gefunden. Aber es gibt nicht nur was auf die Augen, auch die Ohren kommen nicht zu kurz. Der eigentliche Score ist durchaus schon hörenswert, was dem Film jedoch richtig atmosphärisch macht, sind die Sound-Effekte. Viele visuelle Erscheinungsbilder, aber auch Schnitte, werden zum Teil sehr passend mit Geräuschen unterlegt.
Trotzdem gibt es auch noch ein paar Wehrmutstropfen bei „The Cell“. Neben der schon angesprochenen lauen Handlung, enttäuschen vor allem die Schauspieler. Jennifer Lopez und Vincent D’Onorfio überzeugen noch am meisten, ihre Leistungen werden aber vor allem durch die tollen Kostüme stark beeinflusst, sodass man fast mehr auf die Kleidung als auf die Gesichter achtet. Ziemlich blass hingegen bleibt Vince Vaughn. Er kann hier einfach die Gefühle, die sein Charakter durchlebt, nicht überzeugend darstellen. Eine gute Szene hat er, diese hat es jedoch leider nicht in den Film geschafft, sondern nur auf die DVD, in die „Deleted Scenes“. Alle übrigen Nebendarsteller bleiben ohne Ausnahme auch unauffällig, haben vom Drehbuch aus aber auch keine wirkliche Chance, groß aufzutreten.
Ein weiterer Fakt, den man durchaus als Kritikpunkt verstehen kann, ist die Darstellung der Gewalt. Diese ist teilweise so explizit und pervers, dass die FSK 18 auf jedem Fall berechtigt ist, und selbst zartbesaiteten Erwachsenen den Appetit verderben kann. Ich denke (auch wenn ich sie noch nicht gesehen habe), dass man auch durchaus mit der FSK 16 Version leben kann.

Um noch mal den Anfang dieser Kritik auszugreifen: „The Cell“ polarisiert. Ganz klar. Die Stilmittel sind sicherlich nicht jedermanns Sachen, aber gerade inhaltlich hängt es doch extrem vom eigenen Geschmack ab, ob man den Film nun mag oder nicht. Mir persönlich gefällt er durchaus, ich kann es aber auch total verstehen, wenn Leute mit dem Film gar nichts anfangen können. Da dieser Film, wie gesagt, sehr, meiner Meinung nach mehr als andere Filme, vom persönlichen Geschmack abhängt, ist es schwer, eine Empfehlung, oder ein Abraten, auszusprechen. Wenn man wissen will, ob einem „The Cell“ gefällt, muss man ihn sich wohl selbst anschauen.