„Fear And Loathing In Las Vegas“

USA, 1998, 111 Min.

Summit Entertainment, Universal Pictures

Regie: Terry Gilliam
Drehbuch: Terry Gilliam, Tony Grisoni, Tod Davies, Alex Cox
Kamera: Nicola Pecorini
Produktionsdesign: Alex McDowell
Schnitt: Lesley Walker
Produzenten: Laila Nabulsi, Patrick Cassvetti, Stephen Nemeth
Darsteller: Johnny Depp, Benicio Del Toro, u.a.


„Wir waren kurz hinter Barstow, inmitten der Wüste, als die Drogen anfingen zu wirken...“


Mit diesem Satz beginnt Terry Gilliams Drogentour durch Las Vegas, und dieser Satz ist Programm.

Das Jahr 1971: Der Sportjournalist Raoul Duke (Johnny Depp) bekommt den Auftrag, von einem Motorradrennen, dem „Mint 400“, aus der Wüste von Nevada zu berichten. Begleitet von seinem Anwalt Dr. Gonzo (Benicio Del Toro) begibt er sich nach Las Vegas. Den Kofferraum vollgestopft mit jeder verfügbaren legalen und illegalen Droge, gerät der eigentliche Auftrag der beiden schnell aus den Augen.

Dies bekommt auch der Zuschauer zu spüren, denn das Wüstenrennen ist nach ca. 20 Minuten vorbei und vergessen. Dass eigentlich Hauptaugenmerk des Films liegt eindeutig in der Darstellung der Drogenexzesse, der verschiedenen Trips und Flashbacks.
Diese sind jedoch erstklassig in Szene gesetzt und vermitteln dem Zuschauer eine Intensität, wie man sie nur selten erleben kann, ohne sich strafbar zu machen. Geling tut dies mit Hilfe des Einsatzes diverser Weitwinkel-Objektive, Filter, schrägen und unkonventionellen Kamerapositionen und einem Haufen abgedrehter optischer Gimmicks, die den Zuschauer in die Welt des LSD, Meskalin und Äthers ziehen. Akustisch ist das ganze sehr passend mit Songs der 70er Jahre unterlegt.
Auf diese Art und Weise ziehen die beiden Hauptpersonen durch Las Vegas, verwüsten ein Hotelzimmer nach dem anderen, ärgern sich mit den Cops, Hotelangestellten, Zimmermädchen und Reporterkollegen herum.
Immer wieder wird die Drogentour von ruhigen Momenten unterbrochen, die in schwarz-weiß gehalten den Zuschauer in die Welt von 1971 versetzen und mit Problemen wie dem Vietnam-Krieg und Nixons Politik konfrontieren. Der Sinn dieser fast dokumentarischen Abschnitten bleibt dem Zuschauer jedoch verborgen. Sind die beiden eigentlich Rebellen, die mit dem System unzufrieden sind? Soll der Zuschauer einfach nur den Geist der Zeit erleben? Es gibt mehrere Möglichkeiten, der Film schreibt keine zwingt richtige vor.

Zu dem schauspielerischen Leistungen: Johnny Depp überzeugt auf ganzer Linie. Sein Mimik und vor allem seine Körpersprache lassen den Zuschauer sofort wissen, in welcher Verfassung er sich zur Zeit befindet. Dies trifft nicht für Benicio Del Toro zu, der zwar für seine Rolle 20 Kilo zunahm und dessen Charakter auch sehr schwierig und verschlossen ist, aber irgendwie nie stimmig und harmonisch dargestellt wirkt.
Einige andere bekannte Schauspieler tauchen in kleinen Mini-Rollen auf, wie zum Beispiel Christina Ricci, Cameron Diaz und Flea von den „Red Hot Cilli Pepers“.

Abschließend lässt sich festhalten, dass „Fear and Loathing...“ wohl am besten als Komödie zu bezeichnen ist. Die Trips sind alle recht lustig und problemlos dargestellt. Zwar ist er nicht unbedingt Drogen-verherrlichend, eine appellative Aussage gegen den Gebrauch von Drogen, wie etwa in „Trainspotting“, kann dem Film aber nicht attestiert werden. Das fehlen einer Handlung und der gescheiterte Versuch, dem Film einen politischen oder sozialkritischen Background zu geben, sprechen ebenfalls dafür.

Fazit: „Fear and Loathing In Las Vegas“ ist ein lustiger, teilweise sehr intensiver Film, bei den man aber eine tiefere Aussage vergeblich sucht. Trotzdem sehenswert.