Ich habe mich gestern Abend doch noch aufgemacht um den von mir heißersehnten und langerwarteten ARTIFICAL INTELLIGENCE - A.I.zu sehen. Ich hatte ja dank der genialen "Kubrick Collection" die beiden Freikarten. So wie es aussieht poste ich hier als erster eine Rezension zu A.I. Dann wollen wir einmal.

His love is real.
But he is not.

Titel:"Artificial Intelligence"
Land: USA
Jahr: 2001
Sprache: English
Genre: Science Fiction/Drama
Regie: Steven Spielberg
Kamera: Janusz Kaminski
Drehbuch: Steven Spielberg (basierend auf der Kurzgeschichte "Supertoys Last All Summer Long" von Brian Aldiss 1969)
Darsteller:
David: Haley Joel Osment
Gigolo Joe: Jude Law
Prof. Hobby: William Hurt
Monica Swinton: Frances O'Connor
Henry Swinton: Sam Robards
Lord Johnson-Johnson: Brendan Gleeson
Musik: John Williams
Verleih: Warner Bros.
Laufzeit: 146 Minuten
FSK: Ab 12 Jahren


Artificial Intelligence behandelt ein sehr interessantes Thema das schon sehr viele Regiesseure inspiriert hat. Sowohl Kubrick als auch Spielberg haben damit schon gearbeitet. Kubrick in "2001 A Space Odyssey" und Spielberg in "Close Encounters of the 3rd Kind".

Once upon a time...

In ferner Zukunft: Die Polarkappen sind geschmolzen, viele Großstädte sind tief auf den Meeresgrund gesunken. Aufgrund der Überbevölkerung gibt es Schwangerschaftsgesetze die es verbieten Kinder zu gebähren. Roboter (sog. Mechas) werden für viele Arbeiten und Berufe eingesetzt. Sie brauchen keine Nahrung, keinen Schlaf und sind somit ideal einzusetzen.
Monica und Henry Swinton haben einen gemeinsamen Sohn der wegen einer schweren Krankheit eingefroren werden musste. Sie entscheiden sich deshalb das neueste Robotermodell der Firma "CYBERTRONICS" zu "adoptieren". Sein Name ist David und er wurde programmiert zu lieben. Seine Mutter bis in alle Ewigkeit zu lieben, ohne Unterlass. Es passieren im Laufe des ersten Viertels viele Ereignisse, die die Familie mißtrauisch gegenüber ihrem Ersatzkind werden läßt. Außerdem wurde in der Zwischenzeit der fast verloren geglaubte "echte" Sohn namens Martin wieder geheilt. Unter den beiden entsteht sofort Neid, und ein Kampf um die Lieber ihrer Mutter. Wie es natürlich kommen musste, wird David von seiner Mutter ausgestoßen. Von seiner Mutter hat er ein sogenanntes "Supertoy" geschenkt bekommen, einen kleinen Teddybär, ebenfalls ein Roboter. Die ganze Geschichte ist ein wunderschönes Märchen, das aber auch sehr düster und melodramatisch ab dem 2 Viertel des Filmes wird. David hat von seiner Adoptivmutter (Er nennt sie "Mummy") die Geschichte von Pinocchio vorgelesen bekommen. Und da beginnt die Fabelgeschichte namens A.I..

David wird nun von seiner Mutter ausgestoßen, weil er nicht real ist kann sie ihn nicht wirklich lieben. Er will nun wie Pinocchio ein echter Junge werden, damit er die Liebe seiner Mutter bekommt. Nun ist er auf der Suche nach der blauen Fee. Diese Fee soll David zu einem echten Kind machen.

Jetzt beginnt der Part, den ich als Hommage an Stanley Kubrick gesehen, und verstanden habe.
Auf seiner Reise nach der blauen Fee hilft ihm ein Mecha namens Gigolo Joe (Jude Law) ein Sexroboter. Einer der witzigsten Charaktere im ganzen Film, neben Teddy natürlich.
Jude Law wirkt ihn seiner Maske und seinem Anzug wirklich sehr künstlich er ist nicht wiederzuerkennen mit dem Jude Law den wir alle kennen.
Der Anfang des Filmes gefiel mir persönlich schon sehr gut, die Art und Weise wie Familie Swinton versucht David als einen normalen Jungen anzusehen, und mit ihm zu leben. Der Konflikt zwischen dem leiblichen Kind und dem mechanischen Kind, Martin und David. Die Szenen mit Prof. Hobby (William Hurt), der Konstrukteur von David der in seiner Firma "CYBERTRONICS" über neueste Robotermodelle wie z.B. David nachdenkt und berät.
Der ganze Film ist wunderschön gefilmt. Alle Kameraaufnahmen von Janusz Kaminski sind herrvorragend gefilmt. Es wird sehr viel weißes Licht verwendet um die künstlichkeit der ganzen Szenerie zu untermalen. Und die musikalische Untermalung von John Williams ist wie immer vorzüglich, sehr ruhig und leise und sehr melodramatisch aber einfach passend zur Stimmung.
Nach dem ersten Akt kommt der "Kubrick" in Spielberg hervor. Alle verstoßenen Mechas werden von den Menschen in einer "Flesh Fair - Celebration of Life" zur Schau gestellt und nacheinander zerstört.
Ab hier fängt der Film an seine düsteren Visionen zu offenbaren, Gigolo Joe, David und Teddy können von der "Flesh Fair" fliehen und gelangen per Zufall nach "Rouge City". Beeindruckende Szenen zeigen uns eine Stadt der Zukunft in der Liebe von Robotern geboten wird, und fast alles möglich ist. In diesen Szenen fühlt man sich wieder wie in einem Kubrick Werk. Alles in "Rouge City" ist irgendwie düster, pervers, und beängstigend. Spielberg schafft es den Zuschauer, wie in vielen seiner Filme, zu erstaunen, zu begeistern, zu verblüffen, und gottseidank zum Nachdenken anzuregen. Der Film hat soviele Anspielungen, ich will noch nicht zuviel verraten aber denkt mal über die Koseworte nach die Monica David zuflüstert um seine Prägung zu aktivieren.
Von "Rouge City" kommen wir ins Manhattan der Zukunft, oder das was davon übrig ist. Ich will noch nicht zuviel verraten, sonst lohnt sich der Kinobesuch ja nicht mehr. Ab jetzt driftet der Film wieder ins "Spielbergsche" ab. Sehr Sentimental, sehr kitschig und sehr klischeehaft. Viele Kritiker haben das als Schwachpunkt bemängelt und behauptet hier lägen die großen Schwächen von A.I.. Der Fehler der A.I. davon abhält ein Meisterwerk sein zu lassen. Ich hingegen fand auch diese Stellen beieindruckend, vielleicht hätte Kubrick den Film nicht so enden lassen. Aber Spielberg hat selbst behauptet das dieses Ende auch Kubrick vorschwebte. Aber es ist unnötig darüber zu diskutieren was für ein Film A.I. geworden wäre hätte ihn Kubrick verwirklicht denn es ist ein Film von Steven Spielberg!
Das Ende erinnert ein wenig an das Ende von "2001 - A Space Odyssey" bei der der Zuschauer auch nicht so recht weiß wie die logische Erklärung für das eben gesehene sein könnte. Es läßt sich auch hier viel darüber rätseln was genau am Ende passiert. Aber ich möchte wie gesagt die Vorfreude nicht nehmen.

Es gibt einige sehr bewegende emotionale Szenen in A.I.. Und gerade von den Dialogen her einfach ergreifend. Und wenn man bedenkt das Spielberg seit langem kein Drehbuch mehr selbst geschrieben hat (wie in Close Encounters of the 3rd Kind) dann muß man ihm wirklich ein Kompliment machen. Die Dialoge sind sehr gut.

Von den Darstellern ganz zu schweigen. Haley Joel Osment, der 13 jährige der die erwachsenen Welt mit seinem Auftritt in "The Six Sense" begeisterte. Dieser Haley ist auch hier wieder umwerfend. Er spielt nun eine völlig andere Rolle und ist anfangs sehr komisch, aber vor allem beängstigend und sehr künstlich. Er verleiht seiner Rolle als David unglaubliche Authentizität. William Hurt als Prof. Hobby ist ebenfalls sehr glaubwürdig. Die Rolle die seltsamerweise aber jedem am meisten gefallen wird ist die des Teddy´s! Was die Effecktschmiede ILM hier wieder abgeliefert hat ist astreine Arbeit.


Ich weiß auf jeden Fall welchen Film ich mir nocheinmal im Kino ansehen werde und welcher Film als nächstes mein DVD Schrank schmücken wird. Denn A.I. ist so einer der Filme die beim mehrmaligen gucken ihre ganze Komplexität erst preisgeben und völlig neue Ansichten eröffnen.

Nun seit ihr an der Reihe A.I. zu sehen, zu genießen, zu bestaunen, zu verstehen, und im Nachhinein darüber zu diskutieren...