Titel: "The Score"
Land: USA
Jahr: 2001
Sprache: Englisch / Französisch
Genre: Ganovendrama / Thriller
Regie: Frank Oz, Robert De Niro (einige Szenen)
Darsteller: Robert De Niro, Edward Norton, Marlon Brando, Angela Bassett
Länge: 123 Minuten
FSK: ab 12


Der "professionelle" Einbrecher Nick will sich eigentlich nach vielen erfolgreichen Coups zur Ruhe setzen und nur noch sein Leben als Besitzer ein Jazz-Bar verleben. Doch sein Auftraggeber, der schwergewichtige Max, will, daß er noch ein letztes Ding dreht und stellt ihm den jungen Jack zur Seite mit dem zusammen er einen schier unmöglichen Auftrag durchführen soll: Ein Jahrhunderte altes Zepter liegt aufgrund von Zustellungsschwierigkeiten im Zollamt von Montreal. Dort sollen Nick und Jack einbrechen und es unter schwierigsten Bedingungen stehlen...



Mit "The Score" legt "Bowfinger"-Regisseur Frank Oz uns einen klassischen Gaunerfilm vor, wie man ihn sich gängigerweise vorstellt. Es gibt zum einen die Einbrecher, auf deren Seite der Zuschauer sich unweigerlich befindet, und die Überwachungssysteme vor dem Objekt des Begehrens, deren Überwindung er erhofft. Dies alles wäre ja nichts Besonderes und Ungewöhnliches, wäre da nicht die tatsächlich außergewöhnliche Besetzung: Mit Robert De Niro (zweifacher Oscar-Preisträger für "The Godfather Part II" und "Raging Bull") und Edward Norton (hochgelobt für seine Rollen in "Fight Club" und "American History X") geben sich zwei Generationen des letzten Kinojahrhunderts die Klinke in die Hand. De Niro, der unweigerlich zu den Größten Schauspielern der späten 70er-, 80er- und 90er-Jahre zählt und Erdward Norton, eine der größten Hoffnungen für das neue Jahrhundert. Die wahre Sensation macht aber der inzwischen 77-jährige und nichtsdestotrotz immer exzentrischer werdende Marlon Brando aus, die erste Generation dieser drei Schauspieler und eine der absoluten Legenden des Kinos. Unvergessen bleiben seine Auftritte in "The Godfather" (Oscar 1972), "On The Waterfront" (Oscar 1954) und "Apocalypse Now", um nur einige zu nennen.
De Niro und Norton machen ihre Aufgabe auch sehr gut, vor allem Norton, der mit seinem leicht süffisanten Gesichtsausdruck und der mimischen Unberechenbarkeit, wieder alle Register seiner Kunst zieht. Marlon Brandos (recht wenige) Auftritte wirken hingegen eher cameohaft, wie eine kleine Hommage an längst vergangene Kinozeiten. Dennoch bietet er grundsolide Schauspielkunst, die sich jedoch längst nicht mehr mit der früherer Tage assoziieren lässt. Brandos Anwesenheit in diesem Werk allerdings auf seine Leibesfülle zu reduzieren - wie manche Kritiker das taten - halte ich aber für eine Dreistigkeit und ungerechtfertigt. Es gibt sogar einige Szenen, in denen er mir ziemlich gut gefiel und ein wenig von seinem einstigen Ausnahmekönnen aufblitzen ließ. Ebenso hommageartig wie Brandos Auftritte gibt sich auch "The Score" selber. Oz inszenierte einen sehr konventionellen Gaunerfilm, der sich einer starken formalen Strenge bedient. Kameramann Rob Hahn liefert visuell konservative Bilder, die sich keinerlei optischer Spielereien bemächtigen und schafft im Einklang mit der Beleuchtung eine angenehme Hell/Dunkel-Atmosphäre, die sich gut in das auch ansonsten elegant gestylte Ambiente einpasst. Auch dramturgisch versucht der Film gar nicht erst, neue Wege des Erzählens einzuschlagen (der Film folgt dem für Einbruchsfilme klassischen Strickmuster von langer Vorbereitung - Endplanung -Durchführung und weicht von diesem niemals ab), sondern bleibt durchgehend linear. In dieser Eingängigkeit und Simplizität wird die größte Schwäche des Filmes mehr als deutlich: Die Handlung ist leider nur altbacken und wartet mit keinerlei Neuerungen auf und beinhaltet auch einige wirklich derbe Schwächen, wie die vollkommen inkonsequent angedeutete Auseinandersetzung zwischen Nick und seiner Freundin. Jedoch zieht Oz - dank einer teils superben Inszenierung - genau daraus auch Vorteile: Minutiös gelingt es ihm, den ruhigen Bildern Hahns eine gewisse Grundspannung zu verleihen, die sich gerade während des Einbruchs enorm steigert: Eine Kamera, ein kaum zu überwindendes Gitter, ein gewaltiger Tresor, die Infrarotüberwachung: All das im Fokus, mit dem sich mit verrückten Ideen hindurchschleichenden Nick darin, ergibt eine immense Spannung, die mich teils gar ein wenig an Suspense-Meister Hitchcock erinnerte, der es auch vermochte, aus minimalistischen Elementen das Bestmögliche an Spannung herauszuholen. Kaum ist jedoch diese Minutiosität und unerträgliche Ruhe des Einbruchs verflogen und es kommt zum - sowohl dramturgisch als auch visuell - hektischen Showdown, macht sich sofort wieder das dünne Drehbuch bemerkbar: Vollkommen vorhersehbar ist, was zum Schluss passiert und dennoch wirkt es zugleich aufgesetzt und konstruiert. Man wird das Gefühl nicht los, daß man das alles schon mal gesehen hat und eigentlich schon sagen könnte, wie die nächste Szene ablaufen wird. Die letzten zehn Minuten sind die schwächsten des ganzen Filmes und reißen ihm leider auch förmlich das Herz heraus...


"The Score", ein Film, der ausgezeichnet hätte sein können, jedoch ob teils schwererer Handlungs- und Erzählungsmängel nur gehobener Durchschnitt geworden ist...



<font size=-1>[ Diese Nachricht wurde geändert von: LesterBurnham am 2001-08-09 21:45 ]</font>