Titel: "Shadow Of The Vampire"
Land: USA / UK / Luxemburg
Jahr: 2000
Sprache: Englisch / Deutsch
Genre: Horror / Dokumentation / Drama
Regie: Edmund Elias Merhige (aufgeführt als E. Elias Merhige)
Darsteller: John Malkovich, Willem Dafoe, Udo Kier, Cary Elwes, Eddie Izzard, Cathrin McCormack
Länge: ca. 90 Minuten
FSK: ab 12 Jahren


Im Jahre 1921 beginnt der exzentrische deutsche Regisseur Friedrich Wilhelm Murnau ("Der Letzte Mann", "Sunrise") mit den Dreharbeiten zum bedeutendsten und brillantesten Werk seiner Karriere, dem Horrorfilm "Nosferatu, Eine Sinfonie Des Grauens". Besessen von der Idee, den "perfektesten" und realistischsten Vampirfilm aller Zeiten zu drehen, engagiert er für die Rolle des Grafen Orlock - die Familie von Bram Stoker wollte ihm nicht die Rechte am Originalwerk, "Dracula", geben, somit ließ er die Geschichte vom Drehbuchautoren Henrik Galeen entsprechend umschreiben - den vollkommen unbekannten Schauspieler Max Schreck. Angesichts dessen, daß er vollkommen in seiner Rolle aufgeht und den anderen Crewmitgliedern nur "geschminkt" und "kostümiert" begegnet, drängt sich bald der Verdacht auf, daß der wahnsinnige Murnau für den absoluten Realismus einen echten Vampir verpflichtet hat...


Die Idee, die der ehemalige Werbefilmer Merhige und sein Drehbuchautor Steven Katz da hatten, war nicht von ungefähr. Schon 1922, als "Nosferatu" die Zuschauer in den Kinosälen schockte, dachte das Publikum, Schreck wäre in der Tat ein Vampir. Auf dieser Vorstellung basierend, verwirklichte Merhige ein halb fantastisches, halb realistisches Projekt, das nun fest davon ausgeht, Schreck sei ein echter Vampir und Murnau verspricht ihm als Lohn für seine Darbietung Hauptdarstellerin Greta Schröder. Merhige geht mit dem Thema sehr filmverliebt um. Man merkt der gesamten Inszenierung an, daß man sich viel Mühe mit den Details gegeben hat und jeden einigermaßen versierten Stummfilmkenner dürfte bei etlichen Szenen viel Nostalgie umwehen. Es wirkt wunderbar zu sehen, wie die Regisseure damals mit den Schauspielern arbeiteten und mit welcher Akribie Murnau seine Idee zu verwirklichen suchte. Merhiges Kameramann Lou Bogue bannt diese Obsession des "visionärsten Filmemachers seiner Zeit" in einige erstaunliche Einstellungen und ihm gelingt es, dem Film durchaus eine altertümliche und recht ansprechende Ästhetik (im positiven Sinne) zu verleihen. Auch die Beleutungstechnik darf hier einmal lobend erwähnt werden, denn sie zaubert ein verwirrend surreales Spiel aus Licht und Schatten und baut eine düstere, unheimliche Atmosphäre auf! Sehr schön wissen die Kombinationen aus Originalszenen aus "Nosferatu" und neuem Material zu überzeugen, die ob ihrer perfekten visuellen Umsetzung kaum von einander zu unterscheiden sind, was als großes Lob für die Maskenbildner, Kostümdesigner und Effektkünstler zu verstehen ist. Das Hauptaugenmerk des Zuschauers wird aber ziemlich schnell auf den beiden Hauptdarstellern Malkovich (Murnau) und Dafoe (Schreck) liegen, denn beide bringen ganz ausgezeichnete Leistungen. Malkovich gibt dem nach heutigem Ermessen doch recht unbekannten Murnau ein Gesicht und verkörpert den Wahnsinn und die Sucht dieses "frühen Kubrick" mit großer Leidenschaft und mimischer Perfektion. Willem Dafoe hingegen gibt sich als elegisch leidender Vampir in der perfekten Symbiose aus Filmakteur und Monstrum schauspielerisch ebenfalls keinerlei Blößen und stellt dem Zuschauer unter (exzellenter) Maske eine Figur vor, die trotz ihrer Unmenschlichkeit durchaus als Parallelfigur zu Murnau selber angesehen werden kann: Beide sind getrieben von ihrer Besessenheit und ihrem Verlangen, Murnau nach dem perfekten Film und Schreck nach der Unsterblichkeit und der Labung an der Hauptdarstellerin Greta Schröder. Aufgrund dieses Parallelismus drängt sich dem Zuschauer schnell die Frage auf, wer denn nun tatsächlich das Monstrum von den beiden ist. Diese Frage gipfelt in der hervorragend inszenierten Sterbeszene aus "Nosferatu", am Ende des Filmes. Hier erscheint Murnau sogar schnell als das wahnsinnigere Unwesen der beiden und sieht das Blutbad, dem er noch nicht einmal versucht, entgegenzuwirken, vollkommen der realen Welt entglitten, als absoluten künstlerischen Höhepunkt seines größten Werkes an - gebannt und gefesselt hält er die Kamera am Laufen. Diese Darstellung des bedeutenden Regisseurs mag äußerst fragwürdig sein, jedoch stellt sie im Prinzip nur eine konsequente Überpsitzung tatsächlicher Ereignisse dar. Merhiges Werk aber als eigenständigen Film zu bewerten, fällt mir zugegebenermaßen schwer. Ich kann nicht sagen, ob er ohne das vorherige Sehen von "Nosferatu" auch so seine Wirkung hat. Aber vielleicht ist das ja auch gar nicht Sinn der Sache. Viel mehr ist der Film wohl als cineastischer Nachruf auf ein großes Werk der Filmgeschichte zu verstehen...


"Shadow Of The Vampire", für Fans des Filmes "Nosferatu" schlicht ein Muss, für alle anderen auf jeden Fall sehenswert, wenn er auch kein Meisterwerk ist. Aber diejenigen, die den Film gar nicht kennen, werden es sicherlich etwas schwer haben werden, die Intelligenz von "Shadow Of The Vampire" nachzuvollziehen.





<font size=-1>[ Diese Nachricht wurde geändert von: LesterBurnham am 2001-07-13 23:36 ]</font>