Original-Titel: Beyond Rangoon
Genre: Drama
Land: UK/USA
Jahr: 1995
Sprache: Englisch
Regie: John Boorman
Darsteller: Patricia Arquette (Laura Bowman), U Aung Ko (U Aung Ko)
FSK: 12

Ärztin Laura Bowman will sich nach einem Schicksalsschlag auf einer Asien-Rundreise ablenken. Nachdem ihr in Birmas Hauptstadt Rangoon der Reisepaß gestohlen wird und sie den Anschluß an ihre Reisgruppe verliert, gerät sie als Passantin in eine Demonstration gegen die Militärdikatur Birmas, die von der Hoffnungsträgerin des birmesischen Volkes, Aung San Suu Kyi, angeführt wird. Es ist eine zutiefst beeindruckende Szene, deswegen möchte ich genauer drauf eingehen: der friedliche Zug der Demonstranten wird gestoppt von bewaffneten Soldaten. Eingeschüchtert und ängstlich blicken sich die eingekesselten Demonstranten an, ein Soldat droht, auf Aung San Suu Kyi zu schießen, wenn sie sich noch einen Schritt weiterbewege. Aung San Suu Kyi lächelt. Es ist ein Lächeln, das mehr sagt als tausend Worte. Dann schiebt sie langsam das auf sie gerichtete Gewehr zur Seite, geht weiter – und lebt.
Doch schon bald spitzt sich die politische Lage dramatisch zu. Während alle Touristen aus Birma ausgeflogen werden, verlebt sie heimlich einige Tage im Landesinneren und lernt den Universitäts-Professor und Dissidenten U Aung Ko und seine Familie kennen und schätzen. Doch Angehörige des U Aung Kos werden von der Militärdiktatur verfolgt und auf offener Straße erschossen und schon bald geraten Laura und ihr Freund selbst in Lebensgefahr. Selbst als Touristin (noch dazu ohne Paß) ist Laura bald nicht mehr sicher, da sie ihrem Freund auf der Flucht vor den Soldaten das Leben rettete.
Einziger Hoffnungspunkt scheint der Weg zur Thailändischen Grenze, und es beginnt eine gnadenlose Verfolgungsjagd durch die Stadt, die Dörfer und der Dschungel.

Es hat viele Filme gegeben über politische Verfolgungen und Revolutionen. Dieser hier beleuchtet ein Land, von dem ich bis vor kurzem nicht einmal genau wußte, wo es überhaupt liegt, geschweige denn etwas über seine politischen Verhältnisse wußte.
Regisseur John Boorman ("Der Schneider von Panama") hat sein Werk mit sehr viel Realismus umgesetzt, dahinter stecken mehrere Jahre intensive Recherche. Keine Minute gleitet er ab ins Kitschige, ruhige Momente wechseln jäh mit fesselnden Szenen und lassen ihn dramatisch sein bis zum Schluss.
Bemerkenswert auch einige Randfiguren, wie den Fotoreporter, der sein Leben in den Wirren einer Straßenschlacht aufs Spiel setzt und Laura den Film zusteckt mit den Worten: "Retten Sie den Film!" Es ist eine kleine, für den Inhalt eigentlich unwichtige Szene, aber sie ließ schon ein ziemlich nachdenklich werden, unter welchen Umständen manche Journalisten ihre Arbeit tun und ganz sicher nicht nur des eigenen Ruhmes willen.
In der Hauptrolle glänzt Patricia Arquette ("Lost Highway", "Stigmata") als eine starke und beherzte Frau.
Innerlich leer und ausgebrannt durch einen üblen Schicksalsschlag, bei dem ihr Mann und ihr Sohn ums Leben gekommen sind, hat sie anfangs nicht viel zu verlieren, doch schon bald wandelt sich ihr Bild von einer Zeugin zur Kämpferin, die über sich hinaus wächst. Die wenigen stillen Momente lassen Raum für spirituelle Gedanken, in denen Laura lernt, mit dem Verlust ihrer Familie fertig zu werden.
Unterlegt wird der Film mit einem wieder einmal äußerst gelungenen Soundtrack von Hans Zimmer.

Rangoon ist ein Film, der seinem Anspruch voll und ganz gerecht wird. Der auf ein Land aufmerksam macht, dessen Volk zu "höflich" ist, um Widerstand zu leisten und das wirtschaftlich zu uninteressant ist, um in den Medien aufzutauchen.

Die eingangs erwähnte mutige Freiheitskämpferin Aung San Suu Kyi wurde für ihren gewaltfreien Kampf für die Demokratie 1991 mit dem Friedens-Nobelpreis ausgezeichnet.

<font size=-1>[ Diese Nachricht wurde geändert von: Teffi-San am 2001-08-17 20:51 ]</font>