The Blair Witch Project

Laufzeit: 78min.
Drehbuch, Regie & Schnitt: Eduardo Sanchez & Daniel Myrick
Darsteller: Heather Donahue, Micheal Williams, Joshua Leonard



Drei Filmstudenten machen sich auf in die Wälder von Maryland, um dort einen Dokumentarfilm über die lokale Hexenlegende (Die Hexe von Blair) zu drehen.

Mit geliehener Ausrüstung befragen sie zu Beginn noch ganz gemächlich die Bewohner des Dorfes, bevor sie in den dunklen Wald gehen, um selbst jagt auf die Hexe zumachen. Dabei steht schon zu Beginn fest, welchen tragischen Ausgang die Expedition haben wird, dass die Filmemacher zu den gejagten werden. Denn schon das Filmplakat verkündet vom Ableben der Hauptdarsteller. Dem Zuschauer fällt es jedoch schwer, das Unausweichliche zu glauben, die Hoffnung stirbt erst mit der Stille der Filmrisses am Ende des Films.

Diese enge Verbundenheit der Betrachters mir den Hauptpersonen ist auch die Stärke von „The Blair Witch Project“. Es wird auf den, aus anderen Horrorfilmen der jüngeren Geschichte, obligatorischen Serienkiller verzichtet. Man weiß einfach nicht, was einen verfolgt. Die Angst in „The Blair Witch Project“ ist eine der ältesten der Menschheit: ungeschützt, auf unbekanntem Territorium nachts von einer fremden, unbekannten Macht angegriffen zu werden.

Dazu kommt die einfach, fast laienhafte Kameraführung, die wesentlich dazu beiträgt, das der Zuschauer das Gefühl hat, selbst im Wald zu sein. Die Kamera wackelt, ist unscharf, liegt in hektischen Situationen einfach auf dem Boden oder es wurde vergessen, die Klappe vom Objektiv zu entfernen. „The Blair Witch Project“ kommt nicht als perfekt durchgesylter Horrorfilm daher, es wird vielmehr assoziiert, man befinde sich im wahren Leben, „Big Brother“ auf Leben und Tod.

Diese Stimmung wird in exzellenter Weise von den Hauptdarstellern rübergebracht, die sich selbst spielen, es gibt keine Filmnamen. Bei den Dreharbeiten wurden die Darsteller tatsächlich alleine nachts in den Wald geschickt, für mehrere Tage hintereinander, bekamen mittels Zetteln spärlich Anweisungen der Regie, welche die Darsteller mit immer neuen Situationen konfrontierte.

„The Blair Witch Project“ ist also ein durchaus gelungener Horrorfilm. Doch hinter dem Projekt steht noch mehr. Wie etwa die Tatsache, dass „The Blair Witch Project“ der rentabelste Film aller Zeiten ist. Er wurde für 32.000 Doller produziert und spielte alleine in den USA 140.000.000 Dollar ein.

Dabei profitier der Film nicht nur von der spannenden Athmosphäre, sondern auch von seiner geschickten, zukunftsweisenden Vermarktung.

„The Blair Witch Project“ war beispielsweise der erste Film, der schon Monate vor seiner Premiere über das Internet zum Mythos wurde. Unter http://www.blairwitch.com gab man (fiktive) Vermisstenanzeigen auf, es wurde Polizeimaterial veröffentlich, neue Fälle, die mit der Hexe von Blair in Zusammenhang gebracht wurden, wurden veröffentlich usw..

Es ist auch erstaunlich, wie gut sich der Soundtrack zu einem Film verkauft, in dem nicht eine Sekunde Musik zu hören ist. Auf der CD sind Lieder, die man auf Kassette im Wagen einer der verschwunden Personen gefunden hat.

Das Buch zum Film wurde von einer Privatdetektei herausgegeben, die mit dem Fall beauftragt wurde. Es enthält Interviews mit der örtlichen Polizei, Freunden und Verwandten der Opfer, deren Professoren, historische Dokumente über die Hexe von Blair und ähnlichem. Doch wie der Film kommt das Buch natürlich auch zu keinem Ergebnis, nach dem lesen, von welchem man sich Antworten erhoffte, werden nur noch mehr Fragen aufgeworfen.

Der Alptraum wurde in jedem modernen Medium perfekt inszeniert.

Durch gerade die Tatsche finde ich, dass „The Blair Witch Project“ einer der innovativsten Filme der letzten Jahre, wenn nicht überhaupt ist.