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Thema: "Mononoke Hime"

  1. #1
    Regisseur
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    Mononoke Hime

    Titel: "Mononoke Hime"
    Deutscher Titel: "Prinzessin Mononoke"
    Land: Japan
    Jahr: 1997
    Sprache: Japanisch
    Genre: Zeichentrickfilm / Fantasy / Action / Drama
    Regie: Hayao Miyazaki
    Stimmen: Yoji Matsuda, Yuriko Ishida, Yuko Tanaka, Kauro Kobayashi, Akihiro Miwa
    FSK: ab 12 Jahren


    Der junge Prinz Ashitaka wird im Kampf mit einem Dämonen, einem Wildschweingott, mit einem, ihn nach und nach tötenden, Fluch versehen, der ihm aber auch übernatürliche Kräfte zu verleihen weiß. Von den Dorfältesten gezwungen macht sich Ashitaka auf, in den fernen Wäldern des Landes nach der Ursache der Mutation des Wildschweingottes zum bösartigen Dämon zu suchen und dabei vielleicht sogar sein eigenes Heil zu finden. Schnell wird er involviert in einen erbitterten Krieg zwischen den Göttern und Lebewesen des Waldes und der Menschen, angeführt von deren Herrscherin Eboshi, die den Wald abholzen wollen, um somit Eisenerz zu gewinnen. Mitten in diesen Kriegswirren trifft er ein rätselhaftes "Wolfsmädchen", genannt Prinzessin Mononoke...

    Manga-Legende Hayao Miyazaki, der in Japan absoluten Kultstatus genießt, zauberte in seinem Heimatland bereits 1997 dieses äußerst phantasievolle Epos auf die Leinwand und sorgte für Furore: Kritiker stimmten frenetisch Lobeslieder an, auf der Internet Movie Database rangiert der Film im Userrating auf Platz zwei der besten Zeichentrickfilme aller Zeiten (hinter dem Antikriegsdrama "Hotaru No Haka", welches 1988 ebenfalls eine Produktion des legendären Studio Ghibli war), in Japan verdrängte der Film mit sagenhaften 12 Millionen Zuschauern "Titanic" locker von Platz eins der meistgesehenen Filme aller Zeiten. Heute, vier Jahre später, startet der von Buena Vista International vertriebene Film mit ganzen 20 Kopien auch in Deutschland. Auch hier war das Bild ähnlich. Kritiker und Publikum überschütteten den Film gleichermaßen mit Lob und dennoch fürchtete Disney wohl, daß der Film ein Flop werden könne und ließ den Film wohl deswegen nur in so wenigen Kinos laufen, was bei vielen Fans der japanischen Zeichentrickkunst zu einer Menge Empörung führte, da sie sich gerade von "Mononoke Hime" endlich auch den Durchbruch in Deutschland erhofften. Und tatsächlich, dieser Film hätte es sich verdient, das Disney-Monopel der westlichen Zeichentrickwelt einmal kräftig durchzurütteln. Selten zuvor sah man Zeichentrick in derartiger Perfektion, selten sah man einen so phantasievollen Rahmen für eine so einfache, aber dennoch fast unerfüllbare Botschaft: Der Mensch muß in Symbiose mit der Natur leben, sonst funktioniert unsere Welt nicht. Diese Thematik stellt der Regisseur auf eine äußerst gelungene, allegoristische Weise ins Zentrum des Geschehens. Die Darstellung der Tiergötter und der Bewohner des Waldes ist wunderbar mythisch und man wird vom ersten Moment an in eine völlig fremde Welt gesogen, die einem aber nur wenige Augenblicke so fremd bleiben soll. Schon nach kurzer Zeit hat man sich damit abgefunden, daß sich in den Wäldern Tiergötter unterschiedlichsten Aussehens herumtreiben, daß sich die Lebewesen zu Stämmen verbinden, daß es zu blutigen Kämpfen mit den Menschen kommt, die ihr Waldreich bedrohen und natürlich, daß sie alle sprechen können. Ein sehr interessanter Aspekt ist hierbei die nicht vorhandene Zuweisung klischeehafter Eigenschaften. Die Menschen sind nicht böse, die Tiergötter nicht die absoluten Opfer. Denn auch wenn die Herrscherin Eboshi den Gott des Waldes - einen Hirsch mit einem Menschengesicht und einem gigantischen Geweih - unbedingt töten will, damit ihr Dorf weiterhin die Rohstoffe abbauen kann, so sind doch die Tiere ebenso vom Hass zerfressen und blind vor Wut auf den Menschen. Selbst die namensgebende Prinzessin, die von Wölfen großgezogen wurde, ist mehr animalisch als denn menschlich und will Eboshi töten, die ihrem Volk - den Bewohnern des Waldes - so viel Leid angetan hat. Nur Prinz Ashitaka erkennt die Sinnlosigkeit dieser kriegerischen Auseinandersetzung und versucht möglichst zwischen den beiden Seiten zu vermitteln. Auf diese Art ist "Mononoke Hime" ein unglaublich weise erzählter Film, der mehr Wahrheit und Aktualität enthält, als man der surrealistischen und extrem allegorisierend-phantasievollen Aufmachung eigentlich abnehmen möchte. Wenn man sich einmal ein wenig von der Haupthandlung loslöst, stößt man unweigerlich auf die etlichen Nebenhandlungsstränge, die der Miyazaki brillant eingebaut hat: Da wäre die Auseinandersetzung mit einem anderen Dorf, das ebenfalls an dem Eisen interessiert ist und versucht, es dem Dorf Eboshis zu entreißen, die Streitereien unter den Tieren und Tiergöttern des Waldes selber, die sich schon gegenseitig nicht mehr trauen wollen und zerfressen sind vom Hass auf die Menschen, der kleine Wettstreit zwischen den Männern und den stets etwas überlegenen Frauen des Dorfes, den der Regisseur mit einem wunderbaren Augenzwinkern in die Handlung einbindet und die zaghafte Liebesgeschichte zwischen Ashitaka und dem Wolfsmädchen Mononoke. Trotz dieser komplizierten, schwer zusammenfassbaren, komplexen und nicht für jeden sofort zugänglichen Thematik ist der Film in jeder Sekunde mitreißend und trotz des hohen künstlerischen Wertes auf aufregende Weise unterhaltsam. Miyazaki inszeniert in perfekter Zeichentrickqualität furioseste Schlachtengemälde und atemberaubende Landschaftsbilder, deren Detailversessenheit schon fast beängstigend ist. Die Bilder sind allesamt von einer schier nicht zu beschreibenden Schönheit und zeigen die Grenzenlosigkeit der Phantasie: Gigantische Mythen-Wesen, bizarre Gestalten, voller Stolz und Erhabenheit, voller Zorn und Abneigung, voller Gewalt, Schönheit, Liebe und Ästhetik. Es fällt sehr schwer, die Eleganz und Surrealität der Bilder, die selbst die teuren und hochmodernen Disney-Animationen weit hinter sich lassen und sich jenseits des Vorstellbaren bewegen, in Worte zu fassen, weswegen man sie einfach selber gesehen haben sollte. Wenn Miyazaki dann zum Schluß seine Konflikte in einer riesigen, packenden Actionsequenz, verbunden mit einer Offenbarung der Natur gegenüber dem Menschen und einer möglichen Konfliktlösung, die wiederum so einfach und doch so schwierig ist, zum Höhepunkt bringt, sollte sich Disney ernsthaft fragen, ob sie sich überhaupt noch trauen sollten, eigene Filme zu produzieren...

    "Mononoke Hime", ein von der ersten bis zur letzten Sekunde absolut brillanter Zeichentrickfilm, der mitreißt, bewegt, zum Nachdenken anregt, niemals valutiert, einen enormen Handlungstiefgang bietet, unterhält, künstlerische Ansprüche mehr als nur erfüllt, technisch überragend ist und dabei ganz einfache thematische Fragen aufwirft, die nur schwer zu beantworten sind, wobei sich jeder fragen sollte warum. Bedingungslose Empfehlung; mit einem Wort: Ein Meisterwerk!

    Wertung: 91 %




    <font size=-1>[ Diese Nachricht wurde geändert von: LesterBurnham am 2001-05-17 21:56 ]</font>

  2. #2
    Gast

    Mononoke Hime

    Bedingungslose Empfehlung; mit einem Wort: Ein Meisterwerk!
    Habe ihn inzwischen auch genießen dürfen. (Wollt ich anfangs gar nicht, schien mir zu blöd) Gebe Lester absolut Recht! Ein echtes Meisterwerk! Eine Schande das der Film erst so spät nach Deutschland kam...

    CU

    <font size=-1>[ Diese Nachricht wurde geändert von: Hansheng am 2001-06-08 23:52 ]</font>

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