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Thema: Hotaru no haka

  1. #1
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    Hotaru no haka

    Titel: "Hotaru No Haka"
    Deutscher Titel: "Die Letzten Glühwürmchen"
    Land: Japan
    Jahr: 1988
    Sprache: Japanisch
    Genre: Zeichentrickfilm / Antikriegsfilm / Drama
    Regie: Isao Takahata
    Stimmen: Tsutomu Tatsumi, Ayano Shiraishi, Akemi Yamagushi
    FSK: keine Angabe
    Anm.: basierend auf einem Roman von Akiyuki Nosaka



    In den Wirren des 2. Weltkrieges, während des Angriffes der Amerikaner auf Japan, versuchen der 14jähriger Seita und seine 3jährige Schwester Setsuko sich, nach dem Verlust der meisten ihrer Angehörigen, auf eigene Faust durchzuschlagen.

    Es gibt ein paar Filme, die sind so gut, daß es gut ist, daß sie nicht so viele Leute kennen. Dadurch bekommen sie für den einzelnen Zuschauer auf seltsame Weise eine ganz persönliche Note. Einer dieser besonderen Filme ist "Hotaru No Haka".
    Was stellt sich der durchschnittliche Zuschauer unter den Stichwörtern "Japan" und "Zeichentrickfilm" vor? Vermutlich das, was ich mir darunter auch eine ganze Zeitlang vorgestellt habe, nämlich den Manga-Zeichenstil, zumindest angedeutete, oder teils exzessiv ausgelebte Erotik und einige Ausbrüche der Gewalt. Nun, "Hotaru No Haka" distanziert sich, wie die meisten anderen Filme Takahatas, wie "Hohokekyo tonari no Yamada-kun" oder (einer seiner schönsten überhaupt) "Omohide poro poro", um nur zwei zu nennen, sehr weit von diesem Klischeebild. Das, worauf dieses Werk baut, ist die ursprünglich Essenz des Kinos: Gefühle. Es gibt keine übertriebenen Gewaltszenen, in denen das Blut sprudelt und erst recht gibt es keine Pornographie. Das Leben und Leiden der beiden Kinder geht einem enorm zu Herzen, ohne daß der Regisseur auf drastische Mittel jeglicher Art angewiesen ist. Einer der interessantesten Aspekte an diesem retroperspektivisch erzählten Streifen ist die Hervorhebung der wenigen schönen und glücklichen Momente im Leben Seitas und Setsukos. Für diese Augenblicke des Glückes nimmt sich Takahata viel Zeit und gerade dadurch schafft er es, die überwiegenden Momente entsetzlichen Leides der beiden während ihres Kampfes um das nackte Überleben, äußerst qualvoll auf den Zuschauer wirken zu lassen. Auf einmal erscheinen nackte Statistiken und Zahlen von Millionen Toten während dieses Krieges unwichtig und man hat nur noch dieses eine Bild, diese Personifizierung der Sinnlosigkeit vor Augen. Es gibt da diese eine Szene, in der bei mir zum ersten Mal die Tränen flossen (was bis dato trotz vieler sehr ergreifender Filme noch nie vorgekommen ist). Setsuko sitzt vor einem alten Stollen, in dem sie und ihr Bruder schon seit einiger Zeit Unterschlupf gefunden haben, und gräbt ein kleines Loch. Als ihr Bruder sie fragt, was sie da tue, antwortet sie ihm nur, daß sie ein Grab für die Glühwürmchen grabe, welche in der letzten Nacht den Stollen erhellt hatten. In diesem Moment wirft Takahata eine sehr kurze Szene ein, die den blutüberströmten und bandagierten Körper der Mutter der beiden Kinder zeigt, welche in ein Massengrab geworfen wird. Setsuko stellt die Frage, warum denn die Glühwürmchen so schnell sterben würden, während sie nur kurze Zeit zuvor vom Tode ihrer Mutter durch ihre Tante informiert worden war. Blanke Gefühle werden freigesetzt, blankes Entsetzen. Und von diesem Zeitpunkt an holt der Film zu einem brachialen Rundumschlag gegen alle Formen der Kriegsverherrlichung aus, welcher in einem Ende gipfelt, welches wohl die meisten Zuschauer emotional überfordert, so daß man nur noch wie gelähmt in seinem Sessel sitzt und stundenlang nicht in der Lage ist, klar zu denken. Ein Film, der in wunderschönen und toll gezeichneten Bildern zeigen kann, was man doch alles an seinem Leben hat. Keine Schnulze, sondern brutaler Realismus. Kein Kitsch oder Tränenzieher, sondern echtes Gefühlskino der ganz besonderen Art.


    "Hotaru No Haka", ein überragendes cineastisches Meisterwerk, welches jeder gesehen haben sollte, der sich bislang unter japanischer Zeichentrickkunst nur "Sailormoon" und Co. vorstellen konnte.

    Wertung: 95 %

  2. #2
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    Hotaru no haka

    Hab mir den Film gestern angeschaut und muss dir voll und ganz zustimmen. Ein so todtrauriges Ende hab ich in - denke ich zumindest - noch keinem anderen Film gesehen.

    Zum Schluss noch eine kleine Anmerkung: Als Seita das Grab für die Glühwürmchen ausgräbt, weiss sie schon, dass ihre Mutter tot ist, was sie ihrem Bruder auch in dieser Szene sagt ("Die Tante hat es mir erzählt"). :wink:
    “Don‘t part with your illusions. When they are gone you may still exist, but you have ceased to live.”
    (Mark Twain)

  3. #3
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    Hotaru no haka

    Yo, recht hast du, dopey! Habe es schon korrigiert...
    Auch wenn ich gestern den Film schon zum fünften oder sechsten mal gesehen habe, war ich doch erneut zutiefst ergriffen und möchte mich gar nicht schämen zu sagen, daß mir gestern wieder die Tränen im Gesicht standen...

    Ein Wahnsinnsfilm, der übrigens jedes Jahr in Japan unter wütenden Protesten des rechten Lagers am Tage der japanischen Kapitulation gezeigt wird...

    <font size=-1>[ Diese Nachricht wurde geändert von: LesterBurnham am 2001-06-18 20:09 ]</font>

  4. #4
    Admin Avatar von Matt
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    Hotaru no haka

    @Lester
    Deine Rezension hat mir sehr gut gefallen, und jetzt will ich den Film unbedingt sehen.
    Ich hatte ihn mir schon fest vorgenommen zu gucken, aber dann kam leider Gottes etwas dazwischen. Und jetzt merke ich anhand deiner Rezension erst was ich da für einen Film verpasst habe

    Naja ich werde das auf jeden Fall noch nachholen, denn solange es Kultursender wie ARTE geben wird, wird es auch solche Filme im deutschen Fernsehen geben, oder man bekommt ihn vielleicht aus der VIDEOTHEK unter der Rubrick, der Besondere Film.
    If it can be written, or thought, it can be filmed. (Stanley Kubrick)

  5. #5
    Admin Avatar von Matt
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    Hotaru no haka

    die anderen beiden genannten Film von dir, von Isao Takahata sind das auch Anti-Kriegsfilme? Oder worum dreht es sich bei denen....?
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  6. #6
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    Hotaru no haka

    Lieber Matt,

    meines Wissens nach wird der Film auf ARTE noch insgesamt zweimal in den nächsten Tagen / Wochen wiederholt. Wenn ich mich richtig erinnere am 23. 06. und am 06. 07., wobei zumindest eine der beiden Wiederholungen das japanische Original mit deutschen Untertiteln ist. Also: Augen offen halten!

    Die anderen Filme des japanischen Animekünstlers Takahata sind vollkommen unterschiedlicher Natur. "Omohide poro poro" ist zum Beispiel ein Drama, in dem eine junge, reiche Japanerin in ihr Heimatland nach langer Zeit zurückkehrt und sich dort erst wieder bewusst an ihre (schwere) Kindheit erinnert. "Hohokekyo tonari no Yamada-kun" hingegen ist ein brillanter Episodenfilm über eine japanische Mittelklassefamilie in den Wirren der Megametropole Tokio. Eines haben seine Filme alle gemein: Sie sind inhaltlich, zeichentricktechnisch und formal ein Genuss!

  7. #7
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    Hotaru no haka

    Yo, bestätige:

    in der Nacht von Freitag den 22. 06. 2001 auf Samstag den 23. 06. 2001 um 01:15 Uhr.


    und


    in der Nacht von Freitag den 06. 07. 2001 auf Samstag den 07. 07. 2001 um 01:25 Uhr.

  8. #8
    Admin Avatar von Matt
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    Hotaru no haka

    Das ist sehr gut, vielen lieben Dank. Dann komme ich also doch noch dazu !!!
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