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Southpaw (2015)

12 | 124 min | Action, Drama, Sport | 20 August 2015 (Germany)

Director: Antoine Fuqua

Writer: Kurt Sutter

Stars: Jake Gyllenhaal, Rachel McAdams, Oona Laurence


Here comes the Pain. Jake Gyllenhaal ( Nightcrawler ) erlebt den Rock Bottom seines Lebens und macht für den Zuschauer die Reise in den Abgrund erfahrbar, fühlbar, schmerzhaft. Southpaw entfaltet über die gesamte Länge des Films eine zerstörerische Kraft, die sich im titelgebenden Southpaw Billy Hope bündelt, die ihn brutal zu Boden gehen lässt, die ihn gegen den Dämon in sich selbst kämpfen lässt. Die ihn bis an die Grenzen, die Höllenpforten des Schmerzes bringt. Die ihn in den Abgrund blicken lässt und ihn beinahe verschlingt. Wenn man bei Stallones Rocky mitfiebert, dann leidet man in Southpaw. Erleidet Cuts und dankt Antoine Fuqua auf Knien für diese Stück Schmerz in Form von Southpaw den er uns verpasst

Innere Wunden

Im Laufe von Southpaw ( engl. für Rechtsauslage, Linksauslage ist die Normalauslage ) nimmt Billy Hope ( Jake Gyllenhaal ) nicht nur sichtbar Schaden an Gesicht und Körper sondern auch im Inneren. Und diese Wunden heilen nicht, denn sie sind nicht wieder gut zu machen. Die Inneren Wunden sind in jeder Sekunde sichtbar nach außen getragen durch Jake Gyllenhaals Schauspiel, der hier den Kampf seines Lebens kämpft. Als würde er um sein Leben spielen, boxen. Wo die Schauspielkunst eines Sylvester Stallone in Rocky an seine Grenzen stößt, fängt der Kampf für Gyllenhaal erst an. Runde für Runde, Spielminute für Spielminute eine alles zerstörende Performance. Der zu Fleisch und Blut gewordene Alptraum für alles bisher Dagewesene.

Freilich das Grundgerüst des Films ist schon im Trailer abgesteckt und folgt so ziemlich genau der Rise and Fall Thematik. Der Weg jedoch der hier bestritten wird wandelt auf neuen Pfaden und stellt alles da gewesene, die sich der Thematik annahm in den Schatten. Dramaturgisch wie visuell gelang hier Training Day Regisseur Antoine Fuqua ein beeindruckendes so wie lange nachhallendes Werk. Als wäre er ein Boxer, der uns Zuschauer, wie einen Gegner durch den Ring scheucht, uns immer wieder Tiefschläge mit Bildern versetzt nur um ums dann den Finalen Punsch in der letzten Einstellung des Films zu verpassen. Fuquas Waffen sind seine, ins Gedächtnis grabende Bilder mit denen er uns bombardiert. Dabei präsentiert er sich im Stile eines Mohammed Ali facettenreich und agil. Es sind nicht nur die Fights, sondern die leisen Zwischentöne, die Szenen in denen wir zusammen mit Billy Schmerz erfahren, in denen wir durch die Höhle gehen und aus der wir wieder entsteigen, was Southpaw zum Champs des Genres macht.

Gyllenhaals Kampf des Lebens

Warum es Sinn macht in einem Box Film keine echten Boxer oder Muskelberg zu casten, beweist Gyllenhaal eindrucksvoll. Denkt man nur an Max Schmeling ( Uwe Boll ) in dem sich die DDR Schlaftablette und ZDF Experte Henry Maske von Szene zu Szene stümpert. Oder an den zwar kultigen aber hölzernen Ivan Drago. Der zwar für immer in Erinnerung bleiben wird, genauso wie Philadelphias Lieblingssohn aber eben nicht wegen des Schauspiels sondern aus anderen Gründen. Rocky wird nicht deswegen gefeiert, weil hier herausragend geschauspielert wurde. Rocky wird gefeiert weil man gerne Stallone im Trainingsmode sieht und die wiederkehrenden Charaktere mit ihren ganz eigenen Schrullen. Diese Möglichkeit hat Southpaw nicht, sich über viele Teile sein Publikum aufzubauen. Southpaw hat nur diese eine Chance, diesen einen knallharten Kampf an den Kinokassen an den Geräten daheim. Und diesen Kampf entscheidet Southpaw für sich. Welche Energie und Dramatik aus einem Box Film entstehen kann und ich meinen damit nicht wenn man Billy im Ring sieht, zeigt uns Fuqua. Als ob es um sein Leben ginge, kämpft, boxt, spuckt, spielt hier Gyllenhaal Szene für Szene.

Fast wäre es aber nie zu dieser aßsergewöhnlichen Combo gekommen, denn ursprünglich wäre Eminem für die Rolle des Billy Hope vorgesehen gewesen. Zum Glück kam es anders und er steuerte lediglich den soliden Soundtrack bei, der auch im Trainingsmode zu hören ist. Man will es sich gar nicht ausmalen was aus Southpaw geworden wäre. Für Gyllenhaal war es nach dem überragenden Nightcrawler gleich der zweite Film in Folge für den er sich auf extrem Weise vorbereiten musste. Für Nightcrawler extrem abgemagert musste er für Southpaw extrem an Muskelmasse zulegen, am Tag bis zu 2.000 Liegestütze und Läufe von bis zu 8 km absolvieren. Methode Acting at his best. Nicht nur deswegen gehört er zu Hollywoods Top Actern der letzten Zeit. Einen Charakter zu Leben zu erwecken, glaubhaft und mit jeder Phaser, dem Zuschauer die Grenzen von Fiktion und Realität verschwimmen lasen, können auf diesem Niveau nur ganz ganz wenige. Denkt man an DiCaprio, Waltz oder McConaughey ist man auf der richtigen Spur oder der richtigen Sprosse des Olymps. Gyllenhaal spielt den abgehalfterten Boxer nicht nur, er lebt ihn.

Kamera Deluxe

Natürlich steht der Schauspielkunst aller Beteiligten, die Kameraarbeit in nichts nach. Und das ist in der heutigen Zeit, man denke nur an Filme, die 25 Schnitte in 10 Sekunden haben, etwas Besonderes. Wenn die Vielzahl aller neueren Actionfilme meint, dass man mit wilden, hektischen Schnitten, Action generiert und dem Zuschauer Tempo vorgaukelt dadurch, so geht Southpaw einen ganz eigenen Weg. Wenn im finalen Fight der Kampf nicht durch eine wilde, chaotische Kamera dominiert wird sondern von den Boxern selbst, so ist das eine Wohltat für das von schlechten Filmen geschändete Auge. Hier wird uns wie bei einem HBO PPV im Fernsehen, das Geschehen eingefangen. Die Choreographie der Fighter und das Treiben im Ring reichen vollstens aus um den Zuschauer zu fesseln. Es ist die bewusste und überragende Entscheidung darauf zu verzichten den Film mit künstlichen Mitteln vermeintlich schneller zu machen. Der Kampf spricht für sich, die Kamera schmeichelt den Kämpfern nur. Bravo! In der heutigen Zeit von Taken 3, Transformers oder auch den Expendables bekommt man nur noch selten echte Handwerkskunst hinter der Kamera geboten. Michael Hasbro Bay hat da in den letzten Jahren ganze Arbeit geleistet, als er dem Zuschauer weiß machen wollte, das schnelle Schnitte sexy wären.

Natürlich darf man wenn man über Southpaw redet den hervorragenden Forest Whitaker nicht vergessen, der hier mal ganz unaufgeregt den Mickey bzw. Mentor geben darf. Southpaw ist sogar der einzige Film, der sich etwas einfallen lässt wie Whitakers Auge im Film eingebunden werden kann, plausibel. Southpaw fühlt sich über den gesamten Film an wie ein 12 Runden Fight. Einen Fight den man spürt und der auch schmerzt, nicht selten erwischt man sich dabei, wenn einem die bewegenden Szenen wie Jabs ins Gesicht fliegen, wie man schlucken muss. Southpaw prügelt so lange mit Bildern, Szenen auf einen ein bis zum letzten Gong. Danach fühlt man sich wie Gyllenhaal, zerstört, aber erlöst.

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