Denis Villeneuve und das Treiben im Verzerrten als Leitmotiv des Gesamtkunstwerks

Lange bevor irgendjemand im Film zum Prisoner wird, werden die Vorboten des Unheilvollen ausgeworfen. Wenn Hauptdarsteller Jake Gyllenhaal ( End of Watch, Prince of Persia ) durch verregnete Fenster blickt und die Umwelt nur aus Umrissen besteht oder Kameramann Roger Deakins ( The Big Lebowski, Skyfall ) durch verschmierte Fenster keinen Durchblick erhält wird jenes Motiv des Films visualisiert welches wie ein roter Faden durch durchgehend erhalten bleibt. Das Zerrbild der Menschen im Film. Niemand kann klar Umrissen werden. Niemand ist eindeutig als das zu charakterisieren. Wie durch verregnte Scheiben schauen, so fühlt sich Prisoners an. Was Wahrheit und was nur Zerrbild ist wird erst am Ende klar sein. Bis dahin ist der klare Blick des Betrachters immer wieder versperrt.

Regisseur Denis Villeneuve ( Enemy ) schafft es in seinem ersten Film mit Blockbuster Mimen auch seinen Cast wunderbar harmonisch aufspielen zu lassen. So bekommt man einen Hugh Jackman ( Movie 43, Wolverine: Weg des Kriegers ) zu sehen, nahe am Wolverinemodus oder auch einen Jake Gyllenhaal der nach End of Watch eine weitere mega Leistung aus dem Handgelenk schüttelt. Und gerade in der Person des Jackman findet der Zuschauer seinen Bezugspunkt. Die Figur wirft fragen auf. Fragen durch sein Handeln. Aber auch fragen an sich selbst. Wie weit würde man selbst gehen in so einer Situation ? Wie weit weg ist sein Handeln von Menschenrechts Verletzungen auf Guantanamo ? Brisante Fragen, die den Film aber in sich noch wertiger machen. Weil er Fragen stellt die in der heutigen Zeit besonders in den Fokus der Medien und der Menschen gerückt sind. Ist letzten Endes Jackman Handeln nicht ein Guantanamo für den Privatbürger ?

Grund das diese Fragen überhaupt entstehen ist der Geschichte zu Grunde gelegt. Die Ehepaare Dover und Birch feiern ein gemeinsames Thanksgiving , worauf hin die beiden Kinder der Eheleute verschwinden und nur ein Hinweis vom Verschwinden der Kinder zeugt. Bob Taylor der dieser Hinweis ist wird von nun an Zielscheibe des Wolverine in Spe. Und hier setzt dann auch die Fragestunde ein die man an sich selbst richtet. Dabei untersucht Villeneuve oder besser gesagt, besucht er zusammen mit dem Zuschauer die Abgründe menschlichen Daseins. Was man dort findet ist dramaturgisch sowie schauspielerisch weit weit über dem Durchschnitts Thriller der letzten Jahre.

Die Trostlosigkeit der Wälder von Pensylvanias spielt dabei genauso eine Rolle wie die Schauspieler selbst. Verschrobene Charaktere gepaart mit dunklen Wäldern und einem derben Klima. Rundum kein Wohlfühl Film, den Villeneuve hier erschaffen hat. Gelegentlich aber fast spartanisch setzen düstere zur Umgebung und Situation passende Klänge ein, die die Geschichte nicht unnötig künstlich aufheizen sondern die Geschehnisse unterstreicht. Mit Prisoners verhält es sich wie mit einer hübschen Frau. Das Make up- in diesem Fall die Musik Untermalung und Landschaft- unterstreichen nur die eh schon vorhandene Schönheit nur. Bei einer nicht so schönen Frau verbirgt Make up nur das Ausgangsmaterial. Und das sieht man Frauen sowie Filmen immer an.

Letztlich hat Prisoners nur das Problem dass er an manchen Stellen zu lang geraten ist. Eine kürzere Laufzeit hätte den Film an sich gut zu Gesicht gestanden und ihn kompakter gemacht. Die Zeit die er braucht um sich entfalten zu können die ist auch mit ein wenig gekürzter Laufzeit ausreichend da. Prisoners ist kein Film der mit dem Hammer alle Wände einschlägt und mit Wolverine Krallen drauf los metzelt. Prisoners zieht seinen Horror aus der Ausgangsituation der verschwundenen Kinder und der daraus entstehenden Dynamik. Den Abgründen, den Wendungen und das Vielleneuve es versteh bis zum Schluss noch ein Ass im Ärmel zu haben um dem Zuschauer den letzten Rest zu geben.

Sehen aber doch nicht sehen. Das Blicken durch verregnete Scheiben. Keine klaren Konturen. Das ganze Dilemma des Menschen in dem er lebt nicht zu wissen welcher böse Geist im Gegenüber wohnt sind die starken Themen. Wenn ein letztes mal Jake Gylenhaal ins leere blickt, kurz bevor die schwarze Blende erscheint und der Film zu Ende ist. Selbst da findet er sich in der aller letzten Sekunde da wieder wo er zu Beginn stand als ermittelnder Polizist. Hinter einer Scheibe und muss im Trüben Fischen, den ein letztes Rätsel lässt uns Villeneuve übrig. Mit dem wir uns Lange danach noch beschäftigen werden.