Kathryn Bigelows neuer Film „Zero Dark Thirty“ sorgte bereits vor der Veröffentlichung für Aufsehen. Zunächst als Wahlkampfhilfe für Barack Obama missverstanden, lief der Streifen deshalb erst nach der US-Wahl in den Kinos an und wirkt seitdem stark polarisierend. Inzwischen ist der Film aber auch vielfach ausgezeichnet und für fünf Oscars nominiert.

Zur Handlung:
Zwei Jahre nach den verheerenden Anschlägen des 11. September wird die junge CIA-Agentin Maya (Jessica Chastain, Oscar-Nominierung als beste Hauptdarstellerin) nach Pakistan versetzt, um die Suche nach den Führungsspitzen des al-Qaida Netzwerkes, allen voran natürlich Osama bin Laden zu unterstützen. Gleich zu Beginn lernt sie dort - anfangs noch recht angewidert – auch die dafür in Kauf genommenen Methoden kennen: Die gezeigten Folterszenen sorgten in den USA für heftige Erregung, was aber wohl in erster Linie auf die unzureichende Verarbeitung dieses heiklen Themas zurückzuführen ist. Tatsächlich werden die Folterungen nach typisch Bigelow’scher Manier ohne jeden Pathos dargestellt und gehören einfach zur Handlung - auch wenn die offiziellen Stellen das so gerne negieren.
Es folgt ein langer, und von vielen Rückschlägen gekennzeichneter Weg, der auch die Protagonistin zunehmend zermürbt. Fast nebenbei wird dabei auch auf die, sich ändernde politische Situation eingegangen, die aus der Sicht der Agenten ihre Arbeit über die Jahre weiter erschwert.
Kathryn Bigelow und Mark Boal (Drehbuch, ebenfalls Oscar-nominiert) arbeiteten bereits einige Zeit an dem Film, als die tatsächliche Geschichte im Mai 2011 mit der Ergreifung und Tötung Bin Ladens eine dramatische Wendung nahm. So musste das bereits fertige Skript umgeschrieben werden, und ein Film, der eigentlich die enorm aufwändige aber dennoch erfolglose Suche nach der Nadel im Heuhaufen erzählen sollte, plötzlich doch mit einem erfolgreichen Ende versehen werden. Dies ist jedoch gelungen, ohne den Charakter der Geschichte fundamental zu verändern.
Wie schon mit „Hurt Locker“ überlässt es Bigelow gänzlich dem Zuschauer, sich eine Meinung zu dem Thema zu bilden. Der Film orientiert sich neben der fiktiven Person Maya weitestgehend an den bekannten Tatsachen. Selbst der logische Abschluss, die Operation „Neptun’s Spear“, bei der Bin Laden schließlich in seinem Haus in Pakistan getötet wurde, wird korrekter dargestellt als in so mancher Dokumentation darüber. Diese Militäroperation fand übrigens strategisch günstig in der mondlosen Nacht des 1. Mai 2011 statt, um 00:30 Uhr, im Militärjargon: Zero Dark Thirty. Was in diesem Zusammenhang aber durchaus auch als 30 nach 12 verstanden werden kann.

Auf jeden Fall empfehlenswert!