Frühling 1865. Abraham Lincoln (Daniel Day-Lewis) wurde als Präsident der Vereinigten Staaten wiedergewählt und der amerikanische Bürgerkrieg steht kurz vor dem Ende. Er ist es aber immer noch nicht und das hat einen Grund. Die rebellischen Südstaaten wollen auch im Falle einer Niederlage nicht gezwungen sein, den Schwarzen die Freiheit schenken, wie es Lincoln zwei Jahre zuvor versprochen hat. Der Präsident besteht aber auf seinem Versprechen und geht noch weiter. Er will einen Zusatzartikel zur Verfassung durch den Kongress bringen, der die Unfreiheit in den USA formell abschafft.

Um das zu erreichen muss Lincoln sich mit verschiedenen Widersachern auseinandersetzen. Das fängt schon in seinem eigenen Kabinett an. Sein engster politischer Vertrauter, Außenminister Seward (David Strathairn) glaubt, dass der Präsident den Krieg zügig nur beenden kann, wenn er den Zusatzartikel fallen lässt. De Abgeordnete Stevens (Tommy Lee Jones) hingegen besteht auf der radikalen Umsetzung. Und das sind nur die Interessen der eigenen Partei, die Lincoln beachten muss, die demokratische Partei ist sowieso gegen ihn...

Geschichte ist ein schwieriges Thema im Film. Denn historische Zusammenhänge sind oft sehr komplex und ohne Hintergrundwissen kaum verständlich.

Politik ist ein schwieriges Thema im Film. Denn politische Zusammenhänge sind oft sehr komplex und ohne Hintergrundwissen kaum verständlich.

Zu sagen, dass Steven Spielberg gelungen ist beiden Themenbereichen vollends gerecht zu werden, wäre falsch. Und dennoch ist er nicht gescheitert. Denn sein Film zieht Politik und Geschichte auf eine Ebene runter, die jeder verstehen kann. Politische Entscheidungen sind Kuhhandel in „Lincoln“. Wer die Verhandlungen zwischen Republikanern und Demokraten in der Gegenwart beobachtet, fühlt sich vom Ringen um Macht im Film an die Realität erinnert. Kaum verhüllt sind die Verweise auf die Präsidentschaft Barack Obamas. Offensichtlich ist Lincoln im Film ebenso abgekämpft, wie sich auch Obama im Wahlkampf 2012 präsentiert hat. Schon etwas undurchdringlicher sind die Vergleiche zwischen dem Ringen um den 13. Zusatzartikel und die Gesundheitsreform des gegenwärtigen Präsidenten. Da wird die Opposition schnell nicht nur unsachlich, sondern auch beleidigend. Als Sozialist (als wenn das was schlechtes wäre), müssen sich beide beschimpfen lassen.

Daniel Day-Lewis gewinnt 2013 seinen dritten Oscar. Mehr gibt es eigentlich nicht zu sagen. Er erfüllt die Erwartungen, spielt Lincoln als bedächtigen Mann, dem man ansieht, dass er eine große Last tragen muss. Das per se reicht eigentlich eher nicht zu den Preisen. Es ist vielmehr das Brodeln unter der Oberfläche, die Momente, in denen Lincoln auf den Tisch haut und sagt, dass er jetzt will, dass seine Vorstellungen umgesetzt werden, die dem Image des 16. Präsidenten der USA eine neue Seite verlangen. Lincoln wurde immer vorgeworfen ein verkappter Diktator zu sein. Dass er es vielleicht wirklich gewesen sein könnte, das macht Day-Lewis in den wenigen Momente, in denen er aus der Haut fährt klar.

Begleitet wird der Seriengewinner in der Kategorie „Bester Hauptdarsteller“ von einer ganzen Reihe hochtalentierter Topstars. Tommy Lee Jones spielt einen pointierten Taddy Stevens vor der Erfüllung seiner Lebensaufgabe. David Strathairns Minister Seward ist der leidenschaftlicher Gegenpart zum ruhigen Lincoln. Sally Field als Lincolns Ehefrau Mary wird allerseits gelobt, ihre Performance, wie auch ihr Rolle erscheinen im Vergleich zum Rest des Casts aber durchschnittlich.

Dieser Film ist nichts für Leute, die ein Bürgerkriegsspektakel a la „Vom Winde verweht“ erwarten. Der Ton ist bedrückt, die Farben matt, das Wetter schlecht. Vielmehr geht es um die Entschlossenheit eines Mannes das richtige zu tun, obwohl er nicht den einen großen Widersacher hat, sondern eher viele kleine. Durch seine klaren Anspielungen auf Barack Obama bestärkt Steven Spielberg ebendiesen in seinem Weg. Abraham Lincoln ist ein großes Vorbild Obamas, er zitiert ihn oft. Auf eine Art ist er die Konsequenz der Grundlage, die Lincoln, wie in diesem Film gezeigt, gesät hat. Auch Obamas Leben wird einmal verfilmt werden, hoffentlich mit einem anderen Ende.