Frankie (Scoot McNairy) und Russell (Ben Mendelsohn) sind wirklich nicht die hellsten. Mit dem Ueberfall auf das Kartenspiel von Markie (Ray Liotta) glauben sie aber den grossen Clou gelandet zu haben. Denn Markie hat vor Jahren selbst mal sein eigenes Kartenspiel ueberfallen, danach die Fuesse still gehalten, irgendwann in der Euphorie aber rumgeprahlt. Die Unterwelt von New Jersey tat das damals noch als Scherz ab. Aber weil kein Blitz zweimal an der selben Stelle einschlaegt glauben alle, dass Markie diesmal wieder hinter dem Ueberfall steckt. Und Frankie und Russell sind fein raus.

Auftragskiller Jackie Coogan (Brad Pitt) kann das alles nicht taeuschen. Er durchschaut das Spiel und weiss, dass Markie diesmal unschuldig ist. Er weiss aber auch, dass das den Gangstern egal ist. Einer muss als Suendenbock herhalten und Markie geht es nun an den Kragen. Er muss verschwinden. Coogan will den Job aber nicht selbst uebernehmen und holt sich Hilfe bei Mickey (James Gandolfini). Denkt er. Denn Mickey ist nur ein Schatten vergangener Tage und so muss Jackie alles allein erledigen. Markie fuer die Gangster umlegen, aber auch Frankie und Russell bestrafen...

„Killing Them Softly“ ist Regisseur Andrew Dominiks langerwarteter Nachfolger zu „Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford“. Dominik ist sich treu geblieben. Denn auch der Gangsterfilm ist bei ihm ein langsames Genre. Eigentlich passiert nicht viel und das, was passiert wird ausfuehrlich erzaehlt. Die Figuren hinterfragen immer wieder, was sie da eigentlich tun. Frankie hat Zweifel, Coogan versucht das ganze Geschehen in einen hoeheren Kontext zu setzen. Waehrend die ruhige Inszenierung beim Jesse James-Film noch angemessen erschien, da der Western eher zu einem geringerem Erzaehltempo neigt, scheint es doch ungewoehnlich, dass die Ereignisse in „Killing Them Softly“ nicht Schlag auf Schlag folgen. Der Film ist eine Lektion in Geduld.
Und die ist durchaus gelungen. Denn das gemaechliche Tempo kontrastiert die Szenen in denen es zu Gewalt kommt perfekt. Die Szene in der Markie zusammengeschlagen wird wird haengen bleiben. Bleibt die Frage, warum Dominik auch diesen Film in einer so vermeintlich ungewoehnlichen Art erzaehlt.

Eine Antwort auf diese Frage koennte gegeben werden, wenn man versucht die Bezuege zur gegenwaertigen Realitaet zu ziehen. Das Leben der meisten Menschen, auch in den USA, verlaeuft in eher geregelten Bahnen, sprich langweilig. Durch die Finanzkrise seit 2008, die im Film eine begleitendes und praegendes Thema ist, werden viele Menschen aber aus dieser Idylle gerissen. Der Einschlag den der Verlust des Jobs und auch ihres Zuhauses auf ihre Leben hat ist aehnlich gewaltsam wie die Szenen, in denen es in „Killing Them Softly“ zur Sache geht. Dass es auch um die Krise geht, wird im Film in vielen Szenen deutlich. So sitzen die Gangster beim Kartenspiel genauso an einem langen Tisch, wie die Manager bei einer Vorstandssitzung einer Bank. Von den ausfuehrlichen Ausschnitten aus den Reden Obamas ganz zu schweigen.

Auf einer weiteren Ebene propagiert der Film, dass in den USA ein jeder auf sich allein gestellt ist. Schaut man sich den derzeitigen amerikanischen Wahlkampf an, ist das eine uberraschende Aussage. Beide Kandidaten propagieren die Einheit des Landes. Jackie Coogan stimmt diesem nicht zu. An ihm wird deutlich gemacht, dass man alles selbst tun muss. Als er die Hand ausstreckt und sich zum Beispiel von Mickey Hilfe holt, wird er enttaeuscht. Auch ein bewaehrter Komplize, den er oft als Fahrer benutzt, missfaellt ihn, als dieser Geld stiehlt. Letzlich stellt „Killing Them Softly“ die Frage, ob die USA ein Land sind, dass verroht, heruntergekommen und kriminell ist. Viele Moeglichkeiten darauf, dass eine Antwort negativ ausfaellt laesst er nicht.

„Killing Them Softly“ startet am 29.November 2012 in deutschen Kinos.