Kinder sind nicht doof. Bei Kinderfilmen kann man durchaus etwas (Kinder-)Denkarbeit von ihnen verlangen. Wenn man den Film dann mit Themen viel zu voll packt, dann kommen Kinder nicht mehr mit und Erwachsene schon gar nicht. „Hanni und Nanni 2“ ist leider ein Anti-Kinderfilm. Denn er ist so überladen, dass keiner mehr versteht, worum es eigentlich geht.

Auf dem Weg in ein neues Internatsschuljahr auf dem Lindenhof streiten sich die Eltern (Anja Kling, Heino Ferch) von Hanni und Nanni (Jana und Sophia Münster) wie so oft in letzter Zeit. Sie wollen es kaum aussprechen, doch die Zwillinge befürchten, dass es schon bald eine Scheidung geben könnte. Zu allem Überfluss kommt in diesem Jahr auch noch ihre dauerschnatternde Cousine Lilly (Luise Spaniel) auf die Schule, die gleichmal einer vermeintlichen Prinzessin hinterläuft.

Denn ein Gerücht sagt: Eine Prinzessin ist auf dem Internat Lindenhof. Das wissen anscheinend auch Gangster, denn die wollen das Blaublut entführen. Als wenn das nicht alles schon genug Aufregung wäre ist Schulleiterin Theobald (Hannelore Elsner) auch noch nach Amerika verreist und wird durch die Französischlehrerin Mademoiselle Bertoux (Katharina Thalbach) vertreten. Die hat aber mal gar nichts im Griff...

Könnt ihr noch folgen? Es ist einiges los, zu viel. Was der Inhaltsbeschreibung nämlich noch fehlt, ist die tatsächliche Trennung der Eltern, ein draller Love Interest (gespielt von Barbara Schöneberger) für den Vater und ein Junge, der das Mädcheninternat in helle Aufregung versetzt. Spätestens beim Jungen werden aus den eigentlich starken Figuren Hanni und Nanni, und auch den anderen Mädchen, nur sabbernde Girlies, die den jungen Mann anstarren. Wo der Film ansonsten doch mit zu viel Inhalt gefüllt ist: hier wird zu wenig nachgedacht und ein weibliches Rollenbild entworfen, das veraltet ist.

Ein Thema, dass sich durch den gesamten Film zieht ist Trennung. Immer wieder gibt es Szenen, die sich nur damit befassen. Das es dann echt ernst ist merkt man daran, dass Regisseurin Julia von Heinz die Szenen dann in matten Farben gestaltet. Auch nicht gerade der neueste Trick. Die Trennungsgeschichte wird soweit vorangetrieben, dass die Cousine Lilly natürlich ein Scheidungskind ist und selbst Hanni und Nanni sich zerstreiten. Das ganze Gerede vom Auseinandergehen nimmt dem Film eine Leichtigkeit, er wirkt oft schwermütig. Es ist lobenswert, dass ein Kinderfilm nicht heile Welt vorspielt. Leider gibt es aber keinen Kontrast zu den bedrückenden Stellen, denn keiner der gefühlt 3,2 Millionen anderen Handlungsstränge des Films ist wirklich gut auserzählt, geschweige denn wirklich lustig.
Am Ende ist es vielleicht so, dass die Erwachsenen, die hinter diesem Film stehen zu viel nachgedacht haben. Statt zwanghaft ernste und vollkommen dahingeklatschte Elemente, wie die Entführung der Prinzessin, einzubauen, hätten sie ein bisschen mehr ihrem Spieltrieb nachkommen können.