Cay aus unserem Logenzuschlag.de Team hat mal ne feine Kritik zu Chronicle geschrieben:

Während sich viele Filmfreunde schon auf „The Avengers“ und „The dark knight rises“ freuen kam diese Woche mit „Chronicle“ ein „Superhelden“-Film in die Kinos, der etwas anders mit der Thematik umgeht. Um der aktuellen Kinokultur gerecht zu werden wird das ganze im „Mockumentary“-Stil verkauft.

Inhalt: Der Außenseiter Andrew hat kein leichtes Leben. In der Schule verspottet, vom Vater verprügelt und die Mutter kurz vor dem Tot. Also beginnt er sein Leben per Kamera aufzunehmen. Als er dann eher unfreiwillig zu einer Party fährt findet er zusammen mit seinem Cousin Matt und dem Quarterback Steve ein Loch im Boden, welche sie sogleich untersuchen. Was sie darin finden verändert ihr Leben und verleiht den drei Kräfte, mit denen nicht jeder umzugehen weiß. Und das macht sich bemerkbar…

Was bekommen wir geliefert?

Chronicle versucht verschiedene Elemente ineinander zuvereinen. Während die Superhelden- und Mockumentarythematik klar im Vordergrund stehen sind auch Spuren eines Teeniefilms und eines Dramas zuerkennen, die beide in der ersten Hälfte des Films behandelt werden. Diese thematisiert nämlich die Jugendlichen und wie diese mit ihren Kräften umzugehen lernen. Während sie langsam ihr komplettes Potential auszuschöpfen versuchen festigt sich auch ihre Freundschaft und die Sympathie der Zuschauer. Nach einem kleinen Unfall bilden sich langsam die Fronten. Während Steve und Matt einsehen, dass ihre Macht sie dazu zwingt Regeln aufzustellen will sich Andrew diesen nicht beugen. Und während sein Aggressionspotential sich steigert steigt auch die Antiphatie des Zuschauer für den Charakter sollte man meinen. Doch genau das passiert nicht. Denn jede Handlung des Außenseiters ist in gewisser Weise nachvollziehbar. Man erkennt, dass er überfordert in seiner neuen Position ist und vieles anfangs aus Verzweiflung oder unabsichtlich geschieht. Erst gegen Schluss, wenn Andrews Hintergrundgeschichte langsam in Vergessenheit gerät will man Position beziehen und für die „gute Seite“ mitfiebern. Dieser Wechsel geschieht jedoch so fließend, dass man sich hinterher selber noch fragt, wann genau die eigene Entscheidung gefallen ist.

Die Macher des Films haben den “Mockumentary“-Aspekt äußerst gut gelöst. Wie üblich trägt ein Charakter die Kamera anfangs immer mit sich herum und filmt jede Situation. Jedoch ist der (aus beispielweise „Cloverfield“ bekannte) Nebeneffekt, dass dieser Charakter oftmals nicht selber vor die Linse tritt, im späteren Verlauf der Geschichte gut gelöst. Denn die Kamera bewegt sich frei von den Charakteren, da Andrew sie durch seine Kräfte stets frei mit sich trägt und bedienen kann. Ein glücklicher Zufall natürlich, dass „immer“ ein aufnahmefähiges Gerät in der Nähe ist.

Die Rollen wurden mit unbekannten Nachwuchsschauspieler besetzt, was dem Film die passende Würze an Authentizität gibt. Keiner springt aus seiner Rolle hinaus und zieht das Licht durch seine Leistung auf sich, gleichzeitig bleibt aber auch keiner auf der Strecke. Die Schauspieler spielen miteinander und bieten einem eine Freundschaft wie im richtigen Leben. Und so schafft es eben dieser Zustand, dass einem so manch ein Tod doch etwas näher gehen kann als man zu beginnt ahnt.

Dem ganzen Lob hier aber mal ein Strich gesetzt muss man auch erwähnen, dass der Film sehr langsam beginnt und der Trailer einen etwas in die Irre führt. Denn während im Trailer eine Szene den klaren Schnitt zwischen „Jungenstreich“ und „Größenwahn“ setzt, ist dieser unterschied im Film deutlich länger gezogen als man erwartet, sodass man sich fragt, wann der Film mit seinen knapp 83 Minuten denn endlich anfängt „aktionlastiger“ zu werden. Wenn man mit dem Umstand umgehen kann muss man sich wie immer nur auf dem Film einlassen können um zumindest nicht vollkommen enttäuscht oder gelangweilt zu werden.

Wer den Superhelden – Aktion – Blockbuster des Jahres erwartet, der sollte sich bewusst sein, dass der Film mit seinem Budget von gerade mal 15 Millionen Dollar weder großartige Effekte bieten kann noch bei den großen Filmen des Genres mitzuhalten. Wer aber Spaß an kleineren Filmproduktionen hat und sich vom Trailer begeistern lassen konnte, der sollte bei diesem Film beherzt zusehen und sich wenigstens kurzweilig vor die Frage stellen lassen „Wenn ich diese Kräfte hätte, wozu wäre ich fähig?“