Filmkritik vom Logenzuschlag Team:

Die Filmindustrie bewirft uns in der Moderne mit zwei Arten des Horrors:
Die eine Art kommt offen auf dich zu und verkauft dir ein Massaker vom feinsten;
Die andere Art versteckt sich still hinter der Ecke und macht „Buh!“ wenn man nicht (oder eben gerade doch) damit rechnet.
Und genau so einem Film ist diese Kritik gewidmet.

Die Frau in Schwarz erzählt frei die Novelle „The Woman in Black“ von Susan Hill nach und läuft wie folgt ab:

Der jung verwitwete Anwalt Arthur Kipps (Daniel Radcliffe) wird von seiner Kanzlei beauftragt, den Nachlass der verstorbenen Alice Drablow zu regeln. Hierzu muss er die Papiere in ihrem verlassenem Anwesen, dem „Eel Marsh House“ sichtigen. Die Dorfbewohner der kleinen Gemeinde verhalten sich ihm gegenüber feindselig, einzig der wohlhabende Sam Daily verhält sich ihm gegenüber freundlich. Während Kipps die Papiere im Anwesen nach und nach durchgeht, sieht er mehrfach eine in Schwarz gekleidete Frau und kommt langsam hinter das dunkle Geheimnis der Familie Drablow.

Was ist zum Film zu sagen?
Nun, er beginnt relativ sachte (abgesehen von der Eröffnungsszene) und hält dieses Tempo anfangs konstant. Mit eintreffen des Protagonisten im „Geisterhaus“ beginnt der Grusel langsam aber sicher.
Wie es sich für einen guten Schocker gehört wird der Zuschauer nur peripher mit dem übernatürlichen Element des Films konfrontiert, dem hingegen stehen natürliche Überraschungen wie plötzlich laufende Wasserhähne oder Vögel, die ganz zufällig laut krächzend ins Bild flattern.
Auch die Dame in Schwarz selber bleibt anfangs auf Entfernung, sodass der Zuschauer dauerhaft versucht ist, sie in Ecken oder Fenstern zu erspähen, um als erster zu wissen von wo sie zuschlagen wird. Und genau das macht den Film aus. Er überrumpelt einen nicht grundlegend mit irgendwelchen Schockmomenten oder unübersichtlichen Kamerafahrten. Der Horror findet primär im Kopf statt, und dort kann er sich am besten ausleben. Erst gegen Ende wird der Zuschauer mit dem Grauen konfrontiert, und das mehr als unausweichlich. Weggucken bringt nichts, der Film wirkt über Augen UND Ohr. Ebenso angenehm ist der Umgang mit dem Thema Tod. Obwohl er im Film allgegenwärtig ist und hinter jeder Ecke zu lauern scheint wird er immer als Handlungsförderendes Element eingesetzt und lässt den Zuschauern mit einem flauen Gefühl in der Magengegend zurück, nicht mit Ekel oder Abscheu.

Das einzige Element, das im Film nicht zündet ist Daniel Radcliffe selber.
Die Rolle des Arthur Kipps nimmt die übernatürlichen Erscheinungen einfach so hin, zeigt sich nur wenig beeindruckt und geht ihnen mit einem beinahe schon beunruhigendem Enthusiasmus nach. Bei einem Horrorfilm, in dem der Zuschauer den Schauer erleben und spüren will entpuppt sich solch ein Charakter als hinderlich. Wenn der Protagonist es nicht schafft dem Zuschauer seine eigene Angst zu vermitteln fällt es einem schwerer sich komplett fallen zu lassen. Da hilft es auch wenig, dass der Regisseur James Watkins genau wusste wann, wie und wo er „Buh!“ machen musste. Das bedeutet nicht, dass der Film und seine Schocker nicht effektiv sind, man erschreckt sich gut und oft, aber die gewisse Würze fehlt da schon.

„Die Frau in Schwarz“ schafft, was Filme wie „Paranormal activity“ oder „Insidious“ in dem vergangenen Kinojahren wieder einzuführen versucht. Er lässt den Zuschauer mit subtilen Horror im Kinositz zusammen sinken wenn er sich nur darauf einlässt. Wer aber das große Blutbad sucht wird sich verloren fühlen und sich seines Geldes beraubt fühlen. Für alle die, denen diese Art des subtilen Horrors gefällt ist „Die Frau in Schwarz“ ein grandioses Filmerlebnis, das man sich nicht entgehen lassen sollte.