Titel: Hell
Produktionsland: Deutschland, Schweiz
Produktionsjahr: 2011
Länge: 90 (Min.)
Verleih: Paramount Pictures Germany

Kinostart: 22.09.2011

Regie: Tim Fehlbaum
Drehbuch: Tim Fehlbaum, Oliver Kahl, Thomas Woebke
Kamera: Markus Förderer
Schnitt: Andreas Menn
Hauptdarsteller: Angela Winkler, Stipe Erceg, Hannah Herzsprung, Lars Eidinger, Lisa Vicari


Inhalt:

Die Welt, so wie wir sie kennen, existiert nicht mehr. Deutschland gleicht einer Wüstenlandschaft von vertrockneten Wäldern und gänender Leere. Schuld ist die Globale Erderwärmung, die die Sonne zu einer Waffe macht. Die Menschen fürchten die Sonne und verschanzen sich daher Tagsüber in ihren Behausungen. Wasser und Benzin sind knapp und kostbar. Die auswegslose Lage verleitet die Menschen zu Gewalt und Kriminalität.
Die Geschichte wird aus der Sicht von Marie (Hannah Herzsprung) erzählt, die zusammen mit ihrer kleinen Schwester Leonie (Lisa Vicarie) und ihrem "Freund" Phillip (Lars Eidinger) auf dem Weg in die Berge ist. Das Auto mit dem sie unterwegs sind, braucht Sprit und so halten sie an einer Tankstelle. Doch außer Benzin und etwas Wasser stossen sie auch auf einen Fremden, namens Tom (Stipe Erceg), der ihnen versucht Proviant zu klauen und Leonie bedroht. Nach anfänglichen Schwirigkeiten, darf Tom sich der Gruppe anschließen. Auf dem Weg in Richtung Hoffnung, versperrt ein umgestürzter Masst die Farbahn. Sie sind gezwungen das Hindernis aus dem Weg zu räumen und werden dabei, von einer streunernden Bande überfallen. Maries kleine Schwester wird entführt und in das Lager der Angreifer verschleppt. Nach dem der Befreiungsversuch scheitert, macht sich Marie allein auf den Weg um ihre Schwester zu suchen. Halbtot, wird sie von einer alten Damen in einer Kirche gefunden und herzlich aufgenommen. Doch der Schein trügt. Schnell muss Marie feststellen, dass sie in einem Nest einer Menschenfressenden und inzestbetreibenden Familie sitzt. Nur mit viel Überwindung kann sie letztendlich Ihre Schwester und Tom aus der Gefangenschafft befreien und sie so vor dem Tod retten. Der Film endet mit Aussicht auf Erfolg. So finden die Drei das fruchtbare Bergland und sind somit gerettet.


Kritik:

Der Film beginnt spannend, indem Regisseur Tim Fehlbaum, gleich zu Beginn das Böse, aus der Sicht einer verwackelten Egoperspektive, dem Zuschauer präsentiert.Er sieht jedoch nicht, was mit dem Pärchen passiert, die eingefercht in einem Autofrack liegen, bereit zum sterben. Der Zuschauer ist also auf seine Fantasie angewiesen. Auf diese Weise wirkt das Böse gleich viel bedrohlicher. Nach der Eröffnungsszene, die auch aus einem Horrorfilm stammen könnte, werden die Hauptdarsteller vorgestellt, die sich ebenfalls in einem Auto befinden, das mit Folien und Zeitungen die Insassen vor der agressiven Sonne schützt. Gleich zu beginn präsentiert Fehlbaum dem Zuschauer, mit einer schmutzigen und staubigen Kulisse den ernst der Lage. Dieses stillistische Mittel, bleibt bis zum Ende präsent. Genauso wie helle und fast überbelichtete Bilder, die im Wechsel zu düsteren den Zuschauer wirkungsvoll blenden. Die Rollenverteilung im Trio ist klar strukturiert. Phillip hat das Sagen und Leonie ist das fünfte Rad am Wagen. Sie ist durch ihre junge und kindliche Art ein Störfacktor in Phillips Augen. Marie steht durch ihre undefinierte Liebesbeziehung zu Phillip und ihrer engen und mütterlich respektvollen Beziehung zu Leonie im Mittelpunkt der kleinen Gruppe.
Der Film wirkt durch die beeindruckenden Kulissen stark amerikanisch und kostspielig. Ein Faktor der für den deutschen Film nicht wirklich typisch ist. Doch Fehlbaum weißt mit kleinen Gesten, wie z.B. dem Song "99 Luftballons" von Nena oder dem Product Placement von deutschen Markenprodukten, auf die deutsche Herkunft des Films hin.
Der Stil des Films gleicht stark dem von englischen Zombiefilmen, wie z.B. "28 day Later" oder dem deutschen Film "the Road". Der Bezug auf eine menschenfressende Familie wirkt hier auf den Zuschauer zwar spannend, doch betrachtet man den Film tiefgründig, so kann er nur eine relativ platte Story mit Charakterentwicklungen vorweisen. Die Menschenfresser sowie die starke Sonneneinstrahlung in "Hell" erinnern mich stark an den Film "The Book of Eli". So könnte man hier einige parallelen ziehen und schlußfolgern, dass Regisseur Tim Fehlbaum sich stark an amerikansichen Vorbildern orientiert hat.
Die Schauspielerische Leistung ist in diesem Film eine von wenigen positiven Aspekten. So kann Hannah Herzsprung und Stipe Erceg in den Hauptrollen wirklich überzeugen. Ein weiterer Aspekt ist das Stilmittel Spannung. Der Film enhält jede Menge davon, auch wen diese stark auf der Grundlage von Horrorshockermomenten aufbauen. Jedoch gibt es auch eine inhaltliche Spannung, wie z.B. Maries Befreiungsaktion ihrer Schwester und hundert anderen Gefangen, die sonst als Delikatesse auf dem Küchentisch geendet hätten. Der Regisseur spielt hier wieder wirkunsvoll mit dem Kontrast von dunkel zu hell.
Natührlich hat dieser Film auch ein Happy End. Der unsympatische Phillip der gegen Ende des Films doch noch über seinen egozentrischen Schatten springen kann, stribt und der geheime Held, Tom, bleibt am Leben. Zu dritt Entdecken sie die Berge und somit das fruchtbare Land. Wer jetzt jedoch an einen innigen Kuss der Beiden im Sonnenuntergang denkt, der hat sich geirrt. Statt romantsicher liebelein oder innigen familieren Gefühlen, bekommt der Zuschauer lediglich eine Kamerafahrt über grüne Tähler zu sehen. Ein für mich persönnlich schlecht gewähltes Ende, was zwar inhaltlich stimmig ist, jedoch filmisch gesehen, langweilig und anödend wirkt.

Fazit:
Der Film "Hell" von Tim Fehlbaum ist ein gelungener Film mit effektvollen Kulissen und oft präsenter Spannung. Ein deutscher Film der "Hollywoodcharakter" enhält, jedoch tiefgründig versagt. Eine platte Story mit typischen Horrorelementen einer Menschenfressekultur, die platter nicht sein könnte. Schauspielerisch kann er punkten, jedoch ist auch hier ein deutscher Beigeschmack zu spüren. Ein Film der beim ersten schauen fesselt, jedoch beim zweiten mal ein frühzeitiges einschlafen vor dem Fernseher bewirkt.

Von Hannes Mager