Triage:

Für Fotografen kann eine Linse buchstäblich wie ein schützendes Fenster wirken. So ist es möglich, dass Menschen mitten im Geschehen sind und sich doch als bloße Beobachter fühlen, emotional fast unbeteiligt. Vor allem Kriegsfotografen wie Mark Walsh, der Protagonist dieses Films und superb gespielt von Collin Farrell, machen sich dieses psychologische Phänomen zu nutze. Sie zeigen uns mit ihrer Arbeit Bilder aus einer fremden, kalten und erschreckenden Welt, der Realität.
Doch was passiert, wenn das Glas zerbricht und die Wirklichkeit über einen hereinbricht? Mit dieser Frage beschäftigte sich auch Scott Anderson, mit seinem Roman Triage, welcher nun unter der Regie von Danis Tanovic verfilmt wurde.

Inhalt:
Ausgangspunkt der Geschichte ist ein erneuter Einsatz von Walsh zusammen mit seinem besten Freund und Kollegen David (Jamie Sives) in Kurdistan. Scheinbar haben beide schon viele solcher Aufträge gemeinsam unternommen und wirken dementsprechend professionell. Nach kurzer Zeit jedoch tritt David bereits die Heimreise an, da seine Frau zuhause ein Kind von ihm erwartet. Weder der bevorstehende Fußmarsch durch die Wüste noch sein bester Freund konnten ihn von seinem Vorhaben abhalten. Kurz darauf wird Mark verletzt an einem Ufer aufgefunden und im Lazarett medizinisch versorgt. Wieder einigermaßen auf den Beinen fliegt er heim nach Irland. Aber etwas ist anders, Angehörige und vor allem seine Frau Elena (Paz Vega)
bemerken Veränderungen in Marks Persönlichkeit. Auch auf Fragen Davids betreffend, welcher verschollen zu sein scheint, reagiert er eher abweisend. Da sich sein seelischer Zustand immer weiter verschlechtert, bittet Elena ihren Großvater Joaquin (Christopher Lee) widerwillig um Hilfe, ein Psychotherapeut mit Franko-Faschistischer Vergangenheit. Nach anfänglichen Schwierigkeiten und etwas unkonventionell wirkenden Methoden kann er schließlich zu Mark durchdringen und das Drama zeigt sich unverhüllt.

Wertung:
Triage ist kein Kriegsfilm. Es werden zwar einzelne Ausschnitte aus Marks beruflicher Vergangenheit gezeigt, aber es geht er darum wie ein "normaler" Mensch mit solchen Situationen umgeht. Für ihn ist der Schrecken scheinbar schon zur Routine geworden, bis sein emotionaler Schutzwall zerbricht und ihn beinahe zerstört. Auf der anderen Seite steht Elenas Großvater, welcher ebenfalls mit fürchterlichen Grausamkeiten konfrontiert wurde, ohne allerdings direkt welche verübt zu haben. Verbinden tut sie beide das Gefühl der Schuld. im Gegensatz zu Walsh allerdings empfindet Joaquin diese nicht (mehr), wodurch er weiterleben und in die Zukunft blicken kann. Die Frage ist also, ob man mit persönlicher Schuld weiterleben kann bzw. wie?! Oder aber man lässt sie erst gar nicht zu, in dem man sich rechtfertigt, das Offensichtliche verklärt oder sie einem anderen zuschiebt (Beispiel: Befehlskette). Wenn man sich aber doch schuldig fühlt, kann man solche Gefühle überhaupt loswerden und wenn ja wie, mit Verdrängung, Aufarbeitung, mit Wiedergutmachung oder sie einfach loslassen?! Fest steht jedenfalls, dass Schuld und reumütige Gefühle einen Beherrschen ja sogar innerlich zerfressen können. Wer kann schon damit umgehen, sich selbst als unmenschlich oder dergleichen zu definieren?

Fazit:
Der Film bietet jedenfalls genug Stoff zum Nachdenken, eine aufwühlend dramatische Geschichte, elegant verpackt und mit brisanter Thematik. Eine sensible Reise in die Psyche des Menschen und das, ohne jede Wertung.