Predators

Kinostart DE: 8. Juli 2010
Kinostart US: 9. Juli 2010
FSK: 18
Laufzeit: 107 Minuten
Regie: Nimród Antal
Drehbuch: Michael Finch, Alex Litvak, Robert Rodriguez
Cast: Adrien Brody, Laurence Fishburne, Alice Braga, Topher Grace, Danny Trejo

Kritik

„All of a sudden there was a light. And then, i was falling.“ Robert Rodriguez's Predators beginnt mit einem sich im freien Fall befindenden Adrien Brody. Nachdem sich ein Fallschirm in letzter Sekunde geöffnet hat und er unsanft auf dem Boden aufgeschlagen ist, beginnt er seine Umgebung zu betrachten. Er befindet sich einem dichten Dschungel ohne sich an irgendetwas zu erinnern. Kurz darauf trifft er Gleichgesinnte, die ebenso ratlos sind und schwer bewaffnet sind wie er selbst.
Sie alle sind Kämpfer, waren im Krieg oder in kriminelle Machenschaften verwickelt. Jeder von ihnen ist tödlich auf seine ganz eigene Art und Weise. Offensichtlich ist das sie jemand ausgewählt hat und in diesem Dschungel ausgesetzt. Doch wer und weshalb?

Nachdem 1990 Predator 2 ein eher enttäuschendes Einspielergebnis erzielte, wurde ein weiteres Sequel zu John McTiernan's Kultklassiker Predator mit Arnold Schwarzenegger eingestellt. Bereits 1994 wurde Robert Rodriguez (El Mariachi, Planet Terror) von Fox angeheuert, ein Drehbuch für eine Predator Fortsetzung zu schreiben. Doch erst jetzt, mehr als 20 Jahre nachdem Dutch Schaefer mit seinem Team sich James Cameron's Kreatur gestellt hat, ist es an Robert Rodriguez, dem Hoffnungsträger der Fans, das Predator Franchise wieder auferstehen zu lassen und die Alien vs. Predator Filme ein für alle mal vergessen zu machen. Aus Zeitgründen überlässt er dafür die Regie Nimród Antal (Motel, Armored) und ist selbst nur Produzent während das finale Drehbuch von den unbekannten Michael Finch und Alex Litvak stammt. Die Erwartungen waren gigantisch und dementsprechend auch die Enttäuschung, denn Predators ist nichts weiter als ein (handwerklich hervorragender) Abklatsch von McTiernan's Originalfilm. Und obwohl dieser Film eine Fortsetzung und kein Remake ist, erschafft Predators nichts neues sondern präsentiert lediglich denselben Film in neuem Gewand.

Und um gleich mit den Problemen anzufangen: Die Charaktere. Der Mann hinter Kultfilmen wie Sin City und Desperado betonte vorab immer wieder, Schwarzenegger stünde als Hauptcharakter außer Konkurrenz und man wolle deshalb gar nicht erst versuchen einen Ersatz für ihn zu finden und eine gänzlich neue Richtung einschlagen. Er präsentiert und daher ein äußerst facettenreiches Ensemble. Vom mexikanischen Kartellvollstrecker bis hin zum japanischen Yakuza. 'Sie sind die gefährlichsten Killer unseres Planeten' heißt es im Trailer. Jedoch sind sie alle Einzelkämpfer im Gegensatz zu der gut aufeinander eingestimmten Kämpfertruppe unter Major Dutch.
Die Situation erfordert es jedoch das diese acht Söldner, Vergewaltiger und Auftragsmörder zusammen arbeiten um herauszufinden, wo sie sind und weshalb. An diesem Punkt in der Story sind sicherlich mehrere mögliche Lösungswege denkbar. Während die Protagonisten anfangs noch aufeinander losgehen und jeder den Fädenzieher im Mann neben ihm vermutet, kommt die Erkenntnis, man müsse als Team operieren, spätestens am Ende des zweiten Aktes an dem sich dann eine stark dezimierte Killertruppe entschließt, der Bedrohung entgegen zu treten. Ein solcher Handlungsbogen würde reichlich Raum für Überraschungen lassen und den Charakteren, je nachdem wann sie das zeitliche segnen, genügend Freiraum eine Beziehung zum Publikum aufzubauen. Jegliche Suche nach Charaktertiefe ist bei Predators allerdings vergebens. Während der erste Akt sich unerwartet lange hinzieht ohne das etwas geschieht oder wir die Figuren besser kennenlernen, werden diese kurz darauf unerwartet schnell vernichtet. Dabei empfindet der Zuschauer rein gar nichts. Weder für die Verstorbenen noch für die Hinterbliebenen. Ungefähr zur Mitte hin, lernen wir Noland kennen, brilliant dargestellt von Laurence Fishburne, dem es gelungen ist über einen längeren Zeitraum auf dem Planeten zu überleben und den verbliebenen Protagonisten für eine Weile Unterschlupf in seinem Versteck gewährt. Während dieser zehn Minuten, in denen absolut nichts passiert, mag man sich vielleicht fragen was aus den ganzen interessanten Details geworden ist, die unser Rodriguez in seinen Charakter-Featurettes, welche er auf der offiziellen Website zum Film veröffentlicht hat, über seine Figuren erzählt hat. Damals klang es so, als hätte jeder einzelne von ihnen seine eigene einzigartige Hintergrundgeschichte. Doch im Film fehlt davon jede Spur. Zwar unternehmen Michael Finch und Alex Litvak eine müden Versuch uns einen der Protagonisten näher zu bringen, indem dieser uns ein Foto seiner Kinder zeigt, jedoch ist dies nicht mehr als ein kurzes Aufflackern des emotionalen Feuers das dieser Film hätte sein können und zudem noch ein extrem klischeebehaftetes Vorgehen.
Alles in allem kann man sagen, dass keiner der Charaktere sonderlich interessant ist, mit Ausnahme des Einsiedlers Noland oder dem unscheinbaren Doktor Edwin, gespielt von Topher Grace. Das einzige, was in diesem Zuge positiv anzumerken ist, ist ein insgesamt äußerst kompetenter Cast, der seine Sache durchweg mehr als gut macht. Das ist aber auch schon alles.

Es gibt absolut nichts in Rodriguez's mehr als lauwarmen Aufguss des Sci-Fi Klassikers von 1987, dass auch nur ansatzweise kreativ, innovativ oder originell ist. Dabei ist der Grundgedanke, wieder zurück in den Dschungel und damit zu den Wurzeln des Franchise zurückzukehren gar nicht mal so verkehrt. Schließlich trafen die unrühmlichen letzten drei Auftritte des Predator auf der großen Leinwand nicht gerade auf allzu starke Resonanz. Auch die Idee eine Gruppe von Leuten, die sich ganz und gar fremd ist, zusammen auf einen unbekannten Planeten wortwörtlich zu werfen, ist sicherlich nicht schlecht. Doch ab da, beginnt der Streifen nicht nur massiv seinen Vorgänger zu kopieren, sondern auch verzweifelt versucht, an die Qualität seines offensichtlichen Vorbilds Aliens heranzukommen, indem es auf sehr subtile Art und Weise mehrere Elemente von James Cameron's Meisterwerk stiehlt. Eine Figur, auf welche die Protagonisten treffen, die mehr über die Gefahren weiß, die unseren Helden bevorstehen, da sie bereits längere Zeit in ihrer Nähe verbracht hat. Und dann der Titel. Aus Predator wird Predators. Der einzige Unterschied ist die ausbleibende Qualitätszunahme die bei Alien und dessen Sequel Aliens zu verzeichnen war. Was das Werk von 1986 so erfolgreich gemacht hatte, war nämlich dessen Menschlichkeit. Die unglaubliche Story von Ellen Ripley, die hervorragend an Alien anknüpfte, was dafür sorgte das der Zuschauer das Gefühl bekommt, bereits auf einer langen Reise mit ihr gewesen zu sein, ist das Hauptmotiv von Aliens. Was ist das Hauptmotiv von Predators? Vielleicht der Planet oder die Predators dessen Jagdmotive auch das dieser Episode weiterhin im Unklaren bleiben. Aber ganz sicher nicht Adrien Brody's Charakter, Royce.

Somit bleibt am Ende nicht mehr viel, das der Film zu bieten hat. Jedenfalls nichts neues. Bemerkenswert ist die Tatsache, das die Ereignisse aus dem ersten Predator Abenteuer in diesem Film Erwähnung finden, was dem Publikum ein Gefühl von Zusammenhang gibt. Leider wirkt dieser Film eher wie eine Liebeserklärung an jenen Film. Anstatt auf dessen Handlung aufzubauen, wird diese an jeder Stelle kopiert. Und so bleibt es nicht aus, dass sich am Ende Adrien Brody mit Schlamm einreibt und sich eine One Man-Show mit einem Predator liefert und dabei auch noch schamlos Schwarzenegger zitiert. Auch der Twist am Ende wirkt unnötig und irrelevant.
Predators weiß auf der Handlungsebene durch nichts zu beeindrucken. Die Handlung ist platt, vorhersehbar und kopiert.

Auch dem technischen Level ist dem Film jedoch anzurechnen, das Nimród Antal hier auf praktische Effekte statt CGI setzt und das Resultat visuell schlicht großartig ist. Seine Inszenierung ist solide, wobei man sich hier und da sicherlich ein bisschen mehr „iconic imagery“ gewünscht hätte. In diesem Punkt ist Alien vs. Predator diesem Film weitaus überlegen.

Am Ende verlässt man nichtsdestotrotz niedergeschlagen den Kinosaal und fragt sich ob große Filmemacher wie M. Night Shyamalan und Robert Rodriguez allmählich ihre Genialität verlieren und ob dies vielleicht zwangsläufig mit allem Hollywood Größen passiert. Als Fazit für diesen Film lässt sich jedenfalls festhalten, dass jeder der darüber hinwegsehen kann, das Predators absolut nichts neues oder überraschendes zu bieten hat und McTiernan's Predator klasse fand, mit diesem Film sicherlich auch eine Menge Spass haben wird, denn einige Action-Sequenzen habe tatsächlich diese Qualität. Dies mag zwar nicht darüber hinweg trösten, das dieser Film sein enormes Potential so gut wie komplett verspielt hat, aber schließlich hat Rodriguez noch ein paar nette Extras hier und da hinzugegeben, die den Fans des Originals sicherlich eine Menge Freude bereiten werden. Und wenn man Ende nicht allzu enttäuscht ist und die Erwartungen von Anfang an nicht zu hoch schraubt, kann man die Credits mit „Long Tall Sally“ von Little Richard und anschließend dem Predator Theme von Alan Silvestri in vollen Zügen genießen.

Von Nicolas Cabuy