Fazit: Das Weltall bebt - der bombastische Urknall des Star Trek Franchise.

Inhalt:
Ohne langatmige Exposition befinden wir uns mitten im Gefecht auf der schwer getroffenen U.S.S. Kelvin, die von den Romulanern unter Führung des gnadenlosen Nero aufgebracht wird. Eindrucksvoll wird der titelgebende Sternentreck durch die fliehenden Space Shuttle bebildert. Wir erleben kurze Episoden aus der Jugend der völlig gegensätzlichen Charaktere Kirk, dem unangepassten Rebell, und Spock, dem hochintelligenten Halbvulkanier. Schicksalhaft treffen Jahre später in einem Notfalleinsatz nahezu alle Mitglieder der wohlbekannten Crew auf der U.S.S. Enterprise zusammen, um einer erneuten Attacke Neros Widerstand zu leisten. Diese Mission wird zur Bewährungsprobe und Grundstein für die späteren Abenteuer in den unendlichen Weiten des Weltraums.

Kritik:
Erfolgreiche Kinoserien in kontinuierlicher Qualität am Laufen zu halten gelingt recht selten, und sogar ein James Bond bedurfte bereits mehr als einer Frischzellenkur, um über 20 Missionen in mehr als 40 Jahren durchzustehen. Die Wiederbelebung eines als Auslaufmodell geglaubten Franchise entwickelt sich in der schnelllebigen und in technischer Hinsicht rasant weiterentwickelnden Filmindustrie schon mal zum riskanten Kraftakt. Welcher Druck mag da erst auf Regisseur J.J. Abrams (MISSION IMPOSSIBLE III) gelastet haben, als der bekennende Nicht-Trekkie sich an das durch fünf TV-Serien und zehn Kinofilme etablierte und akribisch interpretierte Star Trek Universum wagte? Nach zwei Stunden action-, humor- und seelvoller Jungfernfahrt mit der U.S.S. Enterprise und ihrer noch unerfahrenen Besatzung dürften die letzten Befürchtungen selbst der kritischsten Fans vom Phaserfeuer weggeblasen sein. Denn würdiger, einfallsreicher, unterhaltsamer - mit einem Wort: perfekter - hätte die Fortsetzung der zuletzt nicht wirklich schlecht, aber etwas bemüht daher kommenden Reihe ausfallen können.

Fangen wir bei der Besetzung an: April Webster und Alyssa Weisberg gebührt uneingeschränkte Anerkennung für das ganz bestimmt nicht einfache Casting der jungen Alter-Ego der Star Trek Classic Besatzung. Ohne in plumpes Nachahmen zu verfallen, haben die relativ unbekannten und teils Leinwand unerfahrenen Darsteller die wesentlichsten Manierismen des Dreigestirns Kirk, Spock und McCoy auf den Punkt adaptiert.
Als größter Coup erweist sich die Besetzung der ikonischsten Figur der Ur-Enterprise mit Zachary Quinto (HEROES) als Mr. Spock. Von der aufrechten, stets leicht unbequem wirkenden Haltung bis zur sparsamen Mimik, in der die winzigste Emotion einem Gefühlsausbruch gleichkommt, verkörpert der talentierte Darsteller vom ersten Moment an glaubwürdig die Inkarnation des halb menschlichen Vulkaniers.
Karl Urban (DER HERR DER RINGE, PATHFINDER) wird ab jetzt hoffentlich nicht mehr in die Kategorie “Wo habe ich dieses markante Gesicht schon mal gesehen?“ fallen. Kongenial erweckt der Neuseeländer durch die bekannt knappe und präzise Sprechweise und geknurrte One-Liner den Schiffsarzt Pille (im Original - wem erzähl‘ ich’s - Bones) zum Leben. Wie in der Ur-Serie harmoniert er dabei bestens mit seinem Freund aus Kadetten-Zeiten, Captain James T. Kirk.
Chris Pine (SMOKIN‘ ACES) schließlich tritt ohne falsche Scheu und bravourös das Erbe William Shatners an. Sein Captain Kirk ist der dem Vorbild ebenbürtige Haudrauf und Womanizer mit Herz und Verstand, den wir kennen und schätzen gelernt haben. Die in der knappen Laufzeit leicht hätte lächerlich wirkende Entwicklung von der erbitterten Konkurrenz zwischen ihm und Spock bis zur respektvollen Freundschaft wird absolut plausibel gemeistert.
Es würde den Rahmen sprengen, jedes Crew-Mitglied würdigen zu wollen, darum sei abschließend noch Simon Pegg (SHAUN OF THE DEAD, HOT FUZZ) erwähnt, der als Chefingenieur Scott die zwerchfellerschütterndsten Szenen beitragen darf und außerdem das kulleräugig-knuffigste Alien seit E.T. zur Seite gestellt bekommt.

Wollte man unbedingt einen Makel an STAR TREK finden, könnte die Story herangezogen werden, die munter den Fundus der jüngeren Science Fiction Geschichte plündert, darunter auch den gegnerischen STAR WARS (siehe Wüsten- und Eisplanet). Dies fällt allerdings überhaupt nicht ins Gewicht, da in rasantem Tempo Action und Dialogwitz aufeinanderfolgen, bereits von der ersten Minute an beinahe mühelos große Emotionen erzeugt werden (Kirk’s Geburt) und sogar der unvermeidliche Technobabbel nahezu en passant und verständlich abgehakt wird. So gerät selbst die Begegnung zwischen jungem und altem Spock (würdevoller Gastauftritt des greisen Leonard Nimoy) nicht zum unglaubwürdigen Paradoxon, sondern zum bewegenden Moment der Stille im Kampfgetöse. Stichwort für das Sounddesign, das ohne jeden Zweifel oscarverdächtig ist. Hörsturzverdächtig ergänzt wird diese Kulisse durch den fantastischen Orchesterscore Michael Giacchinos (MISSION IMPOSSIBLE III, RATATOUILLE), der mit Pauken, Streichern und Trompeten völlig überzogen und pathetisch, aber hundertprozentig passend die brillant choreografierten und von ILM erwartungsgemäß State-of-the-Art kreierten Kampfsequenzen (persönliches Highlight: der Mann-gegen-Mann-Fight auf der Bohrer-Plattform) untermalt. Erstmals in der Star Trek Kinofilmhistorie kommt mit exaktem Timing gar das Titelthema der TV-Serie zum Einsatz.

Wenn unter den sphärischen Klängen der weltweit bekannten Melodie die ebenfalls vertrauten Worte vom “Weltraum - unendliche Weiten. Dies sind die Abenteuer des Raumschiffs Enterprise…“ von Leonard Nimoy gesprochen werden, ist endgültig die Brücke geschlagen zwischen STAR TREK 11 und Gene Roddenberrys Genie-Streich aus den 60ern. Und man möchte J.J. Abrams aus tiefstem Herzen den vulkanischen Gruß “Live long and prosper“ entbieten, damit uns noch die ein oder andere Episode der jungen Enterprise beschert werde.

Schlachti