Fazit: Heike Makatsch in der Rolle ihres Lebens - das leidenschaftliche und bewegende Portrait einer streitbaren, aber unvergleichlichen Künstlerin.

Inhalt:
Hildegard Knef kehrt 1966 nach Berlin zurück und gibt ein viel beachtetes Konzert in der Berliner Philharmonie, mit dem quasi ihre zweite Karriere als Sängerin eingeläutet wird. Vor dem Auftritt rekapituliert Hilde in der Einsamkeit der Garderobe die vergangenen 23 wechselhaften Jahre von ihren Bühnenanfängen im kriegsgeschüttelten Deutschland, über die frustrierende Zeit in Hollywood bis zum jähen Erfolg und ebenso plötzlichen Sturz als Schauspielerin in der Heimat. Durch die Hochs und Tiefs begleitet wird sie bis zum gefeierten Gesangsauftritt von ihrem liebevollen wie auch geduldigen zweiten Ehemann David Cameron.

Kritik:
Dieses Biopic über eine der schillerndsten deutschen Künstlerinnen der Nachkriegszeit wird das Publikum in mindestens zwei Lager spalten: diejenigen, denen aus eigenem Erleben oder gar persönlicher Bekanntschaft der Knef die ausgewählten Episoden zu willkürlich und wenig aussagefähig erscheinen; vielleicht wird diesem Kreis genauso die Interpretation der Makatsch der wahren Knef kaum gerecht. Zum anderen wird es sehr viele Zuschauer geben, denen Hildegard Knef allenfalls noch durch ihr Mitwirken bei Extrabreits Version von "Für mich soll’s rote Rosen regnen" ein Begriff ist; bestenfalls hat man über die Anekdote der Eltern zum Skandal geschmunzelt, den der sekundenkurze, hüllenlose Auftritt der Knef im Streifen "Die Sünderin" im damals unvorstellbar prüden Deutschland verursacht hat. Dieses Lager, zu dem ich mich zähle, wird HILDE am unvoreingenommensten betrachten können und am Ende mitgerissen und fasziniert von der wechselhaften, aber nie langweiligen Geschichte der letzten deutschen Diva nach Marlene Dietrich sein.

Welches Urteil auch immer nach Ende des vom gutgelaunten "Von nun an ging’s bergab" unterlegten Abspann gefällt wird - unbestreitbar bleibt die eindrucksvolle Leistung der umwerfend charmant aufspielenden Heike Makatsch. Nur kurz stutzt man in ihrer ersten Szene am Berliner Flughafen, wenn sie gegenüber der Reporterschar erste Statements zum Besten gibt. Denn sehr ungewohnt klingt derart unvermittelt die tiefe, rauchige Stimme und sehr gestelzt die Wortwahl. Dieser Eindruck legt sich allerdings sofort während der ersten Rückblende ins Jahr 1943, wo man die junge Hilde noch heftig berlinernd bei ihren Vorstellungsgesprächen am Theater trifft. Anfänglich verwundert es vielleicht, wieviel Zeit der aufstrebenden Künstlerin im vom russischen Einmarsch bedrohten Berlin eingeräumt wird. Doch wer die Geduld aufbringt und die einzelnen Kapitel, jeweils von Textzeilen aus dem Song "Für mich soll’s rote Rosen regnen" eingeleitet, aufmerksam verfolgt, für den ergibt sich am Schluss ein stimmiges Bild. Großen Anteil an der authentischen Wirkung haben neben der in jeder Szene präsenten Hauptdarstellerin die superb besetzten Nebencharaktere. Beispielhaft seien genannt:

Monica Bleibtreu liefert eine wiederholte Kostprobe ihres Könnens als mütterliche Entdeckerin der Knef ab. Roger Cicero gibt äußerst souverän und unprätentiös den musikalischen Begleiter und späteren Produzenten ihrer ersten Songs. Hanns Zischler beweist seine Klasse mit der charismatischen Verkörperung des Knefschen Förderers Erich Pommer. Obwohl er im Schlussakt nicht in Erscheinung tritt, sorgt er - Dank seiner kraftvollen Darstellung zuvor - in dieser bemerkenswerten Schlüsselszene allein durch bloße Nennung seines Namens für einen anrührenden Moment - großartig! Die Liste könnte mühelos fortgeführt werden, abschließend soll der relativ unbekannte Dan Stevens Erwähnung finden, der dem Engländer und Hildes zweiten Ehemann David Cameron Profil verleiht. Anfangs scheinbar ein weiteres männliches Naschwerk für die alles andere als damenhaft zurückhaltende Knef entpuppt sich der smarte, mit elegantem britischen Akzent nahezu perfekt deutsch sprechende Verehrer als hingebungsvoller und toleranter Partner.

Natürlich holpert die Dramaturgie ab und an ein bisschen - so wirkt die Hollywood Episode befremdlich slapstisckhaft mit der klischeehaften Parodie eines Filmproduzenten in Gestalt des großen David O. Selznick (VOM WINDE VERWEHT). Der Zweck von unmotiviert ausgedehnten Bettszenen kann ebenfalls in Frage gestellt werden. All diese mal störender mal kleinlicher ausfallenden Mängel können den Gesamteindruck des fabelhaft unterhaltenden Streifens kaum schmälern, der steht und fällt mit der in jeder Einstellung überzeugenden und packenden Performance von Heike Makatsch, deren glücklicherweise oft zu hörendes kehliges, bezauberndes Lachen so schnell nicht mehr aus dem Ohr geht. Am Ende sollte es daher nicht nur rote Rosen für Heike regnen, sondern einhellige Anerkennung für die beste und berührendste Leistung ihrer Karriere.

Schlachti