Nach all den negativen Voreindrücken, die man in der deutschen Presse erfahren hat, kam für mich ein Kinobesuch von Operation Walküre eigentlich gar nicht mehr in Frage.

Und dann das: Ein Film, spannend von der ersten bis zur letzten Minute, die Ausnahme stellt nur eine wenig störende Länge während der Filmmitte dar.

Cruise verkörpert von Stauffenberg zwar recht eindimensional als zielstrebigen Helden und lässt tiefere Rückschlüsse auf sein preußisch-aristokratisches Weltbild nicht zu, aber trotzdem oder gerade wegen dieser leichter bekömmlichen Herangehensweise zieht der Film einen durchweg in seinen Bann. Kurzum: Cruise ist nicht so schlecht wie von vielen befürchtet, aber aufgrund seiner Herkunft und seines persönlichen Hintergrunds auch nicht die Idealbesetzung. Job well done, mehr aber auch nicht.
Der Rest der Besetzung ist jedoch erstklassig – etliche bekannte britische und deutsche Schauspieler glänzen in ihren Rollen und verkörpern die Dramaturgie und die Widersprüchlichkeit der damaligen Geschehnisse und Anschauungen.

Wer Explosionen, Panzer und Schlachtengetümmel erwartet, wird zum Teil enttäuscht: Zwar gibt es pflichtbewusst einige gut ins Bild gesetzte Actionszenen (Tieffliegerangriff in Nordafrika, das Bombenattentat, Einsatz des Ersatzheeres in Berlin), letztlich spielt der Großteil der Handlung jedoch hinter verschlossenen Türen. Und bleibt dabei aufgrund der packend inszenierten Schlagabtäusche und unerwarteten Wendungen so spannend, dass einem dieser Umstand überhaupt nicht negativ auffällt. Große Klasse für einen zum Hollywood-Actioner verklärten Film!

Der Film beweist eindrucksvoll, dass die gerne auf die Zeit von '33-'45 zurechtgestutzte deutsche Geschichte nicht zwangsläufig im verstaubten und moralisch korrekten Guido Knopp-Look des ZDF daherkommen muss, sondern ein bisschen Hollywood und die damit einhergehende Vereinfachung des Stoffes die Sicht aufs Wesentliche schärfen kann.

Über 15 (!) missglückte Attentate auf Hitler vor dem Hintergrund tausender Widerstandskämpfer und deren Anhänger, die für ihren heldenhaften Einsatz oftmals mit ihrem Leben bezahlten:
Das ist es, was nicht nur in Deutschland, sondern auch international nach diesem Film hängenbleibt. Immerhin weiß ein Großteil der US-Amerikaner bis heute nicht, dass es überhaut einen Widerstand gegen Hitler gab.
Für diese Aufklärungsarbeit dürfen wir Tom Cruise - bei aller persönlichen Antipathie - dankbar sein.
Und uns freuen, dass es auch in unserem Land echte Helden gab, auf die wir heute mehr denn je stolz sein dürfen.

Dass der Film dabei spannend und mit exzellenten Nebendarstellern gut inszeniert ist setzt dem ganzen die Krone auf: 9/10 Punkte für einen im Vorfeld schlechtgeredeten und dann doch überragenden Film sind daher mehr als gerechtfertigt. Angucken und selbst urteilen!