Fazit: Bestechend gut gelaunte Leinwandadaption des Erfolgsmusicals. Mehr als ein Dutzend ABBA-Hits vor Traumkulisse - nur Steine bleiben ungerührt.

Inhalt: Mit ihrer Mutter Donna bewirtschaftet Sophie ein etwas heruntergekommenes Hotel auf einem malerischen griechischen Eiland. Da es ihr größter Wunsch ist, von ihrem bislang unbekannten Vater zum Altar geführt zu werden, hat Sophie anhand Donnas Tagebuch die drei in Frage kommenden Erzeuger zur Hochzeit eingeladen. Und die beschwingte Dramödie kann ihren Lauf nehmen.

Kritik: Eine Warnung vorweg - wer beim bloßen Gedanken an eine Story, die auf die Rückseite einer Urlaubspostkarte passt, und an Menschen, die im 5-Minuten-Takt voller Hingabe ABBA-Songs schmettern, Pickel bekommt, sollte MAMMA MIA! mit gleichnamigem Ausruf meiden. Aber all denen, die knapp zwei Stunden der blendend aufgelegten Darstellerriege neidlos beim bezahlten Mittelmeer-Urlaub zuschauen wollen, sei DER Gute-Laune-Film dieses Sommers ans Herz gelegt, nach dessen Besuch sich ein beseeltes Lächeln und die tief in die Gehörgänge gegrabenen Melodien nur operativ entfernen lassen.

Natürlich macht die simple Geschichte der alleinerziehenden Donna, die sich Dank ihrer kurz vor der Vermählung stehenden Tochter Sophie mit der unerwarteten Begegnung mit ihren drei verflossenen Liebhabern konfrontiert sieht, jedem Kitschroman Ehre. Doch wie Autorin Catherine Johnson knapp zwanzig allseits bekannte ABBA-Hits im Kontext unterbringt, deren für sich allein genommen banale Texte die jeweilige Situation, in der sie präsentiert werden, perfekt umschreiben, verdient große Anerkennung. Noch größerer Verdienst gebührt letztendlich den Schauspielern, die ausnahmslos engagiert und spielfreudig ihre auf den ersten Blick ungewohnt anmutenden Rollen auszufüllen verstehen. Allen voran muss Meryl Streep erwähnt werden, die sich einen weiteren Meilenstein als wandlungsfähigste Aktrice ihrer Generation in die Vita schreiben darf. Hat man noch ihren Auftritt als eiskalte Verlegerin in DER TEUFEL TRÄGT PRADA in Erinnerung, meint man eine völlig andere Person wie entfesselt und fast mädchenhaft unter griechischem Himmel singen und tanzen zu sehen. Abgesehen vom zweifellos vorhandenen gesanglichen Talent ist es allein der Schauspielkunst der 59jährigen (sic!) zu verdanken, dass selbst slapstickhafte Nummern wie “Money, money, money“, “Mamma Mia“ oder “Dancing Queen“ - obwohl am Rande der Lächerlichkeit entlang schrammend - glaubwürdig herüber kommen. Und wer nicht bei “Slipping through my fingers“ und spätestens dem leidenschaftlich interpretierten “The winner takes it all“ der Streep verfallen ist - nun ja, siehe eingangs erwähnte Steine.

Nach dieser Lobeshymne fällt es beinahe schwer, noch Aufmerksamkeit für den übrigen Cast zu wecken. Doch weder die Damen noch die Objekte ihrer Begierde müssen sich hinter Donna verstecken: das reife Frauentrio um Donna wird komplettiert durch die herrlich snobistische Christine Baranski (BOWFINGER, CHICAGO) als mannstolle Tanya und Julie Walters (KALENDER GIRLS und HARRY POTTER-Serie) als burschikose, leicht schusselige Rosie. Beide erhalten genug Raum für kleine, teils zwerchfellerschütternde Soli wie Baranski mit der frivolen Darbeitung von “Does your mother know“ und Walters mit dem Balzgesang von “Take a chance on me“. Donnas Tochter spielt die optisch und vokal hinreißende Amanda Seyfried (GIRLS CLUB, TV-Serie VERONICA MARS), passend ergänzt durch Hardbody Dominic Cooper als Bräutigam in spe Sky.

Das Testosteron-Triumvirat wird gebildet von: Pierce Brosnan, der für seine manchmal angestrengt wirkenden Sangeskünste - meines Erachtens unverdient - Tadel einstecken musste. Den weiblichen Zuschauern zur Freude darf er in mehr als einer Szene seinen mittlerweile graumelierten Brustrasen zeigen und darüber hinaus mit “S.O.S.“ ein ergreifendes Duett mit Meryl Streep bestreiten. Colin Firth versprüht den seit BRIDGET JONES kultivierten Charme als schüchterner, verkannter Liebhaber und ehemaliger Headbanger (hier sei ein Verweis auf die brüllkomischen Jugendfotos der Ex-Lover gestattet, die Firth und Brosnan in so garantiert noch nie gesehenem Look veralbern). Stellan Skarsgård schließlich überrascht durch ausgelassenes Spiel und sympathische Ausstrahlung, die er in seiner bisherigen, oft auf zwielichtige Typen festgelegten Rollenwahl (RONIN, der tragisch verfluchte “Stiefelriemen Bill“ in FLUCH DER KARIBIK 2 & 3) selten an den Tag legen dufte.

Gleich von der ersten, luftig-leicht choreographierten Nummer “Honey, Honey“ an überträgt sich die Spielfreude des gesamten Cast auf das Publikum und entlässt es nicht einmal mit Beginn des Abspanns aus dem zum Mitwippen einladenden Bann, wenn sich alle Protagonisten als ABBA-Reinkarnationen in schaurig-schönen Glitzerfummeln nochmal so richtig zum Obst machen dürfen. Auch wer es - sei es aus falsch verstandener Männlichkeit oder wegen akuter Ohrwurm-Allergie - nicht zugeben mag und ABBA nur heimlich im Keller hört, wird trotzdem nicht abstreiten können, dass Benny Andersson und Björn Ulvaeus zeitlose und universelle Pop-Juwelen gelungen sind. Und so ist es nur konsequent, diese Empfehlung für reuelos zu genießendes, herrlich seichtes Entertainment mit dem Schlusssong und dem Dank an die Komponisten zu beenden: Thank you for the music.

Schlachti