Inhalt:

Die Geschichte spielt im Jahr 1997 in England: der 43-jährige Tony Blair wird durch einen Sieg der Labour Party, bei den Unterhauswahlen, Premierminister. Er wird durch Elizabeth II. (Helen Mirren, Künstlername, tatsächlicher Name: Ilyena Vasilievna Mironov) vereidigt, da er die Regeln der Etikette noch nicht kennt, wird Blair von der Königin belehrt. Monate später versucht Blair dem britischen Staatsoberhaupt den Weg aus einer Popularitäts- und Imagekrise aufzuzeigen, die fast den Bestand der Monarchie gefärdet und innerlich auszuhölen droht. Am 31. August weilen die Königin Elizabeth und ihr Ehemann Prinz Philip in Schottland und werden dort vom tragischen Tod der Prinzessin Diana unterrichtet, welche bei einem Verkehrsunfall in Paris ums Leben gekommen ist.

Diana, ehemalige Ehefrau ihres Sohnes und voraussichtlichen Thronfolgers, Prinz Charles, hatte das Image der Familie geschädigt, indem sie Einblicke in das Leben der königlichen Familie gab, die nicht dem strengen Stil und dem bisherigen Öffentlichkeitbild der Windsors entsprachen. Zudem hatte sie während der letzten Ehejahre mit Charles als monarchistischer und repräsentativer Antipode zur Königin gewirkt, sodass zwischen Diana, Charles und der Königin ein bisher ungelöstes Spannungsverhältnis aufgebaut wurde, das auch durch die Scheidung nicht beseitigt wurde. Die Prinzessin hatte schon zu Lebzeiten, durch ihre Auftritte und charitativen Tätigkeiten, der Königin Elisabeth den Sympathierang abgelaufen. In den nächsten Stunden und den Tagen bis zu ihrer Beisetzung, avanciert die tote Prinzessin zur vom ganzen Volk betrauerten Figur, der auch Premierminister Tony Blair seinen Tribut zollt. Blair erkennt den geringen Rückhalt, den die repräsentative, konstitutionelle Monarchie in England noch hat und sieht den Status derselben gefährdet. Die Königin Elizabeth zeigt sich von der landesweiten Volkstrauer unberührt und folgt dem höfischen Protokoll, da die verstorbene Prinzessin, auf Grund ihrer Scheidung, kein inneres Mittglied der königlichen Familie mehr ist. Die königliche Familie verbleibt weiterhin auf dem Sommersitz Balmoral. Einzig Prinz Charles befreit sich von den überkommen Zwängen, er fliegt spontan nach Paris und begleitet den Leichnam Dianas, während der Überführung, nach England. Auch weigert sie sich dem Rat des Premierministers Blair zu folgen und nach London zu reisen, sich dem Volk zu zeigen und der Volkstrauer ihre Referenz zu erweisen. Auch Prinz Charles kann ihre Haltung nicht umstimmen, der die lage erkennt und sieht, dass mehr Volksnähe angebracht wäre. Elizabeth II. Glaubt die Lage richtiger einschätzen zu können und wird in ihrer überkommenen Haltung von ihrer Mutter bestärkt, welche auf Grund ihres Alters antiquierte Vorstellungen hat und diese auf die Königin überträgt. Die Volkstrauer wächst sich fast zur Hysterie und Heiligenverehrung aus, da im gesamten Land Trauerbezeigungen kund getan werden und vor dem Kensington und dem Buckingham Palace tausende trauernde Menschen Blumen niederlegen. Der Unmut über die stoische, abgekehrte Haltung der Königin wächst.

Elizabeth II. gerät daraufhin in einen Gewissenskonflikt. Elisabeth wird dazu gezwungen über den Wert und den Erhalt der Monarchie in England zu befinden, es wird eine Abdankung angedeutet. Der Film benutzt während des Aufenthaltes der Familie in Balmoral (Schottland), das Gleichnis eines kapitalen Rothirsches, der auf dem Grundbesitz Balmorals gesichtet und auf dem eine Jagd veranstaltet wird. Die königlichen Prinzen dürfen erstmalig in Begleitung von Prinz Philipp an dieser teilnehmen. Der Rothirsch wird jedoch nicht zur Strecke gebracht. Während einer Autofahrt durch die unwegsamen Wege des Landsitzes Balmoral bleibt die Königin allein, mit ihrem Geländewagen in einer Furt stecken. Sie wartet bis Hilfe eintrifft, die wahrscheinlich bald kommen wird. Da sie sich ruhig verhält tritt der kapitale Rothirsch in nächster Nähe auf einer kleinen Anhöhe in erscheinung, sie hält ein kurzes Zwiegespräch mit sich selbst, dem Tier über die Schönheit des Tieres.
Auf dem beharrlichen Zuraten von Tony Blair ordnet die Königin ein Staatsbegräbnis für Diana an und kehrt nach einer Woche nach London zurück, um das Blumenmeer vor dem Buckingham Palace zu besichtigen und um eine eine Fernsehansprache zu halten. In dieser bezieht sie Stellung über das Leben Dianas und deutet an, aus den außergewöhnlichen Reaktion und den Ereignissen der letzten Tage lernen zu können. Sie deutet weiterhin an, dass das Leben und Wirken der verstorbenen Prinzessin von Wales Veränderungen herbeiführen wird, und mehr Volksnähe zu zeigen. Darauf ändert sich die Stimmmungslage, es tritt landesweit eine Entspannung bezüglich der Grundhaltung der Königin ein.

Wieder in Schottland auf Balmoral, erfährt die Königin, dass der kapitale Rothirsch von einem zahlenden Jagdgast, auf dem Nachbarbesitz, zur Strecke gebracht wurde. Die Königin läßt sich den Rothirsch im Waidhaus zeigen. Sie sieht, dass dem Tier der Kopf abgetrennt wurde und hält gleichzeitig Trauer mit dem Tier und mit sich selbst.

Kritik:

Zwar gelingt es Helen Mirren die Königin von England Elisabeth glaubhaft zu verkörpern und schauspielerisch umzusetzen, ein wenig bürgerliches Image und Bewegungsmuster wird Helen Mirren darüber hinaus, in der Darstellung der Königin, nicht los. Die Rolle scheint auf Grund der typischen Ähnlichkeiten, Helen Mirren auf den Leib geschrieben zu sein, sodass nur noch ihre guten schauspielerischen Fähigkeiten von Nöten waren, um eine Oskarnominierung und den Preis selbst, für die beste Hauptrolle, zu bekommen. Leider läuft Helen Mirren auch allen anderen Darstellern den Rang ab, sodaß bei den hier dargestellten, wohlbekannten Gestalt des gegenwärtigen Zeitgeschehens, mancher Zuschauer wohl ein sanftes Schmunzeln nicht unterdrücken konnte.

Der Film greift ein altes Thema auf, das wir in unseren Tagen schon untergegangen glaubten, der Verlust der Aristokratie an Macht und an Werten. Hier in diesem Film geht es eher um den Verlust von Werten, denn eigentliche Macht, ist der Monarchie in England nicht mehr geben, wie wir wissen. Der Film scheint einfach gemacht und gibt die Ereignisse in und um die englischen Royals, nach dem Tode der Prinzessin von Wales, 1997, chronologisch und nachzeichnend wieder. Der Film bezieht eindeutig Stellung für die Königin von England und beleuchtet ihre Person und innere Handlung der Königin. Er hält eher ein Plädoyer für die Gestalt Elizabeth II. und gibt Erklärungen für ihr damaliges Verhalten. Der Film versucht Werte aufzuzeigen, die die Königin heute noch wiedergibt und die sie seit 50 Jahren professionell und mit Pflichterfüllung aufrecht erhält.
Wie ist es in unserer Zeit möglich, dass in Hinblick auf die damalige, alles überflügelnde Popularität Dianas, heute sich ein Filmemacher getraut, ein Pladoyer für den alten Hausdrachen der Windsors, der Königin von England zu halten? Ist die Erinnerung an Diana so abgeschwächt, dass man wieder für alte Werte, sie auch tatsächliche Werte sind, eine Fürsprache anbringen kann? Man kann es, offensichtlich und wie der bescheidene Erfolg des Filmes es zeigt und rechtfertigt.
Der Film greift zu einem alten Mittel, um den Verfall der aritokratischen Werte in filmische Schauwerte umzuwandeln. Das Gleichnis, die Metapher der Königin von England mit einem edlen, kapitalen Rothirsch. Sollte der Drehbuchautor des sanften Ideenklaus verdächtigt werden? Schon einmal wurde im Kino das Gleichnis mit einem Tier gezogen, um den Verfall der Aristokratie zu beschreiben. Erinnern wir uns an „Il Gattopardo“ vom Altmeister Luciano Visconti (Regie, 1963) nach einer Novelle von Giuseppe Tomasi Di Lampedusa (Suso Cecchi d'Amico, Drehbuch). Ging es in Il Gattopardo (Burt Lancaster, Titelrolle) noch um den Verlust an tatsächlicher Macht im Zuge der 1848-iger Revolution in Sizilien, so kann man der Handlung des Film The Queen nur die filmischen Darstellung des Verlust an Werten bescheinigen. Oder verkörpert die Königin von England auch heute noch etwas von einer Macht und Ordnung die imaginär vorhanden ist? Ist die englische Monarchie nur ein Überbleibsel, ein Anachronismus, vielleicht ein Wurmfortsatz des Dickdarmes der abgeschnitten werden kann? Der Film The Queen überzeugt uns vom Gegenteil. Irgendwie ist diese letzte tatsächliche Enclave der Aristokratie ein Überbleibsel, das wir alle irgendwo mögen und vermissen, so überflüssig es auch geworden ist.

Während in Il Gattopardo der Fürst von Salinas (Burt Lancaster) die Zeichen der Zeit erkennt und in den ersten demokratischen Wahlen seiner fast vollkommenen Entmachtung mit Schläue zustimmt, so sieht in The Queen, die Monarchin kaum und widerwillig einen Anlaß von ihrem Handeln abzuweichen. In Il Gattopardo ist es der Leopard, Il Gattopardo, der Fürst von Salinas, der keine Krallen mehr hat, der entmachtet ist. In The Queen ist es ein Hirsch als Gleichnis, der in seiner prachtvollen Natürlichkeit gezeigt und letztlich zur Strecke gebracht wird. Damit nicht genug, der Drehbuchautor läßt die Königin zweimal das Tier betrachten, im Zwiegespräch in der Natur und am Filmende, im Schlachthaus mit abgetrennten Kopf. Will uns der Film etwas zeigen, was nicht unmittelbar in der englischen Monarchie offensichtlich ist? Hat die englische Monarchie derart an Werten verloren, sodass dieses fast krasse Gleichnis nötig war? Er stößt uns auf Sichtweisen, die manchem verborgen geblieben sind und hebt sich damit von der einfachen chronologischen Schilderung der Ereignisse ab. Leider verpaßt der Film die Fragestellung nach dem grundlegenden Sinn und Zweck der englischen Monarchie etwas. Die Fragestellung wird nur in der Mißgunst und der Unzufriedenheit des Volkes geschildert, das eine Stellungname und eine Referenz der Geschehnisse ihrer Monarchin in London vermißt. Den Sinn und Zweck muß die Monarchin heute wohl unmittelbar durch Budgetkürzungen selbst erfahren. Was hilft es, das man eine alte Frau schildern muß, die die Welt um sich herum nicht mehr versteht und die in eine Zwanglage gebracht wird. Kann eine solche Figur unsere Sympathie, als Sympathieträger und Protagonist gewinnen, eigentlich weniger. Sodass es dem Film auch hier etwas mangelt.

Wer nicht an der mediengerechten Aufarbeitung der damaligen Geschehnisse interessiert ist, sollte diesen Film auslassen. Der Film hält nicht ein Pladoyer für die Monarchie in unserer Zeit, er will einen Blickwinkel aufzeigen, der manchem Diana-Fan auch heute noch unangenehm ist und unverstanden bleibt. Der Film hält ein Plädoyer für einen Menschen der seinen Job lebenslang zur persönlichen Sache gemacht hat. Jedem Blockbuster verwöhnten Kinogänger wird dieser Streifen wohl so manches Gähnen herauslocken. Helen Mirren hat damals den Oskar für die beste Hauptrolle zu recht bekommen. Die neueren Produktionen zeigen, dass einem altgedientem Schauspieler mit dieser späten Würdigung eine neuerweckte, kleine US-Spätkarriere winkt.









Deutscher Titel: Die Queen
Originaltitel: The Queen
Produktionsland: UK, Frankreich und Italien
Erscheinungsjahr: 2006 Länge
(PAL-DVD): 97 Minuten Originalsprache: Englisch
Stab Regie: Stephen Frears Drehbuch: Peter Morgan Produktion: Andy Harries, Christine Langan und Scott Rudin Musik: Alexandre Desplat
Kamera: Affonso Beato
Darsteller:
? Helen Mirren: Königin Elizabeth II.
? Michael Sheen: Tony Blair
? James Cromwell: Prinz Philip
? Alex Jennings: Prinz Charles
? Helen McCrory: Cherie Blair
? Sylvia Syms: Königinmutter
? Roger Allam: Sir Robin Janvrin
? Tim McMullan: Stephen