I Am Legend
Science Fiction
USA 2007 - 100 Minuten

Fazit: Dramaturgisch und visuell atemberaubende Utopie, die ein überragender Will Smith durch seine intensive und jederzeit glaubwürdige Performance zum Leben erweckt.


Inhalt: 2012 - drei Jahre, nachdem ein vom Militär entwickeltes Virus fast die gesamte Weltbevölkerung ausgerottet hat, streift Robert Neville in immergleicher Routine durch das verlassene, von der Außenwelt abgeschnittene New York. Der mitverantwortliche Virologe ist ironischerweise immun gegen den Krankheitserreger, der den einmal Infizierten in eine aggressive, lichtempfindliche Kreatur mutieren lässt. Infolgedessen zieht sich Neville mit der treuen Schäferhündin Samantha bei Einbruch der Dunkelheit, ab der die Missgestalten die Straßen unsicher machen, stets in sein zur Festung umgebautes Zuhause zurück. Dort forscht er außerdem fieberhaft nach dem Heilmittel, das er an gelegentlich und trickreich gefangenen Nachtsuchern testet. Doch eines Tages gerät der etablierte Tagesablauf Nevilles aus der Bahn, als er in die vom überdurchschnittlich intelligenten Anführer der Mutanten gestellte Falle geht. Die Konsequenzen dieser Unachtsamkeit lösen eine Kettenreaktion voll Chaos aus, an deren Ende kaum noch Hoffnung auf Rettung besteht - bis unerwartet weitere Überlebende für eine Schicksalswendung sorgen…

Kritik: Das Kunststück, das zeitgenössische Eventmovies trotz inflationär eingesetzter Tricktechnik immer seltener schaffen, gelingt I AM LEGEND von der ersten Minute an: nämlich innovative und sensationelle Schauwerte zu präsentieren, die den Zuschauer sprachlos in den Bann ziehen. Den Ansichten menschenleerer Straßenschluchten, lediglich belebt durch wild wuchernde Vegetation und der Zoogefangenschaft entflohener Tierwelt, steht in der jüngeren SF-Filmgeschichte wenig Vergleichbares entgegen. Umso beeindruckender ist die Visualisierung der verlassenen und verwüsteten Weltmetropole, weil der überwiegende Teil des Publikums New York aus eigener Anschauung oder zumindest den Medien kennt und die Illusion daher kritisch auf jede Unglaubwürdigkeit abklopfen wird. Nur Erbsenzähler dürften bei diesem Versuch fündig werden, denn Regisseur Francis Lawrence, der mit CONSTANTINE bereits sein Gespür für ungewöhnliche, damals überwiegend computergenerierte Settings bewiesen hat, schuf die verblüffende, einer möglichen Realität so nah wie nie zuvor kommende Vision des Big Apple. Da der Zeitpunkt der Geschichte mit 2012 geschickt gewählt wurde, sind speziell am Set des Times Square genug Bezugspunkte zu unserer Gegenwart zu finden (und darüber hinaus für Genrefans vereinzelte Gags wie das fiktive Billboard, das den lang ersehnten “Superman vs. Batman” Film ankündigt).

Bekanntlich steht und fällt jedes noch so ausgefeilte Effektgeprotze mit den Darstellern, die dem Wahrscheinlichen Leben einhauchen sollen. Insbesondere, wenn der Großteil der Laufzeit solo bestritten werden muss. Und hier erweist sich die Wahl des durch MEN IN BLACK und I, ROBOT SF-erfahrenen Will Smith als absolut perfekt. Von Natur aus bereits mit unverschämt sympathischer Ausstrahlung gesegnet verleiht er dem tragischen Charakter Robert Neville in jeder Szene glaubhaft Seele, sei es in humvorvollen Situationen wie dem Flirt mit der Schaufensterpuppe, in der atemlosen Nägelkausequenz auf der Suche nach Vierbeiner Sam oder am Rande des Wahnsinns, als sich Neville in selbstmörderischer Manier den kannibalistischen Nachtsuchern entgegenstellt. Den unbestritten dramatischen Höhepunkt bildet jedoch der allein durch die Großaufnahme seines Gesichtes bebilderte Moment, in dem er einem liebgewonnenen Hauptprotagonisten Sterbehilfe leisten muss. Von hier an kippt auch die Stimmung nahezu komplett ins Ernste und Hoffnungslose, zielgerichtet auf den actionreichen, aber angesichts der zuvor gebotenen fulminanten Einfälle recht konventionellen Showdown.

Will man unbedingt Kritik üben, dann an der Umsetzung der infizierten und grotesk verwandelten Nachtsucher. Dass es sich um ehemalige Menschen handelt, kommt aufgrund der eindimensionalen Gestaltung als austauschbare, primitiv grunzende Zombiehorde leider kaum zur Geltung. Dafür sorgen die gesichtslosen Fleischfresser im an druckvoller Soundkulisse nicht gerade armen Streifen für zahlreiche Schockmomente, die zartbesaitete Gemüter die Kinosessellehne oder wahlweise den Arm des Partners einer Krallreflexprüfung unterziehen lassen. Dank Will Smith sowie aufgrund der visuellen Wucht fallen derartige Mängel oder das ziemlich unspektakuläre Ende wenig ins Gewicht. Als bislang beste Adaption der Novelle Richard Mathesons ist I AM LEGEND ein fester Platz in der kurzen Liste Maßstäbe setzender SF-Filme sicher.

SchlachtiJoe