Keinohrhasen
Komödie
D 2007 - 115 Minuten

Drehbuch: Til Schweiger, Anika Decker
Regisseur: Til Schweiger
Schauspieler: Til Schweiger (Ludo), Nora Tschirner (Anna), Matthias Schweighöfer (Moritz), Alwara Höfels (Miriam), Barbara Rudnik (Lilli), Rick Kavanian (Chefredakteur), Nina Proll (Daniela Berg), Armin Rohde (Bello), Christian Tramitz (der Typ), Sonsee Neu (Richterin), Wolfgang Stumph (Taxifahrer), Gastauftritte: Jürgen Vogel, Yvonne Catterfeld, Wladimir Klitschko, Barbara Schöneberger

Fazit: Hinreißend komische Liebeskomödie voll perfekt getimter Gags und dem Who-is-Who der deutschen Schauspielelite, in dem Allroundtalent Til Schweiger erneut sein sicheres Gespür für skurrile Geschichten beweist.

Inhalt: Klatschreporter und Womanizer Ludo wird nach empfindlicher Störung der Traumhochzeit von Yvonne Catterfeld und Wladimir Klitschko zu 300 Stunden Sozialarbeit in einem Kinderhort verurteilt. Dort steht er vom ersten Tag an in der Missgunst der verhuscht-schüchternen Anna, die zu allem Überfluss in Schulzeiten unter Ludos üblen Streichen leiden musste. Während ihr Liebesleben bereits vor Jahren den Verzweiflungstod gestorben ist, nimmt sie nun unfreiwilligerweise und voll unverhohlener Verachtung am promiskuitiven Treiben des Kindergärtners wider Willen teil. Doch mit der Zeit entwickelt Anna tatsächlich mehr als freundschaftliche Gefühle zum machohaften, aber nichtsdestotrotz irgendwie liebenswerten Sexprotz und Schöpfer des Keinohrhasen...

Kritik: Spätestens nach seiner dritten Regiearbeit dürfte selbst der letzte hartnäckige Kritiker zum Verstummen gebracht worden sein. Denn nur Steine oder Berufspessimisten können angesichts des abgebrannten Gagfeuerwerks nicht in bester Feelgoodstimmung das Kino verlassen. Besonders erfrischend fällt dabei auf, dass Til Schweiger diesmal weitestgehend auf allzu großes Schielen nach amerikanischen Vorbildern verzichtet hat. Waren in DER EISBÄR die Reverenzen an den seinerzeit hippen Tarantino oder in BARFUSS die ausgeklügelt stylische Sepia-Optik noch augenfällig, hat er - ausgenommen den geschmackssicher gewählten Soundtrack - ein rundum deutsches Werk abgeliefert. Nicht selbstverständlich für teutonische Komödien kommt KEINOHRHASEN darüber hinaus nahezu ohne tiefergelegte Entgleisungen aus. In Anbetracht des spritzigen Drehbuchs (wieder Schweiger) hat sicher keiner der in Erscheinung tretenden Prominenten lange die Zusage überlegen müssen.

Den Auftakt macht Jürgen Vogel, der allein schon durch das für ihn völlig ungewohnte Make-up und die untypische Gestik zu Lachanfällen hinreißt. In aberwitzigem Tempo veralbern Schweiger als Reporter und ein grandios aufgelegter Matthias Schweighöfer als schusseliger Fotograf die Welt der Stars und Sternchen, bis infolge des hart bestraften Übereifers DIE Neuentdeckung der nationalen Filmlandschaft die Leinwand für sich erobert: Nora Tschirner. Selten wenn gar niemals zuvor haben sich Vorurteile gegenüber MTV-Moderatorinnen, die es vor die Filmkamera drängt, schneller in Bewunderung verwandelt. Abgesehen von der aparten, natürlichen Ausstrahlung legt die hübsche Aktrice eine beeindruckende emotionale Bandbreite an den Tag, die sich von physisch gekonnten Slapstickeinlagen bis zu den leiseren Tönen im letzten Akt erstreckt. Trotz gegensätzlicher Charaktere stimmt die Chemie zwischen Til Schweiger, der das rollige Alphamännchen mittlerweile auf Autopilot spielen kann, und Nora Tschirner wie zu besten Screwball Comedy Zeiten. Eine Erwähnung wert ist - ohne die ausnahmslos hervorragenden Leistungen der zahllosen Nebenprotagonisten schmälern zu wollen - Alwara Höfels als Annas Mitbewohnerin Miriam. Die Theaterschauspielerin wünscht man sich aufgrund ihrer sympathischen Präsenz ebenfalls in Zukunft noch öfter im Kino zu sehen.

Selbst wenn das von Beginn an vorgelegte Tempo nicht über die gesamte Laufzeit durchgehalten werden kann, sorgen das großartige Ensemble und clevere Skript dafür, dass man sich die Zähmung des hormongesteuerten Ludo durch die oberflächlich so bieder erscheinende Anna gerne etwas länger angeschaut hätte. Und für all diejenigen, die den Witz noch nicht kennen, schließt Schweiger den Streifen mit der Visualisierung einer zotigen Stammtischgeschichte gutgelaunt und angenehm unkitschig ab. Zum Auftakt für 2008 bietet KEINOHRHASEN die perfekte Gelegenheit, Mann und Frau gleichermaßen ansprechend zu unterhalten, ohne dass man(n) sich zu einem Frauenversteherfilm überreden lassen müsste.

SchlachtiJoe