The Marine
Action
USA 2006 - 88 Minuten

Drehbuch: Michelle Gallagher, Alan B. McElroy
Regisseur: John Bonito
Schauspieler: John Cena (John Triton), Robert Patrick (Rome), Kelly Carlson (Kate Triton), Anthony Ray Parker (Morgan), Abigail Bianca (Angela), Jerome Ehlers (Van Buren), Damon Gibson (Vescera), Manu Bennett (Bennett), Drew Powell (Joe)

Fazit: Eine Zeitreise in die 80er, als Schwarzenegger, Lundgren & Co. ihre Blütezeit mit sinnfreien Spektakeln feierten. Hirn auf Autopilot schalten, Bierdose öffnen und einfach nur Spaß an bombastisch choreografierten Destruktionen haben.

Inhalt:
Ex-Marine John Triton, unterwegs mit bildschöner Gattin Kate, gerät an einer Tankstelle zufällig in das bleihaltige Scharmützel zwischen den Handlangern von Gangsterboss Rome und einer Polizeistreife. Als Frau und Van kurzerhand von den Schurken requiriert werden, lässt das wütende Muskelpaket bei der anschließenden Befreiungsaktion keinen Stein auf dem anderen.

Kritik:
An einen Streifen, der von der WWE World Wrestling Entertainment mit Starwrestler John Cena in der Hauptrolle produziert wurde, mit ernsthaftem kritischen Ansatz heranzugehen, verbietet sich schon aufgrund ebendieser Prämisse. Der überschaubare Plot, der jede Episode des A-Teams als cineastisch anspruchsvolle Kost erscheinen lässt, wird ebenfalls nie den Drehbuchoscar gewinnen. Spätestens mit dem Auftritt des immer wieder gerne gesehenen Robert Patrick (der unvergessene T-1000 in TERMINATOR 2, AKTE X), der sich als unverschämt spielfreudiger Scene-Stealer und memorabelster Charakter des Popcornmovies erweist, sollte auch der letzte DVD-Gucker kapiert haben, dass weder Regisseur noch Ensemble die Absicht hatten, einen todernsten Beitrag zur Actionhistorie abzuliefern. Wann klingelte jemals zuvor in einem ähnlichen Genrevertreter, mitten auf der Flucht vor dem Polizeihubschrauber, das Handy des Bösewichts und diesem fällt auf die Ankündigung, dass jetzt sein Kabelanschluss freigeschaltet sei, nur die Frage ein “Und beinhaltet das auch alle Premiumkanäle und das Sportpaket?“ Selbstironie ist durchgehend an der Tagesordnung, exemplarisch in der Szene, als einer der Halunken angesichts des unkaputtbaren Verfolgers trocken bemerkt “Der Kerl ist wie der Terminator!“, quittiert von einem vielsagenden Blick Robert Patricks alias Rome in den Rückspiegel und begleitet von sekundenkurzer musikalischer Reverenz an TERMINATOR 2. Wenig später, als die Verfolgungsjagd im Sumpf ihre Fortsetzung findet, wird gar das bekannte Banjo-Thema aus BEIM STERBEN IST JEDER DER ERSTE zitiert. Der übrige Score unterlegt den visuellen Krawall mit spielerischem Bombast, bis hin zu Hans Zimmer gleichendem Schwulst (köstlich bei der Entlassung Tritons aus dem Corps und seinem vorwurfsvollen, von traurigen Trompeten flankierten “Colonel, ich bin Marine!“).

Neben diesen launigen Geistesblitzen wird von der ersten Minute an brachiale Action geboten. Noch vor zehn Jahren hätte dieser Film in Anbetracht der exzessiven Shootouts mit hohem Bodycount und der krachbrutalen Fights eine 18er Freigabe erhalten. Glücklicherweise ist der Freiwilligen Selbstkontrolle die gewollte Komik diesmal nicht entgangen. Seit EXPLOSIV konnte man außerdem nicht mehr in derartiger Zahl und Größenordnung Kraftfahrzeuge, Gebäude, Hütten in unglaublich übertriebenen Feuerbällen aufgehen sehen. Die im kurzweiligen Bonusmaterial der DVD geäußerte Absicht der Macher “Was wir bauen fliegt auch in die Luft!“ oder “Hütten explodieren so heftig, dass Vögel in 15km Entfernung taub werden!“ wurde eindrucksvoll wortwörtlich umgesetzt. Ein weiteres Highlight ist die Autoverfolgungssequenz, in der anschaulich demonstriert wird, aus wievielen Teilen ein Polizeiwagen besteht. Die Regie des Neulings John Bonito ist von Anfang an überdurchschnittlich professionell und - unterstützt vom hervorragenden Schnitt - äußerst dynamisch. Will man unbedingt meckern, so könnte man den inflationären Gebrauch schicker Slow Motion anführen, die jede Actionszene ins Unendliche dehnt, ohne die allerdings kaum eine Laufzeit von 60 Minuten überschritten worden wäre. Selbstverständlich ist der Spannungsaufbau lächerlich und die nächste Storywendung so vorhersehbar wie der nächste Gesichtsausdruck des Hauptdarstellers, der die mimische Ausdruckskraft von Jim Knopf aus der Augsburger Puppenkiste an den Tag legt. Aber wer hätte deswegen vor 20 Jahren Stallone oder Arnie kritisiert?

So bleibt unterm Strich ein good old-fashioned Action-Kracher im Stil von ACTION JACKSON oder PHANTOM KOMMANDO in von Blau und Rot dominierter Hochglanzoptik auf bild- und tontechnisch einwandfreier DVD. Für die überwiegend männliche Zielgruppe gibt es ausreichend Schauwerte in Form PS-strotzender Vehikel und kurviger Schönheiten wie der niedlichen Kelly Carlson (Kimber aus NIP/TUCK), die sich darüber hinaus einen netten Catfight mit ihrer nicht minder leckeren Gegenspielerin Abigail Bianca liefern darf. Feingeister sind gewarnt und damit vergebe ich abschließend mit einem Augenzwinkern die volle Punktzahl allein für den hohen Fun-Faktor.

SchlachtiJoe