88 Minutes
Thriller
USA 2007 - 107 Minuten

Drehbuch: Gary Scott Thompson
Regisseur: Jon Avnet
Schauspieler: Al Pacino (Jack Gramm), Alicia Witt (Kim Cummings), Amy Brenneman (Shelly Barnes), William Forsythe (Frank Parks), Leelee Sobieski (Lauren Douglas), Benjamin McKenzie (Mike Stemp), Neal McDonough (Jon Forster), Stephen Moyer (Guy LaForge), Tammy Hui (Janie Kay), Deborah Kara Unger (Carol)

Fazit:
Nach starkem Auftakt schwächelnder, für Genrekenner zu vorhersehbarer Serienkiller-Thriller in Echtzeit - mit Al Pacino auf Autopilot.

Inhalt:
Nach neun Jahren holt den forensischen Psychiater Dr. Jack Gramm die Vergangenheit ein, als erneut ein bestialischer Mord nach gleichem Schema des Schlitzers verübt wird, der von Gramm damals zur Strecke gebracht wurde und zufälligerweise in den nächsten Tagen exekutiert werden soll. Zu allem Überfluss erhält Gramm einen anonymen Anruf, in dem ihm sein eigener Tod in 88 Minuten angekündigt wird. Gemeinsam mit Studentin Kim nimmt er den aussichtslos scheinenden Kampf gegen die Zeit auf, um weitere Morde wie auch seinen eigenen Tod zu verhindern.

Kritik:
Bevor das Konzept der TV-Serie 24 mit weltweitem Erfolg angenommen wurde, gab es nur wenige Beispiele in der Filmhistorie, bei denen die Handlung in Echtzeit erzählt wurde. Ein früher Vertreter war Meister Alfred Hitchcocks COCKTAIL FÜR EINE LEICHE. Überhaupt eignet sich das auf spektakuläre Dramatik angewiesene Thrillergenre bei weitem am besten für derartige Experimente. So geschehen ebenso im unter Wert verkauften Johnny Depp Vehikel GEGEN DIE ZEIT und im brillanten D.O.A. - BEI ANKUNFT MORD (wobei hier ein Tag nicht minutiös abgearbeitet, sondern zeitlich gerafft wird). Mit letztgenanntem Film, in dem Dennis Quaid als Uniprofessor vergiftet wird und nur noch 24 Stunden Zeit hat, seinen Mörder zu finden, kann 88 MINUTES durchaus verglichen werden.

Weshalb ein Streifen mit Kassenmagnet Al Pacino in der Hauptrolle vor Veröffentlichung im Herstellungsland im deutschen Sprachraum Premiere auf DVD feiert, wird mit Beginn des Abspanns - so wohlwollend der geneigte Rezensent gern urteilen würde - leider verständlich. Sowohl Regisseur Jon Avnet (GRÜNE TOMATEN, RED CORNER) als auch Al Pacino haben bereits deutlich ansprechendere Leistungen abgeliefert. Damit soll die Mitwirkung beider an diesem routinierten, in mancher Hinsicht jedoch uneinheitlichen Werk nicht vollends heruntergeredet werden. Beginn und erstes Drittel sind durchaus fesselnd und insbesondere in der Sequenz des nächtlichen Überfalls schweißtreibend inszeniert und wecken sofort das Interesse des Zuschauers. Al Pacino wirkt beim ersten Auftritt wie die ungleich verkatertere Version seines Ermittlers Will Dormer aus INSOMNIA und im direkten Vergleich zur solariumsgebräunten Darbietung in OCEAN’S 13 sichtlich gealtert. Gewohnt kraftvolle Performance und müdes, uninspiriertes Agieren halten sich über die gesamte Laufzeit die Waage. Ursache dürfte das im Ansatz zwar clever, in letzter Konsequenz allerdings überkonstruierte Drehbuch sein, das ein ums andere Mal logische Haken schlägt. Eine Erklärung für die zeitliche Begrenzung auf 88 Minuten wird zwar geliefert, die Bedrohung selbst verkommt letztendlich zum belanglosen Effekt, da Gramm (Pacino) keine sichtbare Verunsicherung über das Wie und Warum des angekündigten gewaltsamen Ablebens zeigt. Die Auflösung der Handlungsstränge Serienkiller und Attentäter kommt für den geübten Vielseher schließlich einigermaßen überraschungsfrei und beinahe effektheischerisch in Szene gesetzt.

Mit einigen wohlwollenden Abstrichen und als mit A-List besetztes B-Movie betrachtet weiß 88 MINUTES eingefleischte Fans des sogar in mittelmäßiger Tagesform immer noch überragenden Pacino solide zu unterhalten. Weniger tolerante Konsumenten greifen besser zu COPYKILL oder D.O.A. - BEI ANKUNFT MORD.

SchlachtiJoe