Mitten ins Herz - Ein Song für Dich
Komödie
USA 2007 - 100 Minuten

Drehbuch: Marc Lawrence
Regisseur: Marc Lawrence
Schauspieler: Hugh Grant (Alex Fletcher), Drew Barrymore (Sophie Fisher), Brad Garrett (Chris Riley), Kristen Johnston (Rhonda Fisher), Haley Bennett (Cora Corman), Scott Porter (Colin Thompson), Zak Orth (David Newbert), Brooke Tansley (Janice Stern), Jason Antoon (Greg Antonsky), Campbell Scott (Sloan Cates)

Fazit: Liebevolle, humorige und durchweg sympathische Karikatur der Stilverbrechen der 80er und gekonnte Satire auf die Musikindustrie.

Inhalt:
Die glanzvollen Zeiten, als Alex Fletcher Teeniescharen mit einem simplen Hüftschwung in Kreisch- und Ohnmachtsanfälle ausbrechen lassen konnte, sind lange vorbei. Daher bedarf es keiner langen Überredungskünste seitens seines Agenten, für das erfolgsverwöhnte Popsternchen Cora einen Song zu schreiben. Fällt Alex das Komponieren leicht, ist er beim Texten für jede Hilfestellung dankbar - selbst wenn diese von seiner Pflanzenpflegerin kommt. Das Talent der überdrehten, aber reizenden Sophie nutzend, entwickelt sich aus der anfänglich geschäftlichen Partnerschaft allmählich eine zarte Liebesbeziehung.

Kritik:
Hugh Grant mit wechselnder Partnerin an der Seite in romantischer Komödie - ist dieses Erfolgsrezept nicht allmählich ausgereizt und langweilig? Wenn es so erfrischend verpackt wie in MUSIC & LYRICS (so der unaufdringlichere Originaltitel) daherkommt, ist diese Frage mit Ausrufezeichen zu verneinen. Selbstverständlich ist der Handlungsverlauf frei von überraschenden Wendungen, und dass sich Alex (Grant) und Sophie (Barrymore) am Ende kriegen, weiß sogar der größte Kinolaie bei ihrer ersten Begegnung. Was spricht also dafür, sich diesen liebenswerten Streifen - vorausgesetzt, man hat wenigstens einen Funken Sinn für Romantik - anzusehen, am besten in Gesellschaft der/des Liebsten?

Bereits das unter die Anfangscredits gelegte Musikvideo der fiktiven Boyband POP! versetzt den Zuschauer in ausgelassene Feelgood-Stimmung. Bis ins letzte Detail perfekt - sei es Styling der Frisuren und Klamotten (Glitzerfummel und ausgepolsterte Schultern) oder Overacting der talentfrei schauspielernden Bandmitglieder - werden die aus heutiger Sicht unsäglichen Kurzfilme à la DURAN DURAN, A FLOCK OF SEAGULLS oder WHAM, die am ehesten für POP! Pate gestanden haben dürften, auf die Schippe genommen. Ohne jeden Zweifel könnte der dargebotene, unverschämt eingängige Song “Pop goes my heart“ der wenig geschmackssicheren Ära der 80er entstammen. Überhaupt ist der gesamte Soundtrack eines großen Lobes würdig. Auch der unverblümt Britney Spears nachempfundenen Trällerpüppi Cora - verblüffend authentisch und jugendfrei sexy in ihrer ersten Filmrolle: Haley Bennett - wurden dicht am Original Plastikpopsongs mit Wiedererkennungswert auf den leicht bekleideten Leib geschrieben. Köstlich die Veralberung der mittlerweile nervend und inflationär gebrauchten Ethnoeinflüsse, die die esoterisch angehauchte Popprinzessin gar der von Alex und Sophie verfassten Ballade angedeihen lassen will. Das eigens für den Film produzierte Duett “Way back into love“, von Grant und Barrymore höchstselbst leidenschaftlich interpretiert, entpuppt sich als gleichermaßen kitschiges wie wundervolles Songjuwel.

Noch ein paar Worte zu den Darstellern: Hugh Grant mag man entweder lieben oder auf ewig wegen seines jungenhaften, schüchtern-anzüglichen Charmes hassen. Dennoch muss man neidlos anerkennen, dass er in der konkurrenzlos von ihm besetzten Nische des englischen Gigolos immer wieder mit neuen Nuancen zu überzeugen weiß. Abgesehen von den gewohnt trockenen One-Linern überträgt sich der Heidenspaß, den ihm die Parodie des alternden Popstars bereitet haben muss, auf das Publikum. Zwar bekam man seinen putzigen Hüftschwung zuvor in TATSÄCHLICH…LIEBE kurz zu Gesicht, im Kontext mit den albernen 80er Jahre Outfits und den haarsträubend simplen Choreografien überzeugt dieses physische Comedy-Element dagegen noch viel mehr.
Ebenso wie Grant hat Drew Barrymore durch ihre Rollenauswahl das eigene Profil der schrägen, leicht verhuschten, aber unglaublich süßen Liebesuchenden kultiviert. Dies wird ihr zwar kaum den Oscar einbringen, schmälert jedoch nie das Vergnügen, ihre rührend hoffnungsvolle Partnersuche zu verfolgen. Auf jeden Fall muss selbst der voreingenommenste Skeptiker zugeben, dass die Chemie zwischen ihr und dem 15 Jahre älteren Grant uneingeschränkt stimmt.
Mindestens eine Erwähnung wert sind schließlich Vollweib Kristen Johnston (HINTERM MOND GLEICH LINKS) als Sophies patente Schwester und Hüne Brad Garrett (ALLE LIEBEN RAYMOND) als Alex’ gutmütiger Agent. Beiden TV-Stars sollte der Sprung auf die Leinwand spätestens jetzt gelungen sein.

Wem bei ABOUT A BOY oder BRIDGET JONES das Herz aufging und wer obendrein ein Kind der nun verlachten, aber irgendwie doch nostalgisch verklärbaren 80er ist, darf unbesorgt einen Blick auf diesen harmlosen, blendend unterhaltenden Spaß riskieren.

SchlachtiJoe