Todeszug nach Yuma
Western
USA 2007 - 123 Minuten

Drehbuch: Halsted Welles, Michael Brandt, Derek Haas
Regisseur: James Mangold
Schauspieler: Christian Bale (Dan Evans), Russell Crowe (Ben Wade), Ben Foster (Charlie Prince), Peter Fonda (Byron McElroy), Logan Lerman (William Evans), Gretchen Mol (Alice Evans), Luce Rains (Marshal Weathers), Dallas Roberts (Grayson Butterfield), Chris Browning (Crawley), Chad Brummett (Kane), Kevin Durand (Tucker), Shawn Howell (Jackson), Lennie Loftin (Hollander)

Fazit: Trotz Logikbrüchen und Drehbuchschwächen - Dank Bales und Crowes mitreißender Portraitierung der gegensätzlichen Charaktere überwiegend gelungener Genrevertreter.

Inhalt:
Farmer Dan Evans wird mit seinen Söhnen Zeuge des Überfalls auf eine Kutsche voller Lohngelder. Nur wenig später ist er bei der Festnahme des verantwortlichen Bandenführers Ben Wade behilflich. Angesichts der gebotenen Entlohnung, die der hochverschuldete und kriegsversehrte Evans gut gebrauchen kann, erklärt er sich bereit, den Gesetzlosen unter schwerer Bewachung nach Contention zu geleiten. Von dort soll Wade mit dem Zug ins Gefängnis nach Yuma überführt werden. Doch Wades Handlanger unter Führung des brutalen Charlie Prince lassen nichts unversucht, um ihren Boss aus den Händen der Eskorte Rechtschaffener zu befreien.

Kritik:
Das Remake des 1957er Klassikers mit dem martialischen deutschen Titel ZÄHL BIS DREI UND BETE (mit Glenn Ford und Van Heflin in den Bale/Crowe Rollen) enthält alle Zutaten eines guten Westerns: harte Männer mit schweren, locker sitzenden Colts, Staub und Raub, den unvermeidlichen, bleihaltigen Showdown und dies alles unterlegt mit dem passenden, an den richtigen Stellen dramatisch anschwellenden Soundtrack, geliefert vom gewohnt verlässlichen Marco Beltrami (I ROBOT, STIRB LANGSAM 4.0). Allerdings lässt die Wahl des Regisseurs James Mangold (COP LAND, WALK THE LINE) bereits erahnen, dass hier nicht nur die erwarteten Genreklischees minutiös abgearbeitet werden, sondern echtes Schauspielerkino geboten wird. Und so konzentriert sich die ausgefeilte Charakterisierung auf die oberflächlich betrachtet in Gut und Böse kategorisierbaren Hauptprotagonisten Dan Evans und Ben Wade, leidenschaftlich und engagiert verkörpert von der Traumpaarung Christian Bale (bis dato mit makelloser Filmbiographie) und Russell Crowe. Letzterer hat eindeutig die dankbarere Rolle, in der er genüsslich und in sichtbarer Spiellaune dem ungezogenen Affen Zucker gibt und die Sympathien des Publikums mehr als einmal auf seine Seite zieht. Dennoch verleiht Bale dem gebrochenen, mittellosen Farmer faszinierend anzuschauende, abgründige Nuancen im verzweifelten Bemühen, vor seinem älteren Sohn nicht länger als Versager dazustehen. Komplettiert wird das herausragende Darstellertrio von Newcomer Ben Foster (HOSTAGE, X-MEN 3), der mit jedem Auftritt des psychotischen Charlie Prince zunehmendes Unbehagen im Zuschauer zu erzeugen vermag.

Fügen sich Besetzung, Ausstattung und versierte Kameraarbeit zum stimmigen Ganzen zusammen, muss als einzige bzw. größte Schwachstelle das Drehbuch kritisiert werden. Selbst als wohlwollendster und oft die abstrusesten Storykapriolen klaglos abnickender Filmkonsument kann man nicht die zahlreichen, sich vor allem im so ambitioniert herausgearbeiteten Showdown häufenden Logikfehler und ärgerlichen Handlungswendungen tolerieren. Beispielhaft genannt seien das ein ums andere Mal zu leicht gemachte Entkommen des offenkundig brandgefährlichen Banditen und vor allem die zu unplausibel gelassene Läuterung Wades sowie die daraus resultierende haarsträubende Aktion während der Jagd auf den titelgebenden 3:10 Uhr Zug nach Yuma.

Allein aus diesen Gründen fällt es nicht leicht, eine Empfehlung für den Kinobesuch des im Grunde absolut sehenswerten Streifens auszusprechen. Wer die Qualität eines Films hauptsächlich nach dem Ende beurteilt, könnte herbe enttäuscht werden. Ebenso sollten sich Actionhungrige nicht auf pausenloses Bleigewitter oder ähnliche Westernkonventionen verlassen. Wer jedoch hochkarätige Darstellerleistungen seiner favorisierten Stars Bale und Crowe genießen möchte und die nicht zu unterschätzenden Abstriche gerne in Kauf nimmt, der sollte bedenkenlos einen Blick auf diesen im besten Sinne guten, altmodischen Wild West Schinken riskieren.

SchlachtiJoe