Transformers
Oder: warum hat Steven Spielberg soviel von E.T. und Jurassic Park in diesen Film eingebracht

Eins fügt sich zu dem Anderen. Es klappert die Kasse am rauschenden Bach. Der Ursprung der meisten US-Produktionen liegt im Wunsch und Streben nach noch mehr Geld. Ich erspare mir im Folgenden dem Leser die Handlung des Films Transformers zu erzählen, da die meisten Leser hier ohnehin Cineasten sind oder Kinointeressierte. Ich gehe davon aus, dass der Leser sich so manchen Film ansieht, so wohl auch Transformers.
Eigentlich erklärt das Motto von Dreamworks Pictures schon viel: „we love to entertain you“. Und das tut dieser Film auch voll und ganz und will irgendwo auch nicht mehr. Abgesehen von einem Handlungsstrang der etwas einfach aufgebaut ist, sind die spezial effects mal wieder vom Feinsten. Ich gebe reumütig zu, während des Film wurden von mir 2 halbe Bier heruntergespült und der Alkohol tat sein übriges. Insofern man hier in Deutschland von Alkohol spricht, wenn man diese Größen-ordnungen Bier angibt. Angeberei sollte es aber nicht sein. Und auch keine Ermunterung zur Nachahmung.
Viel direkten Einfluss hatte Spielberg (Sp.) wohl nicht, man kann aber davon außgehen, dass alle wichtigen Leute der Crew von ihm ausgewählt wurden oder von Leuten ausgewählt wurden die ihrerseits wissen, wer im Hintergrund steht und das Geld gibt. Hört man doch von Sp. selbst wie restriktiv er eine Filmcrew auswählt, die seine Filmsprache in die Produktion einbringen soll. Von Sp. wurden mehrere Filmcrews auf ein Probethema angesetzt, das wurde dann von den Kandidaten unabhängig umgesetzt und produziert. Die Ergebnise wurde von Sp. dann begutachtet und die erwünschte Manschaft dann gekührt. Was mit den übrigen Leuten geschah kann ich mir eigentlich nur ausdenken, diese mußten sich wohl dann nach anderen Jobs umsehen. Das ist in der Kinoindustrie gar nicht so einzigartig, hört man doch, dass die Aufenthaltswahrscheinlichkeit eines Mitarbeiters an einer Produktionsfirma bei ca. 2-3 Jahren liegt.
Rufen wir uns die Megaerfolge der vergangenen Jahrzehnte ins Gedächtnis zurück, z.B. die Umsatzbombe Jurassic-Park, der liebenswerte E.T. der frühen Jahre. Warum nun gerade diese beiden Filme aus der Produktionsliste oder Regieliste von Sp. auswählen? Zum Einen wird der Zuschauer während des Films wörtlich auf E.T. verwiesen, indem E.T. zweifach wörtlich von den Gestalten erwähnt wird. Zum Anderen ist es der Größerunterschied der Transformergestalten zum Menschen, die eine Idee und Erinnnerung an Jurasic Park aufkommen lassen. Welcher Film lebt denn noch von den special effects und stellt Mensch und große Special-Effect-Wesen so direkt nebeneinander dar? Wenn nur Filme von Sp. betrachtet werden.
Letztlich kommen wir auf die grundsätzliche Filmsprache Sp.-s, die davon geprägt ist, den Betrachter in Erstaunen zu versetzen. Von nichts anderem lebt Jurassic Park, als von der Tatsache und der Novität, dass die dort dargestellten Riesenwesen niemals zuvor so perfekt gezeigt und zum entsprechenden Augenschmaus inszeniert wurden. Warum nicht auf alte Erfolge zurückgreifen, warum nicht noch einmal die Idee von fremden, exotischen Wesen aufleben lassen, die auf unsere Erde kommen und sich mit den Menschen abmühen.
Leider sind in Transformers der tollen Effekte einige sehr viele enthalten, sodass der Film mit Hilfe der Transformergestalten, ihren Aktionen und farbenprächtigen Kämpfen, ihren menschlichen Bewegungsmustern und dem martialischen Showdown, der Film hilfreich seinen Spannungsaufbau erfährt. Wer solche Fargen stellt wie: wo haben die Transformers ihre menschlichen Bewegungmuster und Gesichtsmimik eigentlich her? Sind sie doch auf die Erde gekommen und wurden dann aus irgendwelchen Fahrzeugen zu außerirdischen Robotern transformiert; nötig wäre es also nicht, wenn man ihre Herkunft betrachtet, dass sie doch so urmenschlich in ihren Wesenszügen sind. Von einem Pißangriff mit denen ein Mensch im Film bedacht wird, mal abgesehen. Oder war es einfach Motoröl, dass ein Transformers aus seinem geöffneten Hosenstall herausstrullte? Geben wir doch einfach die treffenste Antwort: wer solche Fragen stellen möchte, oder wer damit ein Problem hat, sollte eigentlich keine Phantasiefilme ansehen, wer Realismus sucht, der kann ihn woanders suchen und nicht in der glorreichen Unterhaltung. We love to entertain you. Buisness as usual, Mister Sp. .
Neu ist die Idee nicht, existiert die Story und Grundidee doch schon minsdestens seit Anfang der 80-iger Jahre. Damals fanden die Transformers als Trickfilm Verbreitung und waren unter Kindern einigermaßen beliebt. Auch wurde schon damals das Geschäft durch Crosselling erweitert, in dem die Transformer-Roboter als bewegliche Platikfiguren im Spielwarenhandel erhältlich waren. So auch in unseren Tagen! Wer ein absoluter Fan ist, der kann sich im Spielwarenhandel die Transformer-Roboter holen, mit einer Größe von ca. 20 bis 30 cm je Figur. Wer möchte, kann seinen Kids auch die Transformermaske mit nach Hause bringen, damit das leidige Quengeln der Kinder ein Ende hat, wenn daddy nach Hause kommt. Wurde in den vergangenen 10 Jahren der Begriff Blockbuster erweitert? Richtig, er wurde. Eine Blockbusterproduktion wird heute nicht nur in Hinblick auf die Kinokasse entworfen, so besteht doch die Möglichkeit ein zusätzliches Geschäft abzuschöpfen. Kinderspielzeug, T-Shirts, Trinkgefäße, Gegenstände für das Reenactment der Filme und sonstige Kleinigkeiten die unser Leben ausschmücken, werden mit dem Anlaufen eines Film parallel angeboten. Leider muß man der humanistischen Filmsprache Spielberg hier eine Rüge erteilen. Die Illusion ist so perfekt, sodaß für die eigenen Gedanken, die eigene Phantasie nicht viel übrigbleibt. Dann kann man sich selbst fragen, wie humanistisch Spielberg selbst ist, wenn Dreamworkspielzeug den Kinder wohl kaum Kreativität und Phantasie im Kinderspiel läßt, da die Figuren perfekt den Gestalten in der virtuellen Kinowelt nachempfunden sind. Letztlich setzt der Film Transformers auf eine Welle auf, die schon seit langem rollt, denn das Transformerspielzeug gibt es in den USA und Japan schon seit langem. Wahrscheinlich möchte man im Abendkino so manchem heute erwachsenen, ehemaligen Transformerbesitzer eine Erinnerung an die schöne Zeit des Kinderspiels geben.
Zwar hält Sp. seine Produktionsfirma zu abwechselnden Produktionen an, so wechseln sich Filme mit fast reinem Unterhaltungwert mit ernsthaften Themen der Geschichte ab (Die Farbe Lila, Das Reich der Sonne, Schindlers Liste oder München). Man muß jedoch erwähnen, dass die meisten Dreamworks-Produktionen ihren Ursprung in den tollen Bildern und in der Unterhaltung haben. Der Film Transformers spricht das Kind im Erwachsenen an und führt uns an der Nase herum, da wir Menschen dazu neigen in unseren persönlichen Gegenständen einen Teil von uns selbst zu erblicken. So mit dem Gegenstand, der in unserem Land einer der wenigen ist, mit dem wir unsere Selbstidentifikation in die Öffentlichkeit tragen können und mit dem wir beschränkte Freiheit ausleben können: mit dem Automobil! In den USA wird es wohl nicht anders sein, als bei uns, dort wird wohl auch der Stellenwert von so manchem jungen Mann mit seinem Auto steigen oder fallen. Dort wird wohl auch Persönlichkeitsausdruck und Individualität der jungen Leute mit dem veränderten Auto auf die Strasse getragen und dient im fortgeschrittenen Alter dann als Statusanzeige. Zwar transformieren im Film gelegentlich auch andere Gegenstände zu Robotern, so zum Beispiel ein Gettoblaster (verzeihen sie mir die abwertende Bezeichnung), ein Getränkeautomat aber natürlich auch, das heute ungemein wichtige Handy. Sind es nicht Gegenstände wie das Auto und das Handy, von denen unser Leben in der Öffentlichkeit verändert wurde und heute das Leben tatsächlich prägen. Leider bringt das bloße Unterhaltungskino etwas mit sich, das Zeitgeist ist, nämlich: die Entwertung der Werte in allen unseren Lebensbereichen. Solche Filme wie Transformers und deren Produzenten kennen keine Verantwortung für tiefgreifende, schleichende Veränderungen unseres Lebens. Vermutlich weil deren Produzenten und Regieseure, wie jeder unserer Mitmenschen, im Mainstream der Entwertung der Werte implantiert sind und daher, wie die meisten Menschen, das nicht mehr merken was sie tun, ja dieser Entwicklung noch katalytisch behilflich sind.

Der Film führt uns ungewollt vor, dass wir wahrscheinlich in einem Auto mehr menschlichkeit erkennen, als in den Menschen, von denen wir umgeben sind. Der Gegenstand ist wichtig, nicht mehr der Schauspieler selbst. Darüber tröstet die Familienidylle etwas hinweg, aus der der Protagonist stammt. Es wird ganz Sp.-typisch die Konfrontation eines US-amerikanischen Durchschnittstypen mit einer außergewöhnlichen Lebenssituation abgearbeitet und in eine Filmdramaturgie untergebracht. Wen spricht es nicht an, dass der Protagonist ein Außenseiter ist und ein holdes, sexy Mädchen gewinnt und mit Hilfe der Transformergestalten die holde Maid am Ausgang des Films für sich gewinnt. Dass sein erstes Auto ihm dabei mehr als behilflich ist, wundert fast niemanden; erweist sich das erste Auto als Beschützer und verkapter Autobot-Transformergefährte.

Ob nun Autobot oder Decepticons, ob nun Optimus Prime oder Cybertron, wir mögen sie, die filigranen, komplex aufgebauten Transformergestalten und finden in jedem von ihnen etwas von Helden- und Schurkentypen wieder, die uns schon so viele Jahre im Kino begegnen.

Der vielen düsteren Worte genug. Der Film erfüllt seinen Zweck, er unterhält und ist nach Jurassic-Park-Manier sehenswert, man kommt doch wieder ins Staunen, was man heute auf der Leinwand zeigen kann. Ganz nach Spielbergs Filmsprache; sehe und staune.