The Descent - Abgrund des Grauens
(The Descent, 2005)
Dt.Start: 10. November 2005
Premiere: 06. Juli 2005 (UK)
FSK: ab 18
Genre: Horror
Länge: 100 min
Land: UK

Darsteller: MyAnna Buring (Sam), Natalie Jackson Mendoza (Juno), Molly Kayll (Jessica), Shauna Macdonald (Sarah), Oliver Milburn (Paul), Saskia Mulder (Rebecca), Nora-Jane Noone (Holly), Alex Reid (Beth), Craig Conway, Stephen Lamb, Leslie Simpson, Mark Smith
Regie: Neil Marshall
Drehbuch: Neil Marshall

Inhalt:
Sechs Frauen machen sich auf den Weg, um zusammen eine Höhlentour zu unternehmen. Hauptsächlich um Ihre Freundschaft neu aufleben zu lassen, und um vereinzelte Unstimmigkeiten innerhalb der Gruppe aus dem Weg zu räumen. Bald jedoch wird diese Höhlentour zum Höllentrip, als kurz nach dem Einstieg der Eingang zusammenbricht und eine Rückkehr ans Tageslicht auf diesem Weg unmöglich wird. Als wäre es nicht genug, dass nun ein neuer Ausgang gesucht werden muss, trifft die Gruppe im tiefsten Inneren dieses Gesteins auf eine Gemeinschaft blutrünstiger Kreaturen. Die Jagd wird eröffnet und für unsere Heldinnen beginnt ein fast aussichtsloser Kampf ums Überleben.

Kritik:
Diesen Film kann man guten Gewissens in einem Atemzug mit SAW und Haute Tension (High Tension) nennen, denn auch hier haben wir es mit einem gradlinigen, spannenden und exzellent gefilmten Schocker zu tun, der sicherlich nicht jedermanns Sache ist. Zwar ist die Story in zwei Sätzen erzählt, doch bietet der Film dennoch viele kleine Überraschungen und eine unerwartete Tiefe, dass man darüber locker hinweg sehen kann. Ein aussergewöhnlicher Schauplatz (welcher sich in letzter Zeit mit Filmen wie diesem und The Cave grösserer Beliebtheit erfreut), eine extrem klaustrophobische Atmosphäre und innovative Monster, die einem einen eiskalten Schauer über den Rücken jagen, machen diesen Film zu einer erfreulich-unangenehmen Erfahrung.

Der Film beginnt mit einer kurzen Einführung der sechs Freundinnen, welche Augenscheinlich Fans von Extremsportarten sind. Anführerin in diesen Dingen ist Juno (Natalie Jackson Mendoza), welche ein gespanntes Verhältnis zu Sam (MyAnna Buring) zu haben scheint. Diese Zerrissenheit erhärtet sich nach einem tragischen Unfall und erst ein Jahr später treffen sich wieder alle Frauen, um der Freundschaft bei einer Höhlenwanderung auf die Sprünge zu helfen. Schon bald kann man als Zuschauer den Blick nicht mehr von der Leinwand abwenden, wenn eine Freundin nach der Anderen durch sehr Enge Spalten und Gänge kriecht, um immer weiter in die Höhle vorzudringen. Es wird hervorragend mit der Perspektive und den Lichtverhältnissen gespielt, so dass einen auch im Kinosessel ein starkes Gefühl von Platzangst überkommt. Kaum in der ersten wirklichen Höhle angelangt passiert eines jeden Höhlenforschers Albtraum: der Eingang bricht ein und an einen Rückzug ist nicht mehr zu denken. Nun muss ein anderer Ausgang gefunden werden und sofort beginnt die Gruppe Ihre eigene Dynamik zu entwickeln, was eine Zusammenarbeit bald zum Kampf werden lässt. Dank einer gefundenen Zeichnung, welche 2 Eingänge zur Höhle aufweist, steigt der Mut der Gruppe wieder an, doch leider bringt auch das bald nichts mehr:
perfekt an die Gegebenheiten angepasste Monster greifen ohne jegliche Vorwarnung an, womit die zweite Hälfte des bis dahin eher psychisch spannenden Thrillers eingeläutet wird. Von nun an ist der Film nichts mehr für Leute, die kein Blut sehen können, denn es geht hier richtig zur Sache!

Regisseur Neil Marshall (Dog Soldiers) setzt hier seinem Erstlingswerk in Punkto Gore noch einen drauf und reüssiert dabei auf nahezu perfekte Art und Weise. Immer wieder gibt es vereinzelte, gut platzierte Schockmomente, welche Ihre Wirkung nicht verfehlen. Hier fliesst das Blut gleich literweise, ohne das es jemals in Kitsch abzurutschen droht und man sich gleich mehrfach richtig schön ekeln kann. Dass für die Monster richtige Schauspieler engagiert wurden, trägt auch sehr stark dazu bei dass man sich nicht vorstellen möchte anstelle der Freundinnen in diese Situation zu geraten:
Sie liefern eine grandiose Darbietung ab. Hinzu kommt die psychische Entwicklung der einzelnen Figuren - allen voran diejenigen von Sam und Juno - und am Ende wird einem klar, dass man nicht nur eine Reise in den Abgrund einer Höhle, sondern auch eine Reise in den Abgrund der menschlichen Psyche erlebt hat. Zwar gibt es vereinzelt immer noch Sachen, die man etwas besser hätte machen können, so wirken einzelne Dialogzeilen etwas deplaziert oder hölzern, und hin und wieder gibt es eine kleine Länge im Erzählfluss. Da dies aber nie lange anhält, kann es auch das hohe Niveau des Filmes nicht herunterziehen und muss somit gar nicht detailliert erwähnt werden.

Nur selten bekommt man einen Horror-Thriller vorgesetzt, welcher diesen Namen auch wirklich verdient hat. Hier jedoch, hat man es mit einer Genre-Perle zu tun, welche durch glaubwürdige Darsteller, einer dichten Atmosphäre, gelungenen Schocks, blutigen Ekeleffekten und überraschenden, psychisch interessanten, Handlungswendungen durchs Band überzeugen kann. Der Film schafft den Spagat zwischen Psychoterror und Splatter auf so homogene Art und Weise, wie nur sehr wenige zuvor und katapultiert sich somit gleich auf die Stufe der besten Filme 2005. Wer also mal wieder so richtig die Hände in die Armlehnen der Kinosessel krallen möchte, ist herzlichst eingeladen einen Blick in diese Höhle zu werfen: betreten auf eigene Gefahr!

Wertung: 90%