Fluch der Karibik 3
Planlos durch die sieben Weltmeere

Alles neu macht der Mai? Mitnichten! Gleich zwei Großproduktionen aus der Traumfabrik, beide bereits zum dritten Male aufgewärmt, ringen in diesem Monat um die Gunst der Kinozuschauer. Neben Spider-Man 3 ist es vor allem der dritte Fluch der Karibik (nach dem deutschen Verleih ja eigentlich Pirates of the Carrabean: Am Ende der Welt, aber wen juckt das schon), der die Herzen seiner Fans im Sturm erobern möchte. Die Chancen für einen Erfolg an den Kinokassen stehen sehr gut, denn schließlich hat schon der Vorgänger Filmgeschichte geschrieben: Als dritt-erfolgreichster Film aller Zeiten steht Fluch der Karibik 2 in einer Reihe hinter Titanic und Die Rücker des Königs. So sind die Vorraussetzungen für einen erneuten Erfolg mehr als gegeben. Doch trotz allem Zuschauerzuspruchs waren seine Macher rund um Überproduzent Jerry Bruckeimer und Regisseur Gore Verbinski unzufrieden mit der Resonanz auf den zweiten Teil. Vor allem die verhaltende und teils negative Kritik auf den Film ließ den Verantwortlichen keine Ruhe. Der dritte und abschließende Part des Freibeuterabenteuers sollte nun alles besser machen und auch bei den kritischsten Betrachtern für Begeisterung sorgen. Das Problem war nur, dass die beiden Fortsetzungen des Originals von 2003, ähnlich wie bei den Matrix-Sequels, an einem Stück heruntergedroht worden waren und man sich nun noch einmal zu Nachdrehs bequemen musste. Das Resultat der zusätzlichen Mühe war ein erheblich erhöhtes Budget gewesen, welches das eigentliche Vorhaben eines Kosten reduzierenden Drehs ab absurdum führte. Ob sich die schweißtreibenden Nachdrehs ausgezahlt haben, liegt aber ganz im Auge des Betrachters. Audiovisuell gibt es nichts zu beklagen. Im Gegenteil, gehört dies wohl zum Besten, was man bislang auf der Leinwand bewundern durfte. Jedoch haben die Drehbuchautoren ihren eigenen Figuren wohl doch ein wenig zu stark nachgeeifert und zu tief in den Rumpott geschaut. Anders lassen sich die teilweise haarsträubenden Verwicklungen und Verrücktheiten wohl kaum erklären.

Aber zunächst zur…nennen wir es mal großzügig Story: Nachdem sich Captain Jack Sparrow (ist und bleibt großartig: Johnny Depp) am Ende des zweiten Teils wagemutig in den Schlund eines riesenhaften Kraken warf und mitsamt seines Schiffes, der Black Pearl, in den Fluten versank, wurde er von seinen Kumpanen und Weggefährten um Will Turner (Orlando Bloom) und Elisabeth Swarn (Keira Knightley) betrauert. Der Film endete mit einem fiesen Cliff-Hanger, bei dem Barbossa (Geofrey Rush), Fiesling aus Teil Eins; unerklärlicherweise wieder von den Toten auferstanden war.
Der neue Film beginnt nun in Singapur. Die Sparrow-Jünger haben sich mittlerweile mit Barbossa zusammen gerauft und versuchen gemeinsam, Jack aus der krotesken Zwischenwelt des Davy Jones (wieder unter CGI-Maske: Bill Nighy) zu befreien. Dafür benötigen sie aber eine mysteriöse Karte, die in den Händen des asiatischen Piratenfürsten Sao Feng (Chow Yun-Fat) liegt. Nach einigen Auseinandersetzungen kann sich die Zweckgemeinschaft schließlich auf den Weg zum Titelgebenden Ende der Welt machen, dem Eingang zum Totenreich. Verfolgt werden sie dabei von der East Tradion Company unter der Führung des machtbesessenen Lord Cutler Beckett (Tom Hollander) und von Davy Jones höchst selbst, der aber nun unter der Fuchtel Becketts steht. Diese können jedoch zunächst nicht verhindern, dass es der Piratenmeute um Barbossa gelingt, den einzigartigen Jack ins Reich der Lebenden zurückzuholen. Doch damit nicht genug. Denn nun heißt es, im Namen der Freiheit aller Piraten, gegen die Company zu kämpfen. Hierzu soll der Rat der Piratenfürsten einberufen werden. Doch bevor es dazu kommen kann, kocht jeder der Beteiligten, wie bei Piraten eben üblich, erst noch sein eigenes Süppchen. Im Laufe des nun folgenden Geschehens wird gefeilscht, verhandelt, erschossen und bunt die Seiten gewechselt. Doch letztendlich läuft alles auf das unausweichliche hinaus: Dem Showdown auf offner See…

Natürlich geschehen noch einige Absonderheiten mehr in Fluch der Karibik 3, jedoch ergibt nur weniges davon auch wirklich einen Sinn. Überhaupt scheint das Skript bereits zu Beginn des Drehs über Bord gegangen zu sein. So wirkt ein Großteil der Handlung eher improvisiert als wirklich ausgeklügelt. Viele Antworten bleiben im Argen und je mehr man sich mit der Story beschäftigt, desto absurder wirkt das alles. Dem Plot mit seinen zahlreichen Logiklöchern sollte man daher sowieso keine allzu große Aufmerksamkeit schenken, liegt doch das Hauptaugenmark ganz auf der grandiosen Optik. Die Kameraarbeit ist da besonders hervorzuheben, denn neben toller Landschaftsaufnahmen und atemberaubender Totalen, gibt es auch viele originelle Einstellungen zu bewundern. Hier sei unter anderem die surreale Traumsequenz zu nennen, die allerdings nicht jedermanns Geschmack sein dürfte. Auch die Spezialeffekte sind bemerkenswert in ihrer Perfektion. Eine bessere Einbindung von digitalen Effekten hat man nicht einmal beim Konkurrenten Spider-Man zu sehen bekommen.
Fluch der Karibik 3 ist um einiges düsterer und auch brutaler als der Vorgänger ausgefallen. Anstatt sonnigen Tropeninseln gibt’s im dritten Teil stattdessen vor allem zwei Dinge: Viel Wasser und gewaltige Unwetter. Auch beim Actionanteil hat man sich nicht lumpen lassen. Hier geht es ordentlich zur Sache: Explosionen, Fechtduelle und Luftakrobatik lassen großartiges Abenteuerfeeling aufkommen.
Wer sich auf eine volle Breitseite Jack Sparrow freut, wird ebenfalls nicht enttäuscht. Wieder einmal ist es Johnny Depps grandiose Performance als völlig übergeschnappter Piratenkapitain Jack Sparrow, die auch wieder einmal für das meiste Amusement sorgt. Doch die Hauptrolle spielt diesmal jemand anderes: Keira Knigthley, im Originalfilm noch Beschützendwürdigendes Fräulein, ist mittlerweile zur handfesten Piratenbraut mutiert. Ihr gehören eindeutig die meisten Szenen im Film und diese meistert sie allesamt mit Bravour. Was man von Orlando Bloom hingegen nicht sagen kann. Seine Performance hat sich seit Teil Zwei nochmals verschlechtert, seine Rolle ist fast zum reinen Stichwortgeber verkommen. Schade, schließlich gehört der Handlungsstrang seiner Figur Will Turner zu den wichtigsten des dritten Teils.
Pirates of the Carrabean bietet unterhaltsames Augenfutter, bei der die Story nur überflüssiges Treibgut ist. Der Streifen nimmt uns mit auf eine wilde Achterbahnfahrt mit vielen Höhen und Tiefen, wobei sich tolle Szenen nahtlos mit absurden Spielereien abwechseln. Dabei schrecken die Macher nicht einmal vor dreistem Ideenklau zurück, wobei Ennio Morricones meisterlicher Score aus Spiel mir das Lied vom Tod ohne Wimperzucken im Film zweckentfremdet wird. Man könnte sich über solche Ideenlosigkeit bis ins Mark ärgern, könnte das löchrige Skript anprangern und das überkandidelte Getöse verurteilen. Oder man hält die Klappe, stellt sein Gehirn auf Stand by und genießt knapp drei Stunden herrlich sinnlosen Edelnonsens. Oder man trinkt zuvor eine Buddle voll Rum. Oh ho!

Fazit: Wie ein Besuch auf dem Jahrmarkt: Sinnentleert, aber bunt und voller Überraschungen. Mit famosen Bildern und tollen Spezialeffekten angereichertes Abenteuer, besser als Teil Zwei, aber schlechter als das Original.
Daher 4 von 5 Spaß-Sternen