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Thema: World Trade Center

  1. #1
    Regisseur
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    World Trade Center

    Oliver Stones neuestes, unter dem Arbeitstitel "9:11" laufendes Projekt in der Pre-Production ist eine Rekonstruktion der terrotistischen Anschläge vom 11.September 2001. Im ersten, von einem Major-Studio finanzierten, Film über das amerikanische Trauma werden u.a. Nicolas Cage und Maria Bello die Hauptrollen übernehmen.
    Wie erwartet werden die Geschehnisse aus Sicht zweier amerikanischer Polizisten geschildert (sonst wären es vermutlich Feuerwehrmänner geworden).

    Was haltet Ihr von diesem Projekt? Wird Stone wieder kontroversen Stoff abliefern oder ist ihm der Umgang mit dem großen Thema zu prekär, so dass er es mít Samthandschuhen anpacken wird? Was haltet Ihr ganz allgemein von Oliver Stone und seinem Oevre? Würdet Ihr euch einen anderen Regisseur für den Stoff wünschen? Wenn ja, welcher müsste das eurer Meinung nach sein? Lassen sich die Geschehnisse überhaupt noch verfilmen? Wenn ja, wie ist das möglich bei den in der kollektiven Psyche eingebrannten Bilder der brennenden Türme?

    Schreibt eure Mutmaßungen, Ansichten und kritischen Bemerkungen zu diesem Thema auf!
    Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
    und hinter tausend Stäben keine Welt.
    Rainer Maria Rilke

  2. #2
    Hauptdarsteller Avatar von Harvey Dent
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    Re: "9:11" von Oliver Stone

    Meiner Meinung nach gelingt es Oliver Stone meistens, anspruchsvolle Themen auch spannend und unterhaltend zu verpacken.
    Durchaus eine Kunst, denn von einem guten Film erwarte ich auch, dass er mich "unterhält".
    Das heisst natürlich nicht, dass er lustig oder amüsant sein muss, er muss mich aber in seinen Bann schlagen (das kann auch traurigen oder tragischen Themen gelingen).

    Von daher ist Stone per se erst einmal der Richtige. Ob die Zeit für 9/11 aber jetzt schon reif ist, weiss nicht. Vielleicht müsste man noch 10-20 Jahre mit einer filmischen Umsetzung warten. Denn Trauer, Wut und Zorn sind noch zu frisch, da kann es durchaus sein, dass der Film in einen zu naiven Patriotismus driftet, die Masse der amerikanischen Zuschauer wird dies vermutlich sogar erwarten. Falls dies passiert, wird der Film für den europäischen Kinogänger sicherlich weniger interessant werden.

    Aber warten wir mal ab.

  3. #3
    Regisseur
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    Re: "9:11" von Oliver Stone

    Erinnere mich an einen Bericht bei dem Stone von diesem Projekt sprach, da waren die Anschläge erst 2-3Wochen her.
    Ist das wirklich so krass in Amerika, dass die dort den gewissen Patriotismus brauchen? Wenn ja, kann Oliver Stone auf ein kritisches Werk verzichten, zumindest vom Finanziellen her. Jedenfalls glaube ich nicht, dass ihm seine deutschen Geldgeber nach dem finanziellen Fiasko namens Alexander weiter unterstützen werden. Und einen amerikanischen Propaganda-Film wie "Peal Harbor" kann ich verzichten.

  4. #4
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    Re: "9:11" von Oliver Stone

    Die große Gefahr liegt darin, dass es ein Film "für Amerikaner" wird.

    Oliver Stone ist durchaus in der Lage kritische Filme zu drehen, die über die USA hinaus Anerkennung finden.
    Aber er braucht auch einen komerziellen Erfolg um weiterhin im Geschäft zu bleiben.

    Vielleicht wäre es sogar angebracht, wenn ein Ausländer die Ereignisse des 11.9. aufarbeitet. Dann besteht weniger Gefahr, dass peinlicher Pathos in die Story einfliesst.
    Sam Mendes zum Beispiel. Er hat mit "American Beauty" eine hervorragende Arbeit über die amerikanische Mittelstandsschicht abgeliefert.

  5. #5
    Regisseur
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    Re: "9:11" von Oliver Stone

    Da magst du recht haben. Wenn jemand etwas von außen betrachtet ist er, glaube ich, in vielerlei Hinsicht sehr viel weniger durch die Gesellschaft in der er lebt imprägniert und dadurch auch weniger manipulierbar als jemand der unter ihr heranwächst, ihren ethisch-moralischen Kodex anerkennt, deren Grenzen wahrt (die meist nur blanken Patriotismus kennen).

    Stone ist von allen amerikanischen Regisseuren wohl die klügste Entscheidung, da er trotz seiner amerik. Staatsbürgerschaft doch immer zu den kritischeren Stimmen aus Hollywood gehörte und durch seine Vietnam-Erfahrung immer auch zu denen gehörte, die den moralischen Kodex der USA durch kritische Auseinandersetzung aufzubrechen versuchten. Zudem gehört Stone neben Penn und Robbins zu den schärfsten Bush-Kritikern, insofern ist eine kritische Auseinandersetzung möglich. Die Vermutung, dass sich Stone von Studios korrumpieren lässt, kann man natürlich nicht von der Hand weisen. Andererseits hat er bei "Platoon" auch auf millitärische Unterstützung verzichtet um seinen Antikriegsfilm durchzusetzen, an deren Umsetzung er aufgrund dessen Jahre saß. Hier deutet sich also doch sehr grob eine standhafte Protesthaltung gegen die Vorgaben großer Finanziers an...aber das ist natürlich rein hypothetisch!
    Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
    und hinter tausend Stäben keine Welt.
    Rainer Maria Rilke

  6. #6
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    Re: "9:11" von Oliver Stone

    Übrigens: Ich bin mal auf das Making Of der "9:11"-DVD gespannt. Darauf wird man bestimmt wieder erfahren welche Drogen Stone während der Dreharbeiten genommen hat.
    Während "Natural Born Killers" soll Stone ja von Pilzen berauscht mit seinem Team durch die Wüste gefahren sein. Jene Erlebnisse sollen ihn schließlich zu den desillussionistischen Wüsten-Sequenzen inspiriert haben. Bei den Arbeiten an "Scarface" soll Stone ständig Kokain geschnupft haben und sowieso saß der Regisseur schon ständig im Gefängnis wegen Drogenmissbrauchs.
    Finde ich irgendwie witzig...
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    Rainer Maria Rilke

  7. #7
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    Re: "9:11" von Oliver Stone

    Zitat Zitat von Morten
    Finde ich irgendwie witzig...
    Haargh! haargh!
    Oliver Stone wird sich im Knast auch regelmäßig kaputtgelacht haben

  8. #8
    Regisseur
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    Re: "9:11" von Oliver Stone

    Ich will damit nicht schadenfroh sein. Aber die Vorstellung, dass ein schwer verdienender, mehrfacher Oscar-Preisträger und Hollywood-Querolant im Kittchen sitzt und Striche an die Wand malt, finde ich amüsant.
    Stone scheit es übrigens wenig auszumachen. Einen Ausschluß aus der Gesellschaft und die nach einer Haft zu erwartenden finanziellen Probleme durch einen mangelnden Job bleiben jemanden wie Stone sowieso erspart: Im Gegenteil, er erhält von einem Major-Studio sogar noch die Erlaubnis mit Millionen von Dollars den wohl brisantesten Film aller Zeiten über das amerikanische Trauma schlechthin zu drehen...

    ...Gott hat Sinn für Humor!
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    Rainer Maria Rilke

  9. #9
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    Re: "9:11" von Oliver Stone

    du scheinst stone nicht unbedingt zu mögen.

  10. #10
    Regisseur
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    Re: "9:11" von Oliver Stone

    Nein! Absolut nicht! Ich bin ein großer Stone - Verehrer! Wie gesagt: Ich halte fast niemanden für qualifizierter um den 11. September filmisch aufzuarbeiten.
    Sein Drehbuch zu "Scarface" gehört zu den frühen Zeugnissen außerordentlich großer Begabung. Die überzeichnete Miami-Welt, die karikaturhaften Charaktere drücken kongenial die Hohlheit und den Ungeist der 80er-Epoche aus.
    Sein "Platoon" ist nach wie vor, neben "Apocalypse Now", der herausragendste, weil kritischste, Beitrag zum Krieg in Vietnam.
    Ich schätze "Geboren am 4. Juli" für seine fast schon explosive Kraft und der starken Überzeugung, die hinter seinen Bildern und Charakteren liegt. Hier hat noch jemand Idealismus obwohl er das absolute Grauen im und nach dem Krieg darstellt (die Heimkehr und nicht den eigentlichen Kampf zum Thema macht).
    "JFK" und "Nixon" sind großartige Potraits. Auch wenn es "JFK" etwas an sachlicher und kritischer Distanz fehlt, so halte ich ihn doch für einen diskussionswürdigen Beitrag zum Attentat auf John F. Kennedy. "Nixon" wartet mit einem unglaublich phänomenalen Anthony Hopkins auf und ist mitreißend inszeniert.
    Selbst sein umstrittenstes Werk "Natural Born Killers" finde ich brillant! Das ist eine ebenfalls explosiv-provokante Granate zum Thema Medien und Gewalt. Eine von den meisten Kritikern missverstandene, bissige Satire mit einer visuellen Brillanz, die einem den Atem stiehlt.
    "U-Turn" mit Sean Penn und Jeniffer Lopez: Eine kleine dreckige Hinterwäldler-Komödie. Brüllend komisch. Das beängstigende Abbild eines vollkommen "anderen Amerikas" (das der miesen, kleinen, korrupten Wüstenkaffs...).
    "Alexander" habe ich zugegebenermaßen nicht gesehen. Soll aber auch nicht sehr gut gewesen sein (hat der nicht ein paar Goldene Himbeeren bekommen?!).
    Ach ja! Nicht zu vergessen ist noch "Zwischen Himmel und Hölle". Ja! Selbst dieser Film hat mir gefallen. Auch wenn er zu den eher schwächeren Stone-Filmen zählt, muss man allgemein Stones Mut honorieren der 1. gewesen zu sein, der den Vietnam-Krieg aus den Augen einer Vietnamesin und nicht aus dem Blickwinkel eines amerik. GI's geschildert hat. Zuletzt fällt mir noch "Talk Radio" ein...ein sehr zurückhaltender Stone-Film, der trotzdem Stärken aufweist.

    Ganz allgemein: Stone ist ein brillanter Potraitist der amerikanischen Labilität, ihrer Unsicherheit. Anders als Scorsese, welcher seine kritischen Beiträge zur USA immer subtil verpackt, hebt Stone sie in aller Deutlichkeit vor. Oftmals wird ihm von Kritikern vorgworfen, sein Stil sei populistisch, simplifizierend...schlicht gesagt: Schwarz-Weiß-Malerei aus der Sicht eines Liberalen. Meiner Meinung nach jedoch ist Stone ein einflussreicher, aber leider in dieser Funktion selten wahrgenommener, Satiriker gegebener gesellschaftlicher Umstände (was nicht für seine Vietnam-Filme gilt; jene sind eher bitterernst formulierte Anklagen).

    Du siehst: Ich finde ihn fantastisch!
    Der Mann nimmt halt nur ein bisschen viele Drogen... er gehört jedoch zu denen die das öffentlich zugeben und nicht einen auf Yoga-Veganer machen.
    Um ehrlich zu sein: Ich möchte die Behauptung aufstellen, dass seine Filme ohne Drogenkonsum niemals so gut geworden wären. Ob es nun zitierfähig, vorbildlich oder besonders klug von mir ist, so etwas zu behaupten, aber wer in der Lage ist verantwortungsvoll mit seinem Konsum umzugehen, der soll Zuschauer von gemachten Erfahrungen bitte nicht fernhalten! Im Gegenteil: Filme wie "Apocalypse Now", die Musik von "Black Sabbath", "The Beatles" oder "Pink Floyd" oder die Literatur eines Hunter S. Thompson wäre ohne Drogenkonsum nie so großartig geworden...ach was! In vielen Fällen wäre sie gar nicht erst entstanden.

    P.S: Jetzt bitte keine Schlüsse auf den Autor dieses Beitrags ziehen! Das meine ich ernst!
    P.P.S.: "Wall Street", ganz vergessen, ist ebenfalls toll! Neben "American Psycho" der bitterste Kommentar auf die "Nadelstreifen"-80er!
    Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
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    Rainer Maria Rilke

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