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Thema: Kann man Filmherstellung und Inhalt trennen?

  1. #1
    Zuschauer
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    Kann man Filmherstellung und Inhalt trennen?

    Hallo,

    würdet ihr sagen, dass man Filmherstellung und Inhalt trennen kann? Zum Beispiel ein Film wie "Triumph des Willens" von Riefenstahl. Der gilt ja als filmisch erstklassig im Gegensatz zu dem was man da zu sehen bekommt. Würdet ihr sagen, dass man also trennen kann zwischen Herstellung und Machart und Bildern?
    Würdet ihr auch sagen, dass man die wahre Kunst der Filmherstellung immer eher bei Filmen findet, die negative Dinge zeigen, also Gewaltdarstellungen etc.? Es ist doch sicherlich eine grössere Herausforderung Gewalt so in Szene zu setzen, dass man vergisst das es sich um Stunts handelt, als zum Beispiel eine Komödie in der man vergessen soll, dass es vor allem auf das Timing ankommt? Was jetzt die filmische Herausforderung angeht?

  2. #2
    Regisseur Avatar von ric-dee
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    Re: Kann man Filmherstellung und Inhalt trennen?

    Auf deine erste Frage kann man ganz klar mit "Ja!" antworten. Natürlich kann und, wie ich meine, muss man einen Film immer auf zwei verschieden Weisen sehen. Zum einen die technische und visuelle Seite (das was du als"Filmherstellung" bezeichnet hast), d.h. wie alles vom Regiesseur mit welchen Mitteln in Szene gesetzt wird. Also: Welche Requisiten benutzt er? Welche Einstellungen setzt er ein? Wie werden welche Farben eingesetzt?.....
    Zum anderen muss man sich natürlich auch den Inhalt betrachten: Was wird erzählt? Welche Botschaft steckt dahinter? Ist es eine innovative und originelle Story? Und vor allem: Wie wird das ganze erzählt? Mit Rückblenden? Ist es eine lineare Erzählweise? Oder mit Traumsequenzen?..
    Wie man sieht verschwimmen aber, vor allem beim "Wie wird es erzählt?", gelgentlich die Grenzen des technischen und erzählerischen Aspekts eines Films und das ist meiner Meinung nach auch ganz gut so.

    Trotzdem gibt es eben Filme, die aufgrund ihrer visuellen "Macht" bestechen und deren Inhalt etwas in den Hintergrund rückt und andersrum gibt es Filme, die durch ihre originelle Story mit überraschenden Wendungen und einer innovativen Erzählweise überzeugen, deren technischer Aspekt aber damit unwichtiger wird.
    Im Idealfall verbindet ein Film natürlich beides, aber einen Schwerpunkt hat fast jeder.

    Deine zweite Frage aber kann man ganz klar verneinen. Warum bitte schön sollen Filme mit negativem Inhalt denn filmisch kunstvoller bzw. schwieriger zu drehen sein? Das ist doch davon vollkommen unabhängig! Ein Märchen mit Happy-End kann genauso kunstvoll in Szene gesetzt sein, wie ein düsterer Killer-Streifen, der im Ghetto spielt.
    Eine Komödie zu inszenieren, deren Pointen und Gags perfekt abgestimmt sind und die vor allem auch funktionieren ist doch mindestens genauso schwer wie Gewaltszenen gekonnt darzustellen.
    Du musst zugeben dein Vergleich hinkt.

  3. #3
    Regisseur
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    2.133

    Re: Kann man Filmherstellung und Inhalt trennen?

    Da stimme ich ric-dee zu. So ziemlich alle Filmregisseure und Darsteller sagen , dass die Komödie das schwierigste Genre ist.

    Allerdings werden Filme mit negativer oder düsterer Ausstrahlung eher als Meisterwerk bezeichnet, weil sie, wenn sie gut gemacht sind, Menschen direkt aufrütteln und an seine Grenzen bringen. Ich würde sagen, so funktioniert letztendlich "Kunst", denn ansonsten wäre ja alles belanglos.

  4. #4
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    Re: Kann man Filmherstellung und Inhalt trennen?

    Ich würde eher sagen, man muß trennen zwischen Absicht und gewollter Botschaft des Regisseurs (vorrausgesetzt er hat das Projekt allein in der Hand) und dem, was der Zuschauer darin sieht.
    Das kuriose bei der Sache ist, dass man als Filmemacher kaum Einfluss auf die Wirkung seines Werks hat. Das Publikum ist unberechenbar.

    Ein Beispiel:
    Nehmen wir Martin Scorsese´s "Gangs of New York".
    Was hat sich der Mann für diesen Film den Allerwertesten aufgerissen. Hat weder Kosten noch Mühen gescheut. Recherchiert, mit Produzenten gestritten, auf authentische Details geachtet, populäre Stars verpflichtet und, und, und.
    Die Story klang interessant und innovativ. Scorsese machte einen Film über die wilden Anfangsjahre von New York, ja, ein Stück amerikanische Zeitgeschichte für´s Kino.
    Und was war der Dank des Publikums?... Missachtung!
    Warum nur?... Der Film war doch handwerklich absolut solide inszeniert und enthielt viel Herzblut aller Beteiligten.

    "Pulp Fiction" von Quentin Tarantino hingegen wirkt wie in einer Woche hingeschludert. Zum Zeitpunkt des Entstehens hatte er nur ein paar ehemalige Publikumslieblinge zu bieten, die, so schien es, ihren Zenit schon längst überschritten hatten. Die Dialoge wirkten mehr als belanglos und die Story hätte wahrscheinlich nie den Sprung in einen Roman geschafft. Tarantino drehte diesen kleinen, schmuddeligen Film, weil er Geld verdienen wollte und solche Filme nur zu gern in seinem Privatarchiv zuhause hat. Das Ende kennen wir...
    Film und Regisseur sind heute Kult und aus der Filmhistorie nicht mehr wegzudenken!

    Also: Der ursprüngliche Gedanke, der hinter einer Filmidee steckt, kann sich ziemlich verselbstständigen.
    Gerade Filme aus den 60er und 70er Jahren verändern ihre Bedeutung im Laufe der Zeit beim Publikum und in der Gesellschaft.

    Die aktuelle Diskussion hier bei MOVIEMAZE über "die 120 Tage von Sodom ist ein gutes Beispiel.
    Kann sein, dass sich in 10 Jahren kein Mensch mehr über den Filnm aufregt.

  5. #5
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    Re: Kann man Filmherstellung und Inhalt trennen?

    @Stewart

    Was sind das für Beispiele. Gangs of New York ist zwar auf dem Papier sehr interressant hält aber den enormen Erwartungen nicht statt und ist einer von seinen schlechteren(ehr nicht sooo guten) Filmen.

    Und Pulp Fiction ist kein Film der nur "weil er Geld verdienen wollte" gedreht wurde. Er ist einfach absolut Genial. Als ich ihn letztens nach 2 Jahren wieder sah wahr ich wieder hin und weg von diesem Film.
    Hälst du den Film wirklich für so schlecht.
    Five-Point Palm - exploding heart technique

  6. #6
    Hauptdarsteller
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    790

    Re: Kann man Filmherstellung und Inhalt trennen?

    Nein! Im Gegenteil! - Ich bin absolut Deiner Meinung!

    "Gangs of New York" ist stinklangweilig und "Pulp fiction" ein Geniestreich.

    Aber Martin Scorsese hatte sich die Reaktionen des Publikums ganz anders vorgestellt.
    Genau wie Quentin Tarantino. Der aber das Gück hatte einen Hyperkultfilm in die Welt zu setzten.

  7. #7
    Statist
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    74

    Re: Kann man Filmherstellung und Inhalt trennen?

    Na ja, welcher Regisseur nimmt sich schon vor, sein Publikum zu langweilen?

    Zitat Zitat von Stewart
    Die Dialoge wirkten mehr als belanglos und die Story hätte wahrscheinlich nie den Sprung in einen Roman geschafft.
    Genau das ist die Bedeutung von "Pulp fiction", deshalb kann man schon davon ausgehen, dass Tarantino sich dessen bewusst war.

    Ich denke, dass die Ausgangsfrage in eine andere Richtung zielt.

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