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Thema: Lashou shentan

  1. #1
    Regisseur
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    Lashou shentan

    Ich habe mir auf Tipp von Keyzer John Woo’s Hard Boiled angeschaut. Es wurde zwar im John Woo Topic im Walk of Fame schon darüber gesprochen, aber ich denke ein seperates Topic hier im Movie Bereich ist angebracht.
    Eines vorweg: Ich finde den Film katastrophal. Er ist einfach abstoßend.



    Der Film beginnt recht heftig, mit einer großen Schießerei in einem Restaurant. Das Tempo bleibt durchgehend sehr hoch, da sich Tequila (Chow Yun Fat) von einer Schießerei in die nächste stürzt. Bis zur Schlußsequence in dem Krankenhaus war es auch ein sehr guter Actionfilm, mit wirklich fantastisch choreographierten Schussszenen, der bei mir so ca. 85% bekommen hätte. Was dann kam war wohl das „vermiessenste“ Ende was ich je zu Gesicht bekam. Der Anfang von dieser Krankenhaussequence ist ja noch ganz verträglich. Doch in dem Moment wo die Babys mit ins Spiel kommen und die Gangster auf die Babys schießen, da ist für mich der Spaß vorbei. Ich empfand es als extrem abstoßend Babys mit in einem Actionfilm einzubeziehen und noch heftiger auf sie schießen zu lassen. Ok es kommt kein Baby dabei um, ich empfand es trotzdem als zutiefst widerlich. Da hatte der Film bei mir dann schon verloren und ich wünschte mir einfach, dass dieser Mist zu Ende ist. Ich war auch kurz davor einfach abzuschalten aber ich habe den Film dann doch noch bis zum Ende geguckt. Danach hat mich einfach nur noch alles an dem Film gestört, ich würde eher sagen dass mir. Wie hier das Töten eines Menschen zelebriert ja gerade zu glorifiziert wird ist echt nur abstoßend. In extremen Zeitlupen werden hier einfach sinnlos Menschen ja geradezu hingeschlachtet. Auch die Schusswechsel werden dann nach dem 100. Mal nur noch langweilig und abstoßend. Ich weiß gar nicht wie viele Menschen überhaupt in diesem Film sterben, ich schätze mal gut über 300 oder? Es wird hier einfach jedem Gangster jegliche Moral und Intelligenz abgesprochen, denn ich werde wohl kaum für einen mittelgroßen Waffendeal auf hunderte Patienten, richtig kranke Menschen die an Krücken gehen und der Gipfel der Widerlichkeit einfach auf Babys schießen. Kann bei aller Liebe nicht erkennen was an dieser 20-30 minütigen Abschlachtsequenz so grandios sein soll. Man hätte auch eine Minute nur Filmen brauchen daraus ne Endlosschleife machen können und diese dann 20 Minuten abspielen können. Kaum einer hätte den Unterschied wohl gemerkt. Der einzige Bösewicht der so etwas wie ein Gewissen zeigt ist die rechte Hand von Boss Johnny, nachdem dieser mal so eben 15-20 Patienten und Krankenschwestern in wenigen Sekunden vernichtet hat, schießt der Einäugige auf seinen eigenen Boss. Die Story die bis zur Krankenhaussequence trotz der zum Teil recht absurden Schusswechsel dennoch recht real wirkte, wird hier dann nur noch zur Farce. Ich kam mir so vor, als wenn mich Woo für einen absoluten Idioten hält! Hallo!!! Aufgrund das ich zwar zu einer Gangsterbande gehöre habe ich meiner Meinung nach immer noch ein kleinen Teil Gewissen und schlachte nicht einfach blind hunderte Unschuldiger Menschen ab und sprenge schon gar nicht für diesen dämlichen Boss ein Gebäude in die Luft in dem sich noch weitere hundert Unschuldiger Menschen befinden. Des Weiteren handeln alle „normalen“ Gangster mit der Intelligenz eines Toastbrotes so etwas wie Deckung ist denen absolut kein Begriff. Ich meine ich würde mich auch nicht unbedingt aus einem Fenster lehnen auf dass dutzende Polizisten zielen, aber egal hier sieht man das gesamte Spektrum menschlicher Intelligenz oder wohl besser die unteren 10% in tausendfacher Wiederholung. Ok wenn alle Actionfilme zu 100% realistisch wären, dann würden sie kaum Spaß machen, sehe ich genauso. Aber gerade vor so einer realistischen Kulisse hat der Regisseur auch eine moralische Verantwortung in meinen Augen, ich habe kein Problem wenn in einem Splatter Film dutzende Menschen abgeschlachtet werden, denn da ist der Realismus der Story wohl wesentlich geringer als bei Hard Boiled. Bin echt schockiert über dieses „Machwerk“. In meinen Augen absoluter Schund und ich kann nicht absolut nicht verstehen warum der Film bei vielen so beliebt ist. Ich habe noch keinen moralisch verwerflicheren Film gesehen!!


  2. #2
    Regisseur
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    Re: Lashou shentan (Hard Boiled)




    hm.. der Moralfaktor war mir damals beim Schauen nicht so arg aufgefallen, an Babys kann ich mich gar nicht erinnern (muss aber nichts heissen..). Ich fand die ganze Handlung in diesem Krankenhaus von vorn bis hinten einfach nur trashig und sinnlos, weswegen ich mir auch gar keine so grossen Gedanken gemacht hab. Ich mein, wer kann schon sowas ernst nehmen wenn die Gangster ein Hauptquartier in einem Krankenhaus haben! Und dann auf die flüchtenden Patienten schiessen.. hallo?! Was soll das bringen? Zeugenbeseitigung? Dann der Bodycount... spätestens nach 5 Minuten ist die Ballerei so langweilig, dass man getrost aufs Klo gehen kann ohne auf Pause zu drücken, ist einfach nur noch belanglos wer da nun von wem erschossen wird. Da sterben einfach völlig willenlos hunderte von Polizisten und Gangstern und wasweissichwer. Da wird die ganze wirklich schöne Choreographie der Fights so ad absurdum geführt, dass ich auch froh war, als der Film zu Ende ging. Wird hier echt totzelebriert, weswegen ich den Streifen als Ganzes auch ziemlich öde finde. Wie gesagt, hab das zu dem Zeitpunkt sowieso nichtmehr ernst nehmen können, deswegen stiess mir das auch nicht unmoralisch auf..



  3. #3
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    Re: Lashou shentan (Hard Boiled)

    Ach was ein paar Bier trinken und dann ist der Film eine nette Abendunterhaltung. Ihr mögt wohl auch nicht des Gouvernators *Commando*, oder?
    -"Shoot him again"
    -"What for?"
    -"His soul is still dancing"

  4. #4
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    Re: Lashou shentan (Hard Boiled)

    Zitat Zitat von Argonaut
    Ach was ein paar Bier trinken und dann ist der Film eine nette Abendunterhaltung. Ihr mögt wohl auch nicht des Gouvernators *Commando*, oder?
    Den Film habe ich noch nicht gesehen!

  5. #5
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    Re: Lashou shentan (Hard Boiled)

    Doch Argo...Phantom Commando find ich sogar ganz lustig...so in etwa wie die alten Godzilla Filme. Trash Unterhaltung pur! 8)

    Bei Hard Boiled hatte ich mir eben einfach eher einen coolen Actionfilm vorgestellt, den man auch ernst nehmen kann bis zu einem gewissen grad und den man nicht gut findet weil man sich von vorn bis hinten drüber lustig machen kann..

  6. #6
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    Re: Lashou shentan (Hard Boiled)

    Die Gewalt in den Filmen von John Woo ist nicht echt (nicht einmal "filmecht") und auch nicht als solche gekennzeichnet, deswegen ist sie auch weitgehend unproblematisch.

    Jede "Gewaltszene" in Zeitlupe hat schon dadurch praktisch keine Gewalt mehr in sich. Bei Woo ist alles zu einem solchen Grad stilisiert und geradezu "musikalisch" gemacht, dass ich seine Filme regelrecht harmlos finde im Verhältnis zu dem, was man in den Abendserien ab 21 oder 22:00 Uhr im Fernsehen sehen kann.
    Wenn ich Woos frühe Filme sehe (unter denen "The Killer" sicherlich ein besserer Film ist als "Hard Boiled") denke ich nicht an Gewalt, denn Gewalt ist etwas, was aus Motivation, Handlung und Konsequenz besteht. Da Woo nahezu immer (bei "The Killer" faktisch weniger, als bei "Hard Boiled") den ersten und dritten Punkt dieses Dreisatzes ausklammert, sind seine Filme Kinoessenz aus Bewegung und "actio".

    Am Ende von "Dogville" wird auch auf Kinder geschossen (und das "erfolgreich"). Ich fand's amüsant.
    Am Anfang von "Wolfzeit" wird ein Mann erschossen. Das dauert kaum eine Sekunde und ist nicht einmal zu sehen. Danach übergibt sich seine Frau über seiner Leiche. Das war fürchterlich und grausamste Filmgewalt.

  7. #7
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    Re: Lashou shentan (Hard Boiled)

    Zitat Zitat von Janis
    Wenn ich Woos frühe Filme sehe (unter denen "The Killer" sicherlich ein besserer Film ist als "Hard Boiled") denke ich nicht an Gewalt, denn Gewalt ist etwas, was aus Motivation, Handlung und Konsequenz besteht. Da Woo nahezu immer (bei "The Killer" faktisch weniger, als bei "Hard Boiled") den ersten und dritten Punkt dieses Dreisatzes ausklammert, sind seine Filme Kinoessenz aus Bewegung und "actio".
    Ein Motiv für das Handeln Fat's ist doch ganz klar Rache und somit ist der erste Punkt durchaus vorhanden. Mit der Konsequenz würde ich dir bedingt recht geben, Konsequenzen für den Gewaltausübenden gibt es in diesem Film nicht wirklich, was in meinen Augen mehr bedenklich als entlastend dem Film gegenüber ist. Die einzige Konsequenz ist nur der Tod des Opfers.

  8. #8
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    Re: Lashou shentan (Hard Boiled)

    "Rache" ist doch kein Motiv. "Rache" ist filmischer als irgendetwas sonst.

    ... und ich hingegen finde es sehr entlastend, dass der Film nicht die Konsequenzens des Tötens darstellt. Das läßt ihn zu nichts mehr als einer martialischen Übung in Bewegung schrumpfen.
    Wenn bei John Woo jemandem in den Kopf geschossen wird, dann ist das keine Gewalt, sondern eine Abfolge von kleinen und großen Bewegungen, von Stauchungen und Streckungen, von der winzigen Bewegung des Zeigefingers in Zeitlupe hin zur ausgefächerten "Blutexplosion".

    Bei Haneke gibt es nichts Opernhaftes und Theatralisches. Da stirbt einer binnen von einer Sekunde und ein wenig Blut haftet dann an der Wange von der Huppert. Da ist das wie ein Riss im Realitätsgefüge und alles bricht zusammen.
    Bei Woo wird sich noch einmal schnell im Kreis gedreht, der Mantel flattert gegebenenfalls noch einmal entgegen der Drehbewegung, dann kippt der Getroffene nach hinten über.

    Da gibt's einen Unterschied für mich.

  9. #9
    Regisseur
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    Re: Lashou shentan (Hard Boiled)

    Gewalt bleibt aber doch Gewalt egal wie ästhetisch man sie darstellt. Und es ist ja gerade diese Beiläufigkeit und völlige Gleichgültigkeit dem Töten und dem Toten gegenüber, die Mooc hier kritisiert.

  10. #10
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    Re: Lashou shentan (Hard Boiled)

    Zitat Zitat von vom Wyatt Earp der Bruder
    Gewalt bleibt aber doch Gewalt egal wie ästhetisch man sie darstellt.

    Und das sehe ich eben vollkommen anders.

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