Gestern endlich gesehen. Was für ein raffiniertes kleines Filmchen

Die Medienschelte und die Art wie Costa-Gavras den ganzen Medienzirkus mit dieser pervers hechelnden Reporter-Meute vorführt ist schon sehr gekonnt.

Brillant find ich jedoch die Schauspielerführung, die Figurenzeichnung und die schauspielerischen Leistungen selbst. Da wird der Zuschauer mehr als einmal "umgepolt".

Erst erscheint TV-Reporter Dustin Hoffmann logischerweise als Sympathling mit eben dem "Dustin Hoffmann sympathische gebrochene Type"-Image. Doch bald wendet sich das Blatt als man sieht was für ein Aas dieser Reporter doch ist. Hoffmann ist nun erstmal das personifizierte "Böse Medienwesen", noch unterstützt in den schwammigen Ausführungen seines Ex-Bosses Alan Alda, der behauptet mit diesem Typen könne man nicht arbeiten und Hoffmann regelrecht verdammt. Dann zeigt uns Costa-Gavras irgendwann den "Stein des Anstoßes" und nun sieht Alda wie das menschlische Schwein aus und NICHT Hoffmann.

Auf einer anderen Ebene verwandelt sich Hoffmann mehr und mehr vom sensationslüsternen Reporter zum einsichtigen, verständnisvollen Menschenfreund, wohingegen das unscheinbare Entlein von Kamerafrau sich letzten Endes in die Karrieregeile Sensationsreporterin verwandelt, die sogar Hoffmann, dessen Assistentin sie war, in die Pfanne haut.

Und über all dem thront John Travolta. Ehrlich gesagt ist er bislang alles andere als mein Liebling gewesen, sieht man man von wenigen Filmen wie "Get Shorty", "Primary Colors" und "Michael" ab, so war seine Rollenwahl, seine Gesinnung (Scientologe) IMO manchmal mehr als zweifelhaft, gipflend in der Verfilmung von Scientology-Gründer Ron Hubbard's "Battlefield Earth".

Doch in "Mad City" wächst Travolta schlicht über sich hinaus. Vielleicht braucht es einen Spitzenregisseur wie Costa-Gavras (Betrayed/Music Boy) um Spitzenleistungen aus einem Travolta herauszuholen.

Travolta spielt diese Mischung aus unschuldig-naiver Dumpfbacke und Geiselnehmer aus Verzweiflung bravourös. Mit seinen Stimmungsschwankungen, seinem hin-und-hergerissen-sein zwischen treudoofem Ehemann, Familienvater, Jobversager und dann wieder starkem Mann mit Pumpgun und Dynamit-Tasche. Mit grenzenloser Euphorie am Boden zerstört. Das alles in einer Person. In einem Travolta. Auch die Müdigkeit und daraus resultierenden Fehlern, Panikaktionen und Unüberlegtheiten nimmt man dieser Figur immer ab.
Selten kam ein Mörder so sympathisch "rüber".

Selten ein Film so überzeugend.