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Thema: Badlands

  1. #1
    Statist
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    Badlands

    Jetzt weiß auch ich, warum Terrence Malick zu den ganz Großen unter den Regisseuren gezählt wird, obwohl er nur drei große Filme gemacht hat. Ich wünschte nur, ich hätte 'Days of Heaven' nicht verpasst, als er vor einigen Wochen bei premiere lief.
    Zu Badlands, seinem Debüt (*ACHTUNG SPOILER*). Es geht, oberflächlich betrachtet, um einen jungen Mann namens Kit, der sich gern als den neuen James Dean sieht, gespielt von Martin Sheen und ein Mädchen, das ca. 10 Jahre jünger ist als er, Sissy Spacek alias Holly. Die beiden wohnen in einer Kleinstadt im Westen Amerikas, in der nicht viel los ist und verlieben sich ineinander, aber natürlich ist ihr Vater gegen diese Beziehung. So wird er kurzerhand von Kit erschossen. Das ist der Beginn dieses Roadmovies, eine Liebesgeschichte, die noch eine blutige Spur hinter sich her ziehen soll.
    Die Story ist also recht schnell erzählt. Die Bilder, die Malick uns zeigt, ja teilweise malt, sind von solcher poetischer Kraft, dass ich sie so schnell nicht vergessen kann. Wenn das Haus von Hollys Vater in Flammen aufgeht und man dazu nur ein Frauenchor (Kinder?)hört oder wenn ich an die anderen Sequenzen denke, auf deren Tonspur nichts als eine sanfte Melodie zu hören ist, dann berührt mich das mehr als alles andere und weckt in mir den Wunsch nach mehr solcher Szenen, wie man sie z.B. auch in L'Atalante von Jean Vigo und in Won Kar-Wais In the Mood for Love finden kann.
    Dabei war das noch keineswegs alles an diesem Film, der übrigens auf wahren Tatsachen beruht. Im Subtext ist er natürlich eine Kritik an der amerikanischen Gesellschaft, eine "Pervertierung des 'american dream'", wie es in der DVD Rezension in der Zeitschrift epd-Film heißt. Denn das Erschreckende an dieser Geschichte ist, dass man immer auf der Seite der beiden Protagonisten ist, die die Menschen abknallen, die hinter ihnen her sind oder zumindest eine Gefahr für sie darstellen. Dabei tritt eine Art von Gleichgültigkeit zu Tage, wie sie sich eben bei gelangweilten, desillusionierten Kleinstädtern zeigt: Holly, aus dem off, nachdem Kit ein junges Paar erschossen hat: 'At this moment I didn't feel shame or fear, but just kind of blah like when you're sitting there and the water's run out of the bathtub.' Auf ihrem weiteren Weg wird Kit an seiner Mythenbildung basteln und letztendlich seine Verhaftung inszenieren. Was danach folgt, zeigt, dass der Film in seinen letzten 30 Jahren nichts an seiner Bedeutung verloren hat und man genügend Bezüge zur heutigen Zeit findet, in der der Starkult und Drang zum Berühmtsein seinen Höhepunkt erreicht hat. Wie Kit zum Sympathieträger für die Polizisten wird (ähnlich wie beim Zuschauer), zeigt, dass es nur noch auf Selbstvermarktung ankommt.
    Was für mich den Film auf eine so hohe Ebene hebt, ist seine visuelle Erzählweise, bestehend aus wunderschönen Naturaufnahmen und kleinen Einfällen und Motiven, die, wie man auf der DVD erfährt, oft erst am Drehort entstanden und improvisiert sind.
    Ich hoffe wirklich, dass Malick noch einmal einen Film drehen wird, auch wenn wieder 20 Jahre vergehen sollten, bis es soweit ist, wie zwischen 'The Thin Red Line' und 'Days of Heaven'.

  2. #2
    Admin Avatar von Matt
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    Re: Badlands

    Dann hoffe mal schön mit das sein "Che"-Filmprojekt mit Benicio Del Toro in der Hauptrolle auch in Erfüllung geht! In development - no screenwriter or start date set.
    If it can be written, or thought, it can be filmed. (Stanley Kubrick)

  3. #3
    Statist
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    Re: Badlands

    Jau, da tu ich ma hoffen. Bei Days of Heaven wollte ich nicht mehr hoffen, dass er nochmal gezeigt wird und hab ihn eben bei ebay per Sofort-Kauf erstanden.

  4. #4
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    Re: Badlands

    Badlands ist ein wahres Filmgedicht.... wundervolle Bilder und Sissy Spacek und Martin Sheen sind einfach umwerfend gut! An den schmalen Grat kommt der Film für mich nicht heran, allerdings hat er dennoch eine ähnlich sogartige Wirkung auf mich... allein diese Wolken und Farben
    Außer Malicks neuestem Film, The New World habe ich jetzt alle gesehen. Ich hoffe, dass ich The New World bald mal sehen werde.
    - I can take you anywhere you want. Where do you want to go?
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  5. #5
    Regisseur Avatar von soulassassin
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    AW: Badlands

    Eine Woche nach Sichtung nen anständigen Text zu verfassen ist immer ein wenig schwierig, deswegen versuch ichs mal mehr oder minder Stichpunktartig.

    - Das Grundgerüst ist jetzt nicht unbedingt was neues, deswegen aber nicht minder interessant. Hat mich zuweilen ein wenig an eine Mischung aus Bonny & Clyde und die Blaue Lagune erinnert, ob das nun gut oder schlecht ist lass ich mal offen .

    - Einige Aufnahmen sind wahrlich grandios, ebenso Musik.

    - Die zwei Hauptakteure machen nen guten Job und tragen den Film mühelos im alleingang und dennoch bin ich mit den Figuren, vielmehr mit jener des Martin Sheen nicht unbedingt warm geworden. Selbstinszenierung, Perspektivlosigkeit schön und gut aber sein Handeln und Tun war mir teilweise einfach zu doof, zu irrational. Kann auch nicht verstehen wie man pro "Kit" sein kann, so wahllos wie der die Leute hier über den Haufen knallt. Sympathie fehlanzeige. Umso unverständlicher dann für mich auch das Ende in dem er in null komma nix die ganze Polizei um den kleinen Finger gewickelt hat, das fand ich dann schon beinahe, nein, das beinahe kannste streichen, ich fands und finde es surreal. Mag sein das Malick dies bewusst so inszeniert hat um den auch von Madtus erwähnten Punkt der Selbstvermarktung auf die Spitze zu treiben und jedem nochmal so deutlich wie nur irgend möglich zu machen, kein schimmer, ich weiss nur, es hat nicht funktioniert. Nicht mal im Ansatz.

    - Alles was irgendwo dazwischen liegt hat wenig bis garnichts in mir ausgelöst, nett im besten falle.

    Mit Sicherheit kein schlechter und schon gar kein uninteressanter Film aber eben auch nichts was mich jetzt vor Verzückung im Dreieck springen lässt, sonderlich fasziniert oder berührt hätte. Sonderbar ist gezeigtes hier an so einigen stellen, "besonders" leider nur in einigen wenigen.
    "Ich hab drei Kinder und kein Geld! Warum hab ich nicht keine Kinder und drei Geld?!" - Homer Simpson

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