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Thema: Fellinis Roma

  1. #1
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    Fellinis Roma



    Fellini wollte seine Wahlheimat Rom so zeigen, wie sie tatsächlich ist - wenn Rom aber tatsächlich so ist, möchte ich niemals dorthin: In Fellinis Rom wimmelt es nur so von Verrückten, Prostetuierten, Transvestiten, schmutzigen, ärmlichen Arschlöchern, Freiern - kurz: Es wimmelt von allem, mit dem man lieber nicht in Verbindung kommen möchte. Der Film beinhaltet auch keine Story oder eine Person, der man von Beginn an folgt - er porträtiert Rom in verschiedenen Episoden anekdotischer Art und Weise. Eine Geschichte beginnt, wird aber meistens nicht zu Ende erzählt. Es sind alles nur (scheinbar) Alltagssituationen - das nächtliche Intermezzo in einem Bordell und die damit verbundenen Schuldgefühle, das Auspfeifen eines schlechten Komikers im Variete usw. - alles Dinge, die Fellini kennt. Dennoch glaube ich nicht, dass Rom tatsächlich so ist. Er zeigt es uns in bunten Bildern, verrückten Geschichten (eine kirchliche Modenschau etc.) - und er selbst ist auch dabei. Er spielt sich selbst und kommentiert das bunte Treiben. Meiner Meinung nach ist "Fellinis Roma" aber ein Meisterwerk - zutiefst abstoßend, aber auch faszinierend (und das nicht zuletzt durch die brillante Musik Nino Rotas).



    Santoro.

    "Es gibt keine Grenzen. Nicht für den Gedanken, nicht für die Gefühle. Die Angst setzt die Grenzen." Ingmar Bergman

  2. #2
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    Re: Fellinis Roma

    Zitat Zitat von santoro
    Dennoch glaube ich nicht, dass Rom tatsächlich so ist.
    Ist es auch nicht! :wink:
    "I'm dark and mysterious and I'm PISSED OFF!"

  3. #3
    Regisseur
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    Re: Fellinis Roma

    Fellini sagte ja selbst: "Ich bin ein großer Lügner". So ist ja auch der Titel eines Dokumentarfilms über seine Person. Dennoch verehre ich ihn und schreibe momentan eine Schularbeit über ihn.

    Santoro.
    "Es gibt keine Grenzen. Nicht für den Gedanken, nicht für die Gefühle. Die Angst setzt die Grenzen." Ingmar Bergman

  4. #4
    Regisseur
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    Re: Fellinis Roma

    Das ganze Kino ist ein Lügenmedium. Seit der ersten Minute, seitdem die Menschen bei dem hereinfahrenden Zug um ihr Leben fürchteten.
    Das ist das Geniale daran. Und an Fellini, einem mit den schönsten Lügen.

  5. #5
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    Re: Fellinis Roma

    Santoro, ich würde dir da gerne mal "La Dolce Vita" ans Herz legen.Du wirst ihn ja wahrscheinlich ohnehin schon gesehen haben, man kommt ja bei einer Arbeit zum Thema Fellini nur schwer um dieses Meisterwerk herum.
    Meiner Meinung nach haben "LDV" und "Roma" starke Gemeinsamkeiten, was die Atmosphäre, die sie vermitteln angeht. Die Stadt Rom wird von ihm in beiden Fällen als ein verdorbenes, dem Untergang geweihtes Schlaraffenland beschrieben.
    Ich fand besonders die Schluß-Sequenz sehr bezeichnend, in der das kleine, blonde Mädchen (aus dem Strandcafé) Mastroianni von der anderen Seite der Bucht zuruft, er sich aber schließlich doch von ihr abwendet. Ich will ja nicht zuviel hineininterpretieren, aber für mich symbolisiert das Mädchen die vollkommene Unschuld bzw. die absolute Unverdorbenheit.Sie ist Marcello Rubinis letzte Chance, sich aus dem verdorbenen, ziellosen Dasein, zudem sich sein Leben nunmal schluß endlich entwickelt hat, zu befreien und neu anzufangen.

    Geh ich da etwa zu weit?! :wink:

  6. #6
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    Re: Fellinis Roma

    hab gestern Adaptation geguckt. Da sagt Donald Kaufman, dass Felini die Mockumentary erfunden hat (verarschende Doku). Stimmt das? Welche? Worum gehts?

  7. #7
    Regisseur
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    Re: Fellinis Roma

    Fellinis "Die Clowns" (1971 und kürzlich erst im Fernsehen) gilt gemeinhin als erste "mockumentary". Der Film gibt vor, das Leben und den Werdegang des Star-Clowns aus einem Zirkus für's Fernsehen dokumentieren zu wollen. Weite Teile des Films waren allerdings fiktiv und mehrere Szenen gestellt.

  8. #8
    Regisseur
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    Re: Fellinis Roma

    @GinBaker: Ja, "La dolce Vita"... kenne ich, liebe ich! Das süße Leben war mein erster Fellini, durch ihn habe ich seine Filme lieben gelernt. Ich wusste sofort, dass dieser Federico Fellini einmal einer meiner Liebsten sein wird!
    Kennst du "La Strada"? Das ist bis jetzt mein Lieblingsfellini. Nun, danach kommt "La dolce Vita". Ich finde ihn wunderschön. Der Umgang mit der Musik, die immer perfekt eingesetzt wird und mit der kargen Schwarz-Weiss-Ästhetik immer zusammenpasst... traumhaft! Die junge Gelsomina, die von dem rüden, grobschlächtrigen Zigeuner Zampano "gekauft" und "vorgeführt" wird - er lässt sie alberne Stücke aufführen, behandelt sie wie den letzten Dreck - und dennoch hofft (und glaubt) sie inständig, Zampano könnte sie doch ein wenig lieben. Sie bleibt bei ihm, obgleich sie die Chance erhält bei ihrem Zirkusfreund Matto zu bleiben. Sie bleibt bei ihm, selbst als er Matto umbringt. Das finde ich so durchtbar unverständlich. Aber dennoch weiß sie, was sie will. Die kleine, naive Gelsomina. Man hält sie nicht für besonders intelligent. Und gerade das macht sie so liebenswert. So zart. Für Zampano kann man zwischendurch verhaltene Symphatien empfinden, die durch die nächste Missetat seinerseits aber gleich wieder schwinden. Das Ende finde ich auch so furchtbar traurig... nunja, seht ihn euch selbst an.

    Toll finde ich auch "Die Müßiggänger", ein Fellinifrühwerk. Und... ach, eigentlich finde ich sie alle toll. Jedenfalls die, die ich kenne. Ob frühe Werke wie "Julia und die Geister" (sehr faszinierend, aber auch äußerst abstrakt) oder Spätwerke wie "Die Stimme des Mondes" (surreal. Fellinis letzter Film), "Ginger und Fred" (schräg und warmherzig) und "Schiff der Träume" (unterhaltsam, skurril, witzig) - ich könnte sie alle weiterempfehlen.

    Ich schreibe jetzt erst hier rein, weil ich erst eben bemerkte, dass noch jemand hier einen Beitrag schrieb.

    Gruß,

    Santoro.
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