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Thema: Das Wunder von Bern

  1. #1
    laertes
    Gast

    Das Wunder von Bern

    hier eine interessante kritik:

    ---

    Steht auf, wenn ihr Deutsche seid
    Sönke Wortmanns "Das Wunder von Bern" ist der Spielfilm zur Debatte um den "Bombenkrieg" gegen die Deutschen

    von Marit Hoffmann


    Eigentlich hatte sich Peter Lohmeyer ja um eine Rolle als Fußballspieler beworben: "Bei der Besetzung konnte ich ja noch verstehen, daß ich nicht die Konstitution von Helmut Rahn habe. Aber daß ich keinen der Fußballer spielen sollte, war für mich erst einmal schwer einzusehen." Strikt zurückweisen mußte er die Behauptung des Regisseurs und ehemaligen Profikickers Sönke Wortmann, daß es keine Schauspieler gebe, die Fußball spielen können: "Das stimmt ja nicht. Ich habe zum Beispiel beim VFB Stuttgart gespielt - wenn auch nur in der C-Jugend." Für die Fußballszenen in "Das Wunder von Bern" hat Wortmann trotzdem lieber Fußballer ohne Schauspielerfahrung engagiert, und tatsächlich wirkt die nachgestellte Choreographie des WM-Finales von 1954 erstaunlich echt. Die Dialoge der Ballspielerspieler fallen dafür um so hölzerner aus, aber das ist ja auch bei erfahrenen Mimen wie Lohmeyer nicht anders.
    Immerhin bekam Lohmeyers Sohn Louis eine Hauptrolle mit Kickeinlagen, und für den Vater wurde eigens eine Szene eingebaut, in der er seine Ballkünste erproben darf. In seine Rolle als Kriegsheimkehrer - der erst seine Familie tyrannisiert und dem Sohn den Kontakt zu seinem Idol Helmut Rahn verbieten will, aber schließlich einträchtig mit ihm zum WM-Endspiel nach Bern fährt - hat sich Vater Lohmeyer dann doch noch prima eingefühlt: "Man muß sich immer wieder vorstellen, was diese Leute erlebt haben an Sinnlosigkeit, an Verzweiflung, an Angst. Die Geschichten der Heimkehrer haben mich schon fasziniert."
    Den Regisseur offenbar auch. Der als Mischung aus biederem Heinz-Erhard-Schwank und rührseligem Melodram inszenierte Nationalfeierfilm verklärt die Legende, Deutschland habe mit dem überraschenden WM-Sieg 1954 doch noch den Krieg gewonnen.
    Die mit Marschmusik unterlegten Spielszenen aus dem Wankdorf-Stadion montiert Wortmann mit den Reaktionen am Stammtisch daheim, wo Kriegsversehrte und Trümmerfrauen mitfiebern. Sogar die Frau eines Reporters, die vor der WM Fußball für ein Spiel hielt, in dem "24 Männer einem Ball hinterherlaufen", gerät in den Siegestaumel: "Aus den Ungarn machen wir Schaschlik!"
    In der parallelgeführten Familiengeschichte entwickeln die Söhne (der älteste haut in die DDR ab) nach und nach Mitgefühl mit dem Nazi-Vater, der wegen eines Kriegstraumas arbeitsunfähig ist. Denn wie die Enkel, die heute die Kriegsgeschichten ihrer Großeltern forterzählen, ist auch Wortmann endlich erwachsen geworden. Die "sozialpolitische Wichtigkeit" des "Wunders von Bern" habe er erst "mit 17, 18 überrissen, in meiner linksradikalen Zeit - und da fand ich es natürlich Sch eiße. Nicht den sportlichen Erfolg, sondern den Taumel danach." Heute erinnert sich Wortmann mit Kopfschütteln an derartige Jugendsünden: "Ich habe mich mit meinem Vater aufs Blut gefetzt, weil ich ihm persönlich den Zweiten Weltkrieg in die Schuhe geschoben habe - zu Unrecht natürlich." Heute könnten die versöhnlichen Söhne seiner Generation auch das Leid der Täterväter sehen. Da ist es nur konsequent, daß der Rebell i. R. auch die Vergangenheit des ehemaligen Reichstrainers und NSDAP-Mitglieds Sepp Herberger unterschlägt. Er wolle die Figur nicht desavouieren, erklärte Wortmann in Locarno. Im Film ist Herberger der moralisch erhabene, gütige Übervater.
    Daß Vater und Sohn Lohmeyer auf dem Weg aus dem Ruhrpott nach Bern über Alpenpässe fahren müssen, mag dagegen als, nun ja, künstlerische Freiheit durchgehen. Doch das Kunstwerk endet in einer Idylle der werktätigen deutschen Feldarbeiter vor untergehender Sonne (das Wirtschaftswunder läßt grüßen) - soviel Kitsch und sowenig deutsche Selbstkritik waren nicht nur ausländischen Kritikern bei der Uraufführung in Locarno Grund zur Häme.
    Der Tod Helmut Rahns, der wie Fritz Walter die Premiere des Films nicht mehr erlebte, beschwor in Deutschland noch einmal - keine schlechte PR für Wortmanns "Wunder" - einen nationalen Gedenktag herauf. Neben Gerhard Schröder, für den der Stürmer ein "großes persönliches Vorbild" war, erinnerte sich Peter Boenisch in "Bild" an Rahns entscheidenden Schuß. Der Rundfunk-Reporter Herbert Zimmermann habe ihm später anvertraut: "›Das war mein wichtigstes Tor‹, als hätte er es geschossen. Er war verwundet aus dem Krieg gekommen. Ritterkreuzträger. Ein tapferer Soldat, kein Nazi. Für ihn war dieses Tor von Helmut Rahn die Befreiung vom Krieg."
    Sönke Wortmann glaubt, beim Finale 1954 sei "etwas entstanden, was es heute noch gibt: daß eine deutsche Nationalmannschaft nie aufgibt". Ein deutscher Filmemacher leider auch nicht. "Jetzt ist dieses Gefühl wieder da, fast wie damals ... Dieser Glaube an sich selbst, diese mentale Stärke, das geht alles auf 1954 und Helmut Rahn zurück."
    Nicht nur Adidas unterstützt diesen, dem Productplacement durchaus nicht abgeneigten Film, sondern auch der Deutsche Fußball-Bund, der im kommenden Jubiläumsjahr mit Ausstellungen an das "Wunder von Bern" erinnern will. Denn "nach diesem phantastischen Auftreten der deutschen Spieler zollte die internationale Szene den Helden von Bern großen Respekt. Das durch den Krieg leidgeprüfte deutsche Volk begann langsam wieder, etwas Selbstvertrauen zu tanken, und gewann den Glauben an sich zurück." Der Kanzler, der die filmische Entsprechung zu Jörg Friedrichs Der Brand und Günter Grass' Geschichte vom Untergang der Wilhelm Gustloff schon vorab gesehen hat, dürfte an dieser Art der "Vergangenheitsaufarbeitung" Gefallen finden. Und wer weiß, vielleicht landet "Das Wunder von Bern" schon bald auf dem Lehrplan - als würdiger Nachfolger der Heimkehrersaga "Soweit die Füße tragen", die in den letzten Jahren in vielen Schulklassen zur Veranschaulichung des Geschichtsunterrichts auf dem Programm stand.
    Eins hat Wortmann allerdings nicht bedacht: Wenn Lohmeyer sein Gesicht in Falten wirft und in Tränen der Rührung ausbricht, kann der Zuschauer nicht anders als losprusten. Denn deutsche Schauspieler können nun mal nicht nur nicht Fußball spielen, sie können auch nicht schauspielen.

    (Quelle: konkret 10/2003)

  2. #2
    Regisseur Moderator Avatar von KeyzerSoze
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    Re: Das Wunder von Bern

    Freu mich auch schon total auf den Film! Das deutsche Kinojahr hat ja 2003 schon richtig viele gute Filme gehabt und ich glaube "Das Wunder von Bern" wird wohl der Höhepunkt sein!

    Noch 2 Wochen *freu*

  3. #3
    laertes
    Gast

    Re: Das Wunder von Bern

    @keyzer:
    ähhhm..., hast Du den text oben gelesen? oder ist das ironisch gemeint?

  4. #4
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    Re: Das Wunder von Bern

    also hab letztens den Trailer gesehen und fands gar nicht so prall.
    Vielleicht täuscht es ja, aber mir schien es fast, als seien die paar Minuten schon das Beste an dem Film gewesen-also werd ihn sicher nicht im Kino sehen.

    Zudem waren Fußballfilme ja bisher alle nicht so richtig gut(hab hier noch "Kick it like Beckham" rumliegen-der soll ja die Ausnahme von der Regel sein)-man erinnere sich nur an "Libero"...

    aber zum Text:
    Den fand ich genauso schlimm: Es ist ein Unterhaltungsfilm und keiner der die Geschichte des 3.Reiches aufarbeiten soll-seh auch nicht, wo es für die Story Sinn macht, dass man das mit eingebaut hätte
    Scheinbar wollte der Autor mal wieder so polemisch wie möglich sein...

  5. #5
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    Re: Das Wunder von Bern

    Zitat Zitat von laertesdd
    hier eine interessante kritik:

    ---


    von Marit Hoffmann


    Denn deutsche Schauspieler können nun mal nicht nur nicht Fußball spielen, sie können auch nicht schauspielen.

    (Quelle: konkret 10/2003)

    Was eine dämliche Verallgemeinerung. Ich hab gestern mal wieder mit Kumpels einen "Musterknaben" Abend gemacht, da Montag ja der dritte Teil ansteht. Das hat mir schon bewiesen, dass deutsche Schauspieler schauspielern können.
    Ich freu mich aufs "Wunder von Bern". Allerdings muss ich sagen, dass ich wohl alles mag, wo Fussball drin vorkommt
    -"Shoot him again"
    -"What for?"
    -"His soul is still dancing"

  6. #6
    laertes
    Gast

    Re: Das Wunder von Bern

    Zitat Zitat von Gerd.Pansen
    "[...] Scheinbar wollte der Autor mal wieder so polemisch wie möglich sein [...]"
    mal wieder? KENNST Du die autorin etwa?


    Zitat Zitat von Argonaut
    "Was eine dämliche Verallgemeinerung. [...] muss ich sagen, dass ich wohl alles mag, wo Fussball drin vorkommt."
    no comment.

  7. #7
    Gast

    Re: Das Wunder von Bern

    Wieso ahnte ich nur nach dem ersten Drittel aus welcher Quelle diese Kritik kommt...? :wink:

    Da ich den Film bisher nicht gesehen habe, kann ich mich dazu leider nicht äußern.
    Es fällt mir aber schwer zu glauben Worthmann "verklärt die Legende, Deutschland habe mit dem überraschenden WM-Sieg 1954 doch noch den Krieg gewonnen."

    Überhaupt finde ich es sehr fragwürdig immer nur diese eine Seite der unvorstellbaren Schuld der Deutschen im dritten Reich zu sehen.
    Ich will hier nichts verharmlosen oder beschönigen! Was damals geschehen ist, ist so perfide, grausam und unmenschlich, daß mir allein die Vorstellung oft genug die Tränen in die Augen treibt...
    Aber auch Deutschen sind in dieser Zeit -und danach- schreckliche Dinge widerfahren. Aber das sind ja Nazis gewesen, selber Schuld - oder was???
    Konkret ist Leben ist nicht schwarz-weiß...

  8. #8
    Regisseur Moderator Avatar von KeyzerSoze
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    Re: Das Wunder von Bern

    Der wird gut werden! Der kann nur gut werden! Und das mit Abstand einer der besten Trailer die ich seit langem gesehn habe.

  9. #9
    Nebendarsteller
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    Re: Das Wunder von Bern

    Der wird gut werden! Der kann nur gut werden! Und das mit Abstand einer der besten Trailer die ich seit langem gesehn habe.
    Jetzt echt , ich fand den Trailer total abstoßend.
    Five-Point Palm - exploding heart technique

  10. #10
    Regisseur Moderator Avatar von KeyzerSoze
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    Re: Das Wunder von Bern

    Ja, ernsthaft!

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