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Thema: Dancer in the Dark

  1. #1
    Regisseur Moderator Avatar von Anne
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    Dancer in the Dark

    "They say it's the last song
    They don't know us, you see
    It's only the last song
    If we let it be"


    Bisher kein Topic zu diesem Film von Lars von Trier?

    Nun gut, ich denke, einige von Euch werden ihn kennen; nicht zuletzt weil er letzte Woche auf ARTE lief.

    Von Triers Anti-Musical ist sicherlich einer der schwer verdaulichsten Filme der letzten Jahre. Und Sängerin Björk beeindruckt durch ihre völlig natürlich wirkende, gnadenlos-sensible Darstellung der erblindenden Fabrikarbeiterin Selma.

    Intensive Bilder im Dogma-Stil, großartige Darsteller (darunter Chatherine Deneuve, David Morse und der wunderbare Peter Stormare) und die ganz eigene Musik von Björk machen "Dancer in the Dark" zu einem Erlebnis. Allerdings denke ich, daß jeder zwei mal überlegt, ob er bereit ist, sich das ganze erneut anzutun...

  2. #2
    laertes
    Gast

    Re: Dancer in the Dark

    i've seen what i was
    and i've seen what i'll be
    i've seen it all
    there's no more to see




    ich habe den film sogar dreimal geschafft! und das war ein schweres werk.
    aber mein ziel war es, den todestrafenbefürwortern, die ich ins kino einlud (!), etwas heftiges entgegenzusetzen.
    dass von triers meisterwerk neben der aussage auch künstlerisch, sprich: filmisch wie musikalisch, das beste ist, was ich je gesehen habe, erwähne ich nur am rande. nach breaking the waves war nichts anderes zu erwarten.
    allerdings bin ich selten so traurig und bestürzt gewesen nach einem film.
    björks musik ist mir schon seit langem sehr lieb und wichtig. ich habe - glaube/hoffe ich - alles von ihr erhältliche hier (incl den sugarcubes). kennt Ihr eigentlich gling-gló? (= björk als sängerin in einem isländischen jazz-quartett; abgefahren, aber genial!).



    p.s.:
    was ich nie zuvor und seitdem nie wieder erlebt habe, war für mich überwältigend und... wunderschön: ALLE zuschauer (in allen drei vorführungen) sind sitzengeblieben, bis der abspann vorbei war. alle waren vollkommen still. bis auf die, die heftigst weinten. schließlich machten sich alle leise und stumm auf den weg aus dem kino. das war eine art zusammenhehörtigkeitsgefühl nach diesem film, wie ich es wirklich noch nie erlebt habe.

  3. #3
    Admin Avatar von Matt
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    Re: Dancer in the Dark

    ich glaube kaum das es noch kein Topic zu "Dancer in the Dark" gibt... werde ich schon noch ausfindig machen
    If it can be written, or thought, it can be filmed. (Stanley Kubrick)

  4. #4
    Regisseur Moderator Avatar von Anne
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    3.513

    Re: Dancer in the Dark

    Zitat Zitat von laertesdd
    aber mein ziel war es, den todestrafenbefürwortern, die ich ins kino einlud (!), etwas heftiges entgegenzusetzen.
    Ich bezweifle ein wenig, daß "Dancer in the Dark" als Plädoyer gegen die Todesstrafe etwas taugt. Denn Lars von Trier drückt hier ganz bewußt, gekonnt und sehr erfolgreich auf die Tränendrüse. (nicht negativ gemeint.)
    Niemand, der die Todesstrafe befürwortet, wird diesen Film als ernsthaftes Argumnet dagegen akzeptieren können, dafür ist die Darstellung zu einseitig udn simpel. Es findet keine Auseinandersetzung, mit dem Thema statt. Eine Diskussion ist nicht möglich, da wohl keiner der Meinung sein kann, Selma verdiene diesen oder überhaupt den Tod.
    Abgesehen davon glaube ich auch nicht, daß der Regisseur hier ein Statement gegen die Todesstrafe machen wollte.

    Nichtsdesto trotz ist "Dancer in the Dark" einer der intensivsten Filme, die mir bisher untergekommen sind. Aber genau das, wollte Lars von Trier auch.

  5. #5
    Regisseur
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    Re: Dancer in the Dark

    hm....mich hat der Film nicht sonderlich berührt muss ich sagen. Vielleicht war ich in dem Moment einfach zu kalt um noch etwas zu empfinden oder mich drauf einzulassen. Ich denke ich kucke mir lieber zum 4. Mal "Requiem For A Dream" an oder "Hotaru no haka", das sind die Filme die mich wirklich vernichtet haben.

  6. #6
    laertes
    Gast

    Re: Dancer in the Dark

    sehr schön, anne, ich gehe davon aus, dass Du mit lars telefoniert hast? da Du ja so genau weisst, was er wollte.
    im ernst:
    man findet in der tat in dancer in the dark keine argumente gegen die todesstrafe...:



    • man kann selma den 'mord' nachweisen,[/*:m:f0cuoxrc]
    • der staatsanwalt ist kein rassist und antikommunist,[/*:m:f0cuoxrc]
    • ihr anwalt ist nicht unfähig,[/*:m:f0cuoxrc]
    • die tatsachen werden vor der jury nicht verdreht, insb nicht von selmas nachbarin, ihrem augenarzt und ihrem arbeitgeber,[/*:m:f0cuoxrc]
    • auf ihre fast-blindheit wird rücksicht genommen,[/*:m:f0cuoxrc]
    • ihr kind steht nach ihrem tod nicht allein da[/*:m:f0cuoxrc]
    • und ausserdem zeigt von trier nicht mit allen mitteln, welche umstände einen menschen derart zur verzweiflung bringen können, dass er einen anderen menschen tötet.[/*:m:f0cuoxrc]




    und, anne, natürlich ist dancer in the dark erst recht kein film gegen kapitalismus und ausbeutung, oder?. natürlich nicht! ist ein reiner kunstfilm. ohne politische aussage. lars wollte uns alle nur zum weinen bringen. todesstrafe und fabriken? gibt's sowas überhaupt in wirklichkeit?

    naja, vielleicht solltest Du den film doch mehrmals sehen... (nur ein tipp).

  7. #7
    Regisseur Moderator Avatar von Anne
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    Re: Dancer in the Dark

    In diesem grundlos aggressiven Ton diskutiere ich nicht mit Dir, Laertes.
    Nicht mehr. Das ist nicht mein Niveau.

  8. #8
    Regisseur
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    3.830

    Re: Dancer in the Dark

    Ich empfinde "Dancer In The Dark" durchaus als einen Film gegen die Todesstrafe, denn wenige Filme zeigen mit einer derartig minutiösen Ausarbeitung die Perversion im Akt der Hinrichtung. Lars von Trier breitet jeden Moment in Selmas Erhängung aus, macht sie ganz bewusst zu einer schier unerträglichen Qual für den Zuschauer, und läßt schließlich mit dem Moment des Aufklappens der Falltür im Boden alles radikal und schmucklos enden. Ich finde es faszinierend, wie die Szene am Ende auch bewegen und schockieren würde, wenn wir Selma als Charakter überhaupt nicht zuvor kennengelernt hätten - allein die in jedem Detail dargestellte, ja fast zelebrierte Tötung bringt die absolute Gesamtheit der Widerlichkeit der Todesstrafe zutage.


    Noch interessanter als seine politischen Dimensionen (wenn "Breaking The Waves" von Triers Autoreflexion über seinen tiefen katholischen Glauben war, dann ist "Dancer In The Dark" seine Verarbeitung und in gewisser Hinsicht auch seine traurige Verabschiedung von Jahrzehnten als Sozialist) finde ich "Dancer In The Dark" inzwischen - und da gebe ich Anne recht, wenn sie sagt, daß von Trier bewusst "auf die Tränendrüse drücken will" - vor allem im Hinblick auf seine fast schon satirische Übersteigerung von Pathos und "großen Gefühlen". Ähnlich wie seinerzeit Visconti arbeitet auch Lars von Trier mit überdimensionalen Emotionen und schafft ein Kino der reinen, übermannenden Gefühle, in dem der Zuschauer hineingestoßen wird in Brecht'sche Ungerechtigkeitswelten der grotesken und tieftragischen Zufälligkeiten und die Grenzen seiner eigenen emotionalen Belastbarkeit ausloten muss.

    Manche finden das kitschig; ich finde es meisterlich.



    P.S.: Jedem, der sich für LvT interessiert, sei der wunderbare Interviewband "Trier über von Trier" empfohlen, in welchem dem Phänomen Lars von Trier mit all seinen Kuriositäten, Widersprüchlichkeiten, den Angst- und Paranoiazuständen etc. mit unerbittlichen Fragen auf den Grund gegangen wird.

  9. #9
    Zuschauer
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    Berlin
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    19

    Re: Dancer in the Dark

    Lars von Trier bzw. seine Filme sind einfach nur unerträglich. Der Typ hat 'ne echte Macke.

  10. #10
    Nebendarsteller
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    275

    Re: Dancer in the Dark

    besonderst gut sind solche aussagen, wenn man sie so detaliert begründet. :wink:
    on every street there´s a nobody who dreams of being somebody.
    he´s a lonely forgotten man desperate to prove that he´s alive.

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