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Thema: Brief von Dr. Hannibal Lecter

  1. #1
    Statist
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    Brief von Dr. Hannibal Lecter

    Am 15.02. trifft folgender Brief bei uns in der Redaktion ein. Adressiert bzw. geschrieben von Dr. Hannibal Lecter, mit der Bitte um Veröffentlichung, welcher wir hiermit nachkommen möchten. O-Text Dr. Hannibal Lecter: "Liebe Cinemaniacs-Fangemeinde, in tiefer Verbitterung wende ich mich an Sie und hoffe auf diesem Wege für einige Momente Ihre kostbare Zeit für mich in Anspruch nehmen zu dürfen. Die letzten Jahre waren für mich nicht nur eine Reise hinab in den wohltuenden Genuß vom dämmernden Licht Alteuropas, eine kulinarische Erfahrung und eine Vertiefung meiner Psychologismen, sondern auch ein Kampf, ein schmerzendes Ärgernis gegen die massenmedial informierte Öffentlichkeit. Nichts lag mir ferner im Sinn, während ich mich meiner Taten ergötzte, als ein auf der ganzen Welt bekanntes Aushängeschild für serienkilleresken Intellekt oder des analytischen Kanibalismus zu werden. Ich tat was ich tun mußte und reagiere mit meinem Handeln lediglich auf die mir auferlegte Existenz. Nie waren meine Taten für andere bedacht, sondern galten der Beruhigung meines eigenen Instinktes. Werke wie Der Rote Drache und meterhohe Advertising Kampangen mit meinem Konterfei standen nie in meiner Absicht. Aber es ist nun mal so geschehn. Der Lauf der Zeit und die Lust der Öffentlichkeit an mir wurde mit einer Trilogie des Schreckens besänftigt. Doch dazu muß ich, nach Jahren des Schweigens und der Akzeptanz meinerseits, jetzt mein Wort richten. Als die erste Geschichte meinerweniger erzählt und Der Rote Drache genannt wurde, war ich ein wenig verbittert darüber wie lieblos ich als Randfigur einem reißerischen Spannungsaufbau weichen mußte. Zorn und eine gewisse Form von Mißachtung zerrten an mir und erst Jahre später fand ich Erleichterung beim Schweigen der Lämmer. Ein Film so klar und wahr wie ein gut gereifter Wein, wie ein kühler Abendhauch. Danke für diese Offenbarung und meisterlich umgesetzte Ode an mich selbst. Ich fand dadurch Ruhe und fühlte mich in gewisser Weise verstanden, fand ein Schweigen in mir selbst. Doch dabei sollte es nicht bleiben: Hannibal heißt der neueste Versuch mir ein wenig näher zu kommen und was soll ich sagen, nie zuvor war ich mir so mißverstanden worden. Lassen Sie mich meine Mißgunst erläutern und beginnen mit der Tatsache, das ich durch diesen Film entmystifiziert worden bin. All die Faszination und die bedrohliche Ruhe, die mir im zweiten Film zu Recht auferlegt worden, sind zu Nichte gemacht. Hollywod verkaufte mich an einen Hype, an einen allgemeinen Aufruf nach mehr Zugänglichkeit. Man modelliert mich um, vom intellektuellen Ästeht hin zu einer Witzfigur. Man nahm mir mit diesem Film jegliche Tiefe und Glaubwürdigkeit dadurch, das mir flapsige Sprüche und dämliche Oneliner in den Mund gelegt wurden, wie sie vielleicht in Teenieslashern angebracht wären, aber nicht in meiner Präsenz. In diesem Film wirke ich wie eine Kreuzung aus Mickey Mouse und Freddie Krueger. Absolut unvertretbar. Desweiteren kommt nicht auch nur zu einem einzigen Moment einmal annähernd Spannung auf. Die Geschichte die von mir erzählt wird, wirkt absolut zerfahren und lieblos aneinandergereiht. Der Film verliert sich in der Idee möglichst viele, schöne Aufnahmen einer tollen Stadt zu zeigen, anstatt mir und Clarice die Möglichkeit zu geben, unsere Beziehung zueinander weiter zu entwickeln. Die Figur der Clarice wird zwar wirklich sehr gut dargestellt, bekommt aber lediglich die Chance sich genau einen Schritt weiter zu entwickeln. Der Rest des Films hat nichts weiter zu bieten: ein paar gelungen atmosphärische Aufnahmen, eine überzeugende Hauptdarstellerin, eine Meisterleistung an Maskenbildnerei und das wars. Keine Spannung, keine Psychologie, keine humangastronomischen Exzesse die glaubhaft sind und keine Logik. Was ist passiert, wieso wirkt der Film wie ein Best-Off des Romans, ohne Rücksicht darauf, das dadurch alles an Bestand verliert? Als Zuschauer bleibt einem nicht mehr, als über meine dummen Sprüche zu lachen und einem Schrecken entgegenzufiebern, der niemals stattfinden wird. Ich möchte mich auf diesem Wege dafür bei Ihnen entschuldigen, das Sie Ihre kostbare Zeit für dieses seelenlose Machtwerk verschwendeten. Ich fühle mich in keinster Weise vertretbar durch diesen Film präsentiert. Glauben Sie mir, das ich mit den Verantwortlichen noch ein paar Worte darüber verlieren werde, vielleicht bei einem gemütlichen Dinner, einer Flasche Chianti und ein paar Nierchen . . .
    Hochachtungsvoll Dr. Hannibal Lecter."

  2. #2
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    Brief von Dr. Hannibal Lecter

    Hi Marco,
    darf ich fragen, warum diesen Brief nicht als offizielle Kritik zu "Hannibal" abgedruckt hast?
    Das ist doch sonst der Stil Deiner Rezensionen.
    Evil is a point of view (Interview with the Vampire)

  3. #3
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    Brief von Dr. Hannibal Lecter

    Dr. Lecter muß den Film aber schon irgendwo schätzen, denn sein "Alter Ego" Sir Anthony Hopkins plant schließlich schon einen vierten Teil, in dem Hannibal dann sterben soll...

  4. #4
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    Brief von Dr. Hannibal Lecter

    Für 10 Mio Dollar Gage und eine prozentuale Gewinnbeteiligung an einem Film der bereits am Startwochenende 58 Mio Dollar eingepielt hat würde glaub ich jeder nochmal in die Rolle schlüpfen.

    Außerdem, erwartest Du tatsächlich Anthony Hopkins würde bei der Premiere seines neuen Films auf der Berlinale sagen: "Ach eigentlich ist der Film ja ziemlich scheiße, gehen Sie bitte nicht rein."?

  5. #5
    Regisseur
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    Brief von Dr. Hannibal Lecter

    Naja, ich denke nicht, daß Anthony Hopkins es so zwingend nötig hat, noch großartig für Geld vor der Kamera zu stehen. Der bekommt doch wahrscheinlich fast jede Rolle, die er will...

  6. #6
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    Brief von Dr. Hannibal Lecter

    Eine Reihe Ungeordneter Gedanken Zum Thema HANNIBAL

    anthony hopkins selber hat das, zugegebenermaßen, etaws lahme auftreten seines alter ego damit begründet, dass er selbst und der charakter hannibal zwischenzeitlich um zehn jahre gealtert sind. hat was logisches an sich, oder?

    bedauerlicher fand ich, dass der film, verglichen mit dem roman, so grausam verstümmelt daher kommt. ja, ich weiß, sowas wird sich bei verfilmungen nie verhindern lassen. doch wenn man die beiden roman das schweigen der lämmer und hannibal vergleicht, muss man zugeben, dass sich autor thomas harris hier enorm gesteigert hat, auch wenn die figur hannibal erstaunlich blutleer bleibt.

    was mir darüberhinaus sorgen macht ist, wie harris seine romanreihe so fortsetzen will, dass sich die fortsetzung auch in die filreihe fügt. denn unterschiedlicher könnten film- und romanende wohl kaum sein.

    ich denke, anthony hopkins hat dem kannibalen überhaupt erst leben eingehaucht (im roman hat die figur nicht einmal einen bruchteil der faszination, die sie im film hat). irgendwie gehört die rolle ihm. soll er lecter doch sterben lassen, wenn er möchte.

  7. #7
    Zuschauer
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    Brief von Dr. Hannibal Lecter

    achja, marco, mir dem chianti hast du recht, aber dr. lecter hat noch nie eine niere verspeist, nur lebern und thymusdrüsen (bries). :wink:

  8. #8
    Regisseur
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    Brief von Dr. Hannibal Lecter

    Ohaaahhh... Thymusdrüsen... *schleck*... köstlich... :wink:

  9. #9
    laertes
    Gast

    AW: Brief von Dr. Hannibal Lecter

    naja, ob das jetzt die topiceröffnung wert war? ich weiß ja nicht...

    oh! jetzt ist das topic von ganz hinten nach ganz vorn gerutscht...

  10. #10
    Hauptdarsteller Avatar von Harvey Dent
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    AW: Brief von Dr. Hannibal Lecter

    Oh mein Gott, wie lange es jetzt wohl dauert bis es wieder ganz hinten ist?

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