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Thema: Enemy

  1. #1
    Bob
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    Enemy



    You already have enough trouble sticking with one woman, don't you?


    Vorweg schon mal: Bestes Ende ever.

    Stilistisch hat mich Villeneuve zunächst hier positiv überrascht (wenn auch nur auf Incendies beruhend), und zwar insofern, dass er sich nicht auf eine Handschrift festzulegen scheint. Enemy hat mich gleich an eine ganze Armada guter Regisseure/Writer erinnert, darunter David Lynch (das Kafkaesque Element, obviously, aber auch Glamour-Hollywood (meine Lieblingsszene neben dem Ende: Die Inszenierung des Film im Film)), Charlie Kaufman (der schwarze Humor inmitten der weirdness), Lars Von Trier (sexuelle Obsession) und auch ein Ticken Gaspar Noé (unvermittelt einschlagende Härte bzgl. car crash). Wobei ich jetzt keinen Flickenteppich vor Augen hatte, sondern schon eine homogene Struktur - aber nun mal ganz anders als Incendies. Nur das color grading hat mich hier ein wenig angeödet, dieses Khaki Braun ist einfach nicht meins. Persönlich ist der behandelte Konflikt leider etwas an mir vorbeigegangen, mit Schwangerschaft und Affairen musste ich mich in meinem bisherigen Lebensabschnitt (zum Glück?) noch nicht auseinandersetzen und daher bin ich mir nicht sicher, ob Villeneuve hier vielleicht das Thema etwas zu sehr aufgeblasen hat. Als psychologischen Mystery-Albtraum bin ich dem ganzen aber gerne gefolgt. Gyllenhaal mal wieder top Form, bei dem ich mittlerweile nur noch zu bemängeln hätte, dass ich ihn gefühlt schon fast zu oft sehe.
    Top-Film, auch wenn es mir schon fast etwas Leid um den behutsamen Aufbau tat, ihn in mit einer abrupten Punchline zu entlassen.
    But from that moment on, Hermione Granger became their friend.

  2. #2
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    AW: Enemy

    WAS ist denn das da im Bildhintergrund Großes, ein Spinnenmonster?

  3. #3
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    AW: Enemy

    Zitat Zitat von Bob Beitrag anzeigen
    Vorweg schon mal: Bestes Ende ever.
    Echt jetzt? Das Ende war schon ein ziemlicher Schockmoment, aber verstörender fand ich, als die Credits runterrollten, weil mein Gefühl war, dass da noch einiges offen blieb (vor allem, was diesen ominösen Club angeht).
    Ich musste zunächst erst einmal googeln, wie der Streifen von anderen interpretiert wird. Zufällig bin ich dann später noch auf den Roman gestoßen, auf dem der Film basiert: Der Doppelgänger von José Saramago. War auf jeden Fall aufschlussreich und interessant zu vergleichen. Der Roman ist dabei eindeutiger, was die Realität von Gyllenhaals Doppelgänger betrifft.

  4. #4
    Bob
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    AW: Enemy

    Zitat Zitat von mondegreen Beitrag anzeigen
    (vor allem, was diesen ominösen Club angeht).
     

    Ich denke der existiert nicht wirklich (sowie der Auto-Crash, der nicht mehr als eine Beendigung des Doppellebens (=Affaire) visualisierte). Der Schlüssel zum Schluss repräsentiert das erneute Aufbegehren nach einer Affaire. Daher 'verwandelt' sich die Frau wieder in eine Spinne (die im Club unter high-heels einer sexy und nicht schwangeren Frau zerquetscht wird). Der resignierende Seufzer des unsteten Ehemanns, gefolgt von den munteren Credits machen das Ende so verdammt komisch. Würde den Film daher nicht unbedingt mit meiner schwangeren Ehefrau zusammen gucken.


    @Wolfe: Ja, eine itsy bitsy spider.
    But from that moment on, Hermione Granger became their friend.

  5. #5
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    AW: Enemy

    Zitat Zitat von Bob Beitrag anzeigen
     

    Ich denke der existiert nicht wirklich (sowie der Auto-Crash, der nicht mehr als eine Beendigung des Doppellebens (=Affaire) visualisierte). Der Schlüssel zum Schluss repräsentiert das erneute Aufbegehren nach einer Affaire. Daher 'verwandelt' sich die Frau wieder in eine Spinne (die im Club unter high-heels einer sexy und nicht schwangeren Frau zerquetscht wird). Der resignierende Seufzer des unsteten Ehemanns, gefolgt von den munteren Credits machen das Ende so verdammt komisch. Würde den Film daher nicht unbedingt mit meiner schwangeren Ehefrau zusammen gucken.
     
    Das ist eine sehr interessante Interpretation, die mir auch stimmig zu sein scheint, wenngleich mir die Details der Handlung nicht mehr präsent sind. Denkst du, dass der Film auch funktionieren oder Sinn ergeben würde, wenn man den Doppelgänger als real setzte? Dies ist nämlich in der Buchvorlage der Fall. Die Ebene mit den Spinnen=weibliche Kontroll-/Eifersucht ist dagegen Zugabe der Filmadaption.

  6. #6
    Bob
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    AW: Enemy

    Zitat Zitat von mondegreen Beitrag anzeigen
     
    Denkst du, dass der Film auch funktionieren oder Sinn ergeben würde, wenn man den Doppelgänger als real setzte? Dies ist nämlich in der Buchvorlage der Fall. Die Ebene mit den Spinnen=weibliche Kontroll-/Eifersucht ist dagegen Zugabe der Filmadaption.
     

    Krass, das überrascht mich doch sehr (@Roman und 'echter' Doppelgänger). Mir hat sich das nie wirklich aufgedrängt, da der 'Trigger' für mich (anscheinend vermeintlich, nach deiner Info:) offensichtlich war. Gyllenhaal A guckt diesen fiktionalen Film ('something cheering up' oder so :D - Kaufman Humor) am Laptop recht konzentriert, wenn auch weniger emphatisch. Dann will er mit seiner Partnerin Sex haben, die das aber nicht will, oder zumindest nicht auf diese Art, worauf Gyllenhaal das kurz forciert, weswegen die Frau ihn dann recht angepisst verlässt. Erst da schnappt sich Gyllenhaal wieder den Film und entdeckt sich selbst (Gyllenhaal B). So habe ich das von Anfang an als eine Spirale von Identitäts-Konflikt aufgenommen (sonst hätte er sich schon beim ersten Angucken selbst entdeckt).
    Als verlässlichster Protagonist kam mir dabei seine schwangere Ehefrau vor (neben der Mutter, die denke ich als einzige Figur nie als Kopfgeburt gehandelt hat). Die liefert uns verbal die backstory, dass Gyllenhaal B (der actor) in der Vergangenheit eine Affaire hatte (Partnerin von Gyllenhaal A). Sie konfrontiert ihn damit, als Gyllenhaal A bei beiden zuhause anruft. Sie nennt ihn einen Lügner und wir als Zuschauer wissen, dass sie Recht hat (retrospektive könnte tatsächlich wie von ihr spekuliert die Geliebte dran gewesen sein).
    Aber ich denke man kann den Film auch nun nicht überall in eine Interpretation stopfen und szenenweise argumentieren. Es gibt zum Beispiel die Szene, in der die Schwangere zur Schule fährt und Gyllenhaal A begegnet. Das lässt sich dann nur über Fantasie oder Schizophrenie erklären - auch welchen Beruf Gyllenhaal nun letztendlich ausübt (ich vermute er ist tatsächlich Lehrer und hat aber trotzdem von einer Schauspiel-Karriere geträumt (das legt auch der Dialog mit der Mutter nahe: "forget the silly idea of being a third grade actor" oder so ähnlich)).
    Ich denke im Großen und Ganzen behandelt der Film Eskapismus vor Familie und Treue. Seine schwangere Frau ist eine Spinne, weil das kommende Kind und die Ehe ihn in einem Netz gefangen nehmen wird. Seine Flucht liegt in der Affaire und dem Traum ein Hollywood-Star zu sein. Motorrad fahren, Lederjacke. Geheime Orgien in exklusiven Hinterstübchen. Ein wenig Tyler Durden. Am Ende findet scheinbar eine Versöhnung statt, Affaire und Träumerei werden buchstäblich gekillt und der Ehemann hat mit seiner schwangeren Frau angenehmen Sex. Fast ein Happy End. Dann doch wieder sofort die Versuchung, die Bitte um am Abend alleine ausgehen zu können und schwupps, alles wieder im Arsch. Niemand hat was gelernt, credits roll, curtains closed.
    Im übrigen denke ich auch, dass viele Lehrsätze aus seinen Vorträgen darauf Bezug nehmen. So zum Beispiel der Spruch von Hegel (?) bezüglich sich wiederholender historischer Tragödien: the first time it's happening it's a tragedy, the second time it's a farce. -> Ehebruch.
    But from that moment on, Hermione Granger became their friend.

  7. #7
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    AW: Enemy

    Sehr eindrücklich deine Interpretation, danke dafür! Sie zeigt mir auch auf, wie das Drehbuch mit einigen Änderungen gegenüber der Romanvorlage ganz andere Schwerpunkte setzt, obwohl der Plot im Prinzip derselbe ist.

  8. #8
    Regisseur Moderator Avatar von John McCane
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    AW: Enemy

    geiler film, villeneuve mit fantastischem track-record bisher. bezüglich interpretation musste ich schmunzeln; war nämlich zuerst bei wiki und das gegenüberstellen vom gyllenhall-quote und dem von villeneuve wirkt fast wie ne parodie auf hollywoodschauspieler vs. artsy-fartsy quebecoise director:
     

    Regarding the two physically identical characters: "You don't know if they are two in reality, or maybe from a subconscious point of view, there's just one," said Villeneuve. "It's maybe two sides of the same persona … or a fantastic event where you see another [self]."[10] Gyllenhaal says that Enemy is "about a man who is married, his wife is pregnant, and he’s having an affair. He has to figure himself out before he can commit to life as an adult."
    ich mochte während des films den ansatz mehr, alles als "echt" anzusehen, so waren die szenen mit der schwangeren und dem professor um so intensiver und sehr einfühlsam. die cut-and-dry-analyse gyllenhall's und bob's hängt natürlich auch immer überm film wie die netze der strassenbahnen und die riesenspinne. hab btw ne phobie vor spinnen und die szene vorm zerquetschen hat mich am meisten fertig gemacht, da haben sich zwei seperate dinger an arsch der spinne unabhängig voneinander bewegt, wtf?!
    anyways, guter film.
    Forget about Freeman

  9. #9
    Regisseur Avatar von soulassassin
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    AW: Enemy

    Muss den irgendwann nochmal gucken, bin bei meiner Sichtung bestimmt 2-3mal weggeratzt... mit Spinnen hab ichs übrigens auch nicht so und das ist noch recht untertrieben ausgedrückt . Bei der Schlusssequenz ist mir fast das Herz stehen geblieben, scheisse hab ich mich da erschrocken

  10. #10
    Regisseur Moderator Avatar von John McCane
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    AW: Enemy

    i feel you, was soll das auch, die ganzen bewegenden teile ist doch overkill

    edit: nächster stop: incendies
    hat hier wer die filme vor incendies von villeneuve gesehen?
    Geändert von John McCane (23.01.2016 um 14:32 Uhr)
    Forget about Freeman

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