Ergebnis 1 bis 10 von 10

Thema: The Monuments Men

  1. #1
    Bob
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    The Monuments Men



    The army may not care about art, but they sure as shit care about gold.

    The Monuments Men ist ein ziemlich ungewöhnlicher Kriegsfilm, zumindest wenn man auf das Produktionsjahr schielt und dort 2014 und nicht etwas wie 1963 steht, dem Jahr in dem The Great Escape erschien. So gibt es hier keine zeitgemäße Splatterei wie in James Ryan oder dunkel pessimistische Töne wie bei Hurt Locker. Vielmehr stapfen hier alte Haudegen pfeifend durch das WW2-Setting und es wird ironischer Alt-Herren-Humor bedient. Das kann man auf den ersten Blick verwerflich finden, schaut man ein wenig genauer hin, wird hier aber lieber indirekt erzählt: Statt on-screen-Gewalt sehen wir die riesigen Hallen mit enteignetem Besitztum, ganze Fässer gefüllt mit Goldzähnen, die man den Juden gezogen hat, und deutsche Verantwortungs-Flüchtige, in Uniform sowie in Zivil. Diese Verlagerung des Fokus entspringt zunächst mal der Story, die sich nicht um ballerende Kriegshelden dreht, sondern eher ein Plädoyer für den Erhalt der Kunst, im weiteren Sinne der Kultur und der Identität darstellt. Das mag dann leider Monuments Men nicht so ganz gelingen. Es gibt zwar ein paar schöne Ansprachen, die uns die Wichtigkeit der Mission vermitteln, aber als Kunst-Laie ist man dann doch mehr darauf angewiesen, den reaction-shots der Figuren blind zu vertrauen, dass es sich bei dem neusten Fund auf ihrem Abenteuer um etwas ganz besonderes handelt. Somit lässt sich auch die finale Frage des Films, ob es das alles wert war, kaum aus dem Film heraus beantworten.
    Der Ensemble-Cast hätte hier mit Damon, Murray, Goodman oder Dujardin fast nicht besser ausfallen können - vielleicht hätte man noch den Redford reinquetschen können - und diese schaffen es diesen etwas unbekümmerten Ton des 60er Hollywood War-Movie wieder zu beleben. Trotz soviel gutem Wille kippt das ganze dann doch immer mal wieder ins pathetische, etwa wenn über voice-over Briefe von den Heldentaten vorgelesen werden und der wehmütige, aber doch stolze Score das untermauern möchte.
    Hervorzuheben sind hier vor allem noch die aufwändigen Set-Designs, die in ihren ganzen Details fast schon als Verschwendung anmuten, da diese im Vorbeigehen anderen 'richtige' Kriegsfilme eigentlich alt aussehen lassen, gleiches gilt für on-location-shots und dargebotene Sprachen sowie Extras.
    Etwas schade fand ich bei dem ganzen die etwas arg fragmentarische Erzählweise, bei der man oftmals guten Willen zeigen muss, um die Lücken in der Charakter-Entwicklung und den Ortswechseln füllen zu können.
    The Monuments Men ist wegen seiner Machart und nicht zuletzt auch wegen seines unverbrauchten Themas (soweit kenne ich jedenfalls keinen ähnlichen WW2 Film) auf jeden Fall sehenswert, auch wenn man sich hier ständig in einem Gewissenskonflikt befindet, angesichts der Tatsache, dass hier mit einem Gewaltfilter der zweite Weltkrieg beschritten wird.
    But from that moment on, Hermione Granger became their friend.

  2. #2
    Regisseur Moderator Avatar von KeyzerSoze
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    AW: The Monuments Men

    Die vielen negativen Stimmen haben sich leider bewahrheitet: George Clooney hat sein starbesetztes Werk gehörig gegen die Wand gefahren. Warum weiß er wohl selbst nicht so genau, denn die Geschichte an sich gibt genug für einen abendfüllenden Film her, dazu hat er ein Ensemble um sich scharen können um das ihn wohl jeder beneidet ... und dennoch: The Monuments Men ist an Langeweile kaum zu überbieten. Anstatt auf eine Ensembledynamik zu setzen, werden die Figuren aufgeteilt und so entsteht fast schon der Charakter einer Episodengeschichte. Dumm nur, dass keine der Geschichten wirklich interessant ist und am Ende sind es eigentlich nur noch die bemühten Darsteller aus dem Comedybereich (sprich Bill Murray, John Goodman und Jean Dujardin), die den Zuschauer vor einem vorzeitigen Abschalten abhalten. Nicht nur eine große Enttäuschung, sondern leider auch einer der schwächsten Filme des a Kinojahres 2014.

  3. #3
    Bob
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    AW: The Monuments Men

    https://youtu.be/BjmGP4jilKM?t=26m22s

    Schöne Story von Bill und lustige Reaktionen danach.
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  4. #4
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    AW: The Monuments Men

    Wirklich gut beschrieben KeyzerSoze. Nettes Fingerspitzengefühl.

  5. #5
    Regisseur Avatar von Kalervo
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    AW: The Monuments Men

    FTB-Eintrag:

    Allein aus historischer Sicht zweifellos ein nicht unwichtiger Film weil er einer Gruppe von Leuten ein Denkmal setzt, die es bislang auf keine große Bekanntheit bei einer breiten Öffentlichkeit gebracht haben. Und selbst ich als jemand der der Malerei und anderen schaffenden Künsten um die es hier hauptsächlich geht nicht sonderlich interessiert gegenüber steht, schätze und würdige das Tun der in Wahrheit viel größeren Gruppe an mutigen Männern und Frauen. Auch wenn etliche Kunstschätze für immer zerstört wurden konnte zumindest ein gewisser Teil für die Nachwelt gerettet werden. Insofern hat der Film seine Berechtigung. Dazu bekommt er natürlich auch eine sehr persönliche Note, wenn auf einer Landkarte plötzlich meine Heimatstadt markiert ist und das dortige Kaliwerk später dann noch einen kurzen (wenn auch unrühmlichen) Auftritt hat.

    Allzu viel mehr positives kann ich dann aber nicht finden. Die Darsteller ja, die enttäuschen nicht. Aber sonst, scheint die Geschichte doch eher unrund und richtige Spannung will kaum aufkommen. Emotionale Höhepunkte gibt es kaum, weil diese meist bis zur Unkenntlichkeit mit Pathos getränkt sind. Auch wirkt es mir insgesamt zu sehr aus der US-amerikanischen Sichtweise. Dass die Nazis die Bösen sind ist in so einem Film geschenkt, aber selbst die Russen (die damals eigentlich die Sowjets waren), eben noch wichtiger Bündnispartner gegen einen gemeinsamen Feind, werden allzu schnell zum (neuen) Gegner stilisiert und natürlich viel zu oberflächlich und einseitig dargestellt. Und selbst die Franzosen bestechen allein durch Hochnäsigkeit und Arroganz, wohl auch zu Gunsten eines halbseidenen Running Gags.

    Aus geschichtlicher Sicht ist der Film ein Gewinn für mich; filmisch und moralisch wäre eine Nichtsichtung dagegen kein Verlust. 6/10
    The bad news is, we did an X-ray, and your body is full of a spooky skeleton man.

    Last watched movies [letzte Änderung: 22. September 2017]

  6. #6
    Bob
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    AW: The Monuments Men

    Zitat Zitat von Kalervo Beitrag anzeigen
    Dass die Nazis die Bösen sind ist in so einem Film geschenkt, aber selbst die Russen (die damals eigentlich die Sowjets waren), eben noch wichtiger Bündnispartner gegen einen gemeinsamen Feind, werden allzu schnell zum (neuen) Gegner stilisiert und natürlich viel zu oberflächlich und einseitig dargestellt.
    Das habe ich gar nicht so stark empfunden. So gibt es doch zB die eine John Wayne Szene, in der die Kriegsfeinde eine Zigarettenpause einlegen, und ohne Schusswechsel auseinander gehen. Das mit den Russen zum Schluss war zwar hart an der Grenze, mit der Flagge, aber immerhin wird der Kommandant mit einem ironischen Lächeln entlassen. Ich fand das eigentlich sehr gut gemacht. Die 'richtigen' Nazis bekommen dann ihr Fett auch eher subtil statt mit Kugelhagel ab, so wird der Kindersoldat am Krawittchen gepackt und Stahl's Strafe besteht aus einem eindringlich ernsten Bill Murray mit der Hand an der Knarre, gefolgt von einem witzigen Schnitt zum Abtransport.

    Sowieso muss man dem Film auch noch die verschiedenen Sprachen zu Gute halten, perfektes Deutsch (gut, deutsche Schauspieler, aber eigentlich ja nur noch besser), Französisch auf gleich drei verschiedene Arten (Akzentfrei durch Landsmänner, gebrochen durch Damon und schließlich noch mit gefaktem Akzent im Englischen durch Blanchett (die in dem Bereich sowieso enorm ist und anscheinend alle Sprachen stemmen kann)). Bei dem Russischen vertraue ich einfach mal auf die sonstige Gewissenhaftigkeit des Films.

    Das ist bei amerikanischen Produktionen bei weitem keine Selbstverständlichkeit!
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  7. #7
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    AW: The Monuments Men

    Zitat Zitat von Bob Beitrag anzeigen
    perfektes Deutsch
    Naja, sieht man mal von dem "deutschen" Verbündeten ab (historisch ist das die Person Harry Ettlinger, der hier aus Karlsruhe stammt und nach USA emigrierte und dann mit den US-Soldaten wieder zum Kämpfen nach Deutschland ging und hier als Private Sam Epstein von Dimitris Leonidas gespielt wird )...denn dessen "deutsch" war ja nun alles andere als "perfekt" oder auch nur annähernd gut. DAS hatte mich auch wirklich gestört, denn WENN man schon so wert legt drauf wie Clooney akkurat vorzugehen, hätte man entweder für diese Rolle auch einen Deutschen oder Deutschstämmigen genommen oder zumindest durch den Dialekt-Coach dem guten Dimitris diesen Satz, den er deutsch sagen muß perfekt eingetrichtert und phonetisch perfekt aufsagen lassen - kann ja wohl kein Hexenwerk sein für EINEN Satz so zu tun..
    Immerhin wurd er ja auch noch in Deutschland gedreht, da hätte sich sowas ergeben können.



    Ansonsten muß ich hier leider anschließen; mir schien der Film im Vorfeld die perfekte Kriegskomödie/satire im Stile von GESPRENGTE KETTEN zu werden, was auch im Film durch den leichtfüßigen Score immer wieder mit einer Elmer-Bernstein-like Musikthematik unterstrichen wird, doch leider leider leider gelang es MEINEM HELDEN (!) GEORGE CLOONEY im ganzen Film nicht eine richtige Balance zu finden zwischen ernsthaftem/grausamen Krieg, leichtfüßiger Kumpelhaftigkeit a lá GESPRENGTE KETTEN oder DIRTY DOZEN und pathetisch-Historischem bzgl. dem Kunstwissenschaftlichem hinzubekommen.

    Dann gab es auch einzelne Szenen, wo ich nicht recht wußte, ob die nun unfreiwillig komisch sind oder so gemeint sind, jedenfalls wirkten sie seltsam, wie etwa die Szene wo Murray zum Zahnarzt nach Hause geht und dort dann der "Bruder" oder wie er vorgestellt wurde freundlich-devot mit am Tisch sitzt, der zuvor als grausamer Nazi vorgestellte Justus von Dohnanyi. Diese Szene funktioniert IMHO leider überhaupt nicht.



    Die Hauptfiguren im Film aufzuteilen war ebenfalls suboptimal, denn als Gruppe funktionierten sie sooo nie richtig, als Einzelhelden jedoch auch nicht, weil ihnen jeweils zu wenig Screentime gegeben wurde.

    Irgendwo "verplempert" der Film die ganze Laufzeit, ohne daß in IRGENDeiner Richtung was Zufriedenstellendes rauskommt in dieser Episodenhaftigkeit, ja stellenweise wirkte der Film trotz des eher gemächlich-schleppenden Grundtempos dann auch noch "gehetzt" auch jaaaaaa noch Alles hineinzubekommen und unterzubringen was Clooney an Historischem bzw. Inhaltlichem reinquetschen wollte in den Film.

    So ist der Film trotz großartiger Zutaten, großartiger Schauspieler, Musik, Kamera, Regie, die einen perfekten Film vermuten und erwarten ließen letztlich nur halbgar; nicht Fisch nicht Fleisch! Leider. Ein schlechter Film isses deswegen aber trotzdem nicht.
    Geändert von Wolfe (03.09.2015 um 10:16 Uhr)

  8. #8
    Bob
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    AW: The Monuments Men

    Zitat Zitat von Wolfe Beitrag anzeigen
    Naja, sieht man mal von dem "deutschen" Verbündeten ab (historisch ist das die Person Harry Ettlinger, der hier aus Karlsruhe stammt und nach USA emigrierte und dann mit den US-Soldaten wieder zum Kämpfen nach Deutschland ging und hier als Private Sam Epstein von Dimitris Leonidas gespielt wird )...denn dessen "deutsch" war ja nun alles andere als "perfekt" oder auch nur annähernd gut.
    Das wusste ich nicht. Überlege auch mir mal das Buch zuzulegen, insofern hat der Film seine Mission bei mir erfüllt. Wir können uns aber glaube ich darauf einigen, dass im Gesamten doch schon sehr auf korrekte Sprache wert gelegt wurde, und gerade beim Deutschen bei weitem kein Charlie Chaplin Great Dictator Krauterwelch gesprochen wird. Sowas sorgt bei mir immer gleich für Pluspunkte, und gerade in einem Kriegsfilm, der vom Konflikt verschiedener Nationen handelt, finde ich das besonders wichtig.
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  9. #9
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    AW: The Monuments Men

    Ja, das können wir, Bob.

  10. #10
    Regisseur Avatar von Julia
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    AW: The Monuments Men

    Es ist wirkllich schade, von dem Film hatte ich mir so viel versprochen. Vielleicht hätte der Film einfach kürzer sein sollen.

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