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Thema: Fury

  1. #1
    Regisseur Moderator Avatar von John McCane
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    Fury

    Lange Bahnfahrt und das lag noch rum. Ugh. Wär im Kino vielleicht noch ganz gut weggekommen, aber ohne großen Bombast lenkt einen nix von der unangenehmen Stellung die der Film einnimmt ab und vor allem wie wenig der Film letzlich zu sagen hat und vollbracht hat. Gut aussehen tut er, aber das wars dann auch.
    Forget about Freeman

  2. #2
    Statist Avatar von Sam Trautman
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    AW: Fury

    David Ayer öffnet die Luken seines Sherman Panzers und lässt den ganzen Staub, Dreck und die Abgründigkeit des World War 2 ungefiltert und ohne Moral ins Wohnzimmer. Dabei wird wenig reflektiert aber es wird getan was getan werden muss. Regisseur Ayer legt in seinem Kriegsdrama viel Wert auf den technischen Aspekt und die Mechanik. So wie die Tonnen schwere Panzerkette ins Rädchen greifen muss, so müssen auch die Jungs im rollenden Stahlsarg präzise abgestimmte Rädchen im Uhrwerk von Wardaddy ( Brad Pitt ) sein um dem Gegner in Nazideutschland einzuheizen.

    Perfektes Timing

    Regisseur Ayer (Training Day, Sabotage) versucht erst gar nicht sich mit falschen Federn zu schmücken um etwas zu sein zu was er nicht ist. Fury ist genauso dreckig, staubig, roh, jenseits von Moral und so weit davon entfernt zwei Seiten der Medaille zeigen zu wollen wie Merkel davon frauliche Attribute zu besitzen. Und genau das tut dem Heimkino gut. Ayer serviert einen dreckigen Bastard. Weg vom Hochglanz Kriegsdrama, hin zum Ayer Style. Der Mittelfinger an alle sauberen Uniformen-Filmchen und Wackelkamera Filmemacher. Ayer bleibt seiner straighten Handschrift treu und platziert, wie in den meisten seiner anderen Werke ein starkes Alphamännchen in sein Gehege unmittelbar neben einen Grünschnabel, sowie ein stimmiges Assemble an interessanten Charakteren im übrigen Team. Wer an Training Day oder Sabotage denkt erkennt das Muster. Ayer schafft es sogar Shia LaBeouf nicht sucken zu lassen. Die Grünschnabel Etablierung neben der Big Balls Figur ist insofern für den Zuschauer wichtig um in den Film zu finden. Der Grünschnabel ist genau wie der Zuschauer vor allem erst mal eins, unwissend. Eine Identifikationsfigur die stets anfänglich Moralisch handelt aber durch den Mann mit den dicken Eiern, nach und nach in sein Wertesystem geführt wird.

    Im Grunde zeigt Fury auch keine besonders wichtige Schlacht im zweiten Weltkrieg sondern einen Ausschnitt daraus. Irgendwo in Nazi Deutschland. Irgendwann Ende 1945. Das Team um Wardaddy ( Brad Pitt ) Bible ( Shia LaBeouf ) Gordo ( Michael Pena ) Rattenarsch ( Jon Bernthal ) und Maschine ( Logan Lerman ) kämpft mit, oder auch ohne andere Panzerteams, meist im Inneren ihres rollenden Wittwenmachers gegen Adolfs Jünger. Dabei wird schnell die Liebe zum Timing von Ayer sichtbar. So ist die Vorrausetzung für einen erfolgreichen Schuss in des Gegners Pelz immer das perfekte Timing der Männer im Inneren. Präzise wie ein Uhrwerk indem ein Rädchen ins andere greift, muss alles aufeinander abgestimmt sein. Ayer wird nicht müde dies zu zelebrieren. Sieht gut aus, macht Laune beim Zusehen, zeigt zerplatzende Köpfe und hält die Spannung hoch. Gerade beim Mexican Standoff Duell mit dem deutlich besser gepanzerten Tiger der Nazis wird das perfekte Timing welches unbedingt von Nöten ist, grandios visualisiert.

    Überhaupt ist Ayer bestrebt darin in allen Lagen auf das Timing besonderen Wert zu legen. Ist in den meisten Fällen meisterhaft umgesetzt, wirkt aber leider in manchen Szenen zu offensichtlich und durchschaubar. So sterben in den vielen Fällen, Soldaten nur dann, wenn es auch vom Timing her passt. Nicht im Kugelhagel sondern, wenn noch genau die Worte gesagt wurden die gesagt werden müssen um einen schönen Heldentod zu gewährleisten. Timing ist auch hier Trumpf. Ihm sei es vergeben denn so stirbt sichs auch besser und emotionaler. Wird den meisten Guckern eh egal sein und Ayer auch. Dennoch bricht Ayer dieses Muster auch gekonnt auf und lässt gekonnt in manchen Abschnitten das interessante unerwartet geschehen.

    Frisur und Medaillen

    Witziger Weise kann man ohne den dafür nötigen Input, anhand des Kinoplakates nicht erkennen in welchem Jahrzehnt der Film spielt. Wird beim Sehen natürlich klar, aber worauf der Rezensent hinaus will ist die Frisur des Pitt. Auf dem Kinoplakat ist, so wie im fertigen Film es oft der Fall ist, nur Brad Pitt lümmelnt über dem Panzerrohr, mit der Aufschrift Fury, gebeugt zu sehen mit einer Frisur, die zwar vermutlich in die Zeit passt aber mittlerweile schon die Zeit eingeholt hat. Der Undercut. Und den vermutlich neunzig Prozent der männlichen Kinobesucher selbst auf dem Schädel spazieren tragen. Somit klärt nun Ayer nicht nur darüber auf, dass es keine neue coole Idee von irgendwelchen Hipstern oder Bushidos war, sondern der Undercut ein alter Hut ist und lässt gleichzeitig Pitt in deren Augen auch noch stylisch cool aussehen. Von Frisuren der deutschen in dieser Zeit wäre hier indem Fall abzuraten.

    Bei den vielen tollen tollen Momenten, die sich im Film verbergen und entdeckt werden wollen, sowie den grandiosen Schlachten mit umherfliegenden Geschossen oder den starken Bildern gibts leider auch die Kehrseite der Medaille. Die Kehrseite der Medaille ist das die Medaille keine hat. Ayer ist ganz nah an seinen Soldaten und lässt keinen Zweifel daran aufkommen, dass Pflicht nichts mit Moral zu hat. Friss oder stirb, töte oder werde getötet. Nach diesem Prinzip handelt das Alphamännchen Wardaddy und das predigt er auch vehement aus seiner Panzerkanzel heraus an seine Jünger. Punkt um. Wer hier erwartet einen SS Offizier ins Bild huschen zu sehen, der mehr als wortlose Graue Masse ist oder mehr als Gehirnbrei an der Wand, sollte sich daran gewöhnen, dass es hier Ayer auch gar nicht darum geht zwei Seiten darzustellen oder sich im Film darüber Gedanken zu machen. Die Grundpfeiler von Fury sind Timing, Pflicht und Mechanik. Mechanik nicht nur als besonderes Merkmal des Panzers sondern auch im Handeln der Soldaten. Alles ist nur noch Mechanik und man funktioniert irgendwann nur noch. Auf dem Pfad des Todes balancierend rechts und links flankiert von Moral und Überlebenstrieb. Als einzige Alternative bleibt der Tod und der ist endgültig.

    Ayers Malkasten

    American Sniper von Altmeister Clint Eastwood trieft vor Patriotismus und dem ekelhaften Fetisch, skrupellos amerikanische Flaggen aus jedem erdenklichen Winkel und zu jeder möglichen und unmöglichen Gelegenheit zu zeigen. Eastwoods Film stinkt gegen Ayers Fury aber fürchterlich ab. Beide zeigen nur eine Seite der Medaille, nur tut Ayer dies ohne zu langweilen. Zudem versucht Ayer erst gar nicht eine Seite beleuchten zu wollen. Eastwood schon und scheitert daran kläglich. Fury schwächelt nur gegen Ende ein wenig als dann doch noch der stolze Amerikaner in Wardaddy durchkommt und es etwas konfus wird. Dies wirkt sich dennoch nicht allzu negativ auf dem Gesamteindruck aus, bekommt man doch einen echten Endkampf zu sehen, der etwas an Leonidas erinnert.

    Ayer hat einen Malkasten, beim Abspann ist Grau leer, rot, blau und alle dunkeln Farben für den Dreck auch. Er benutzt eigentlich die ganze Palette an Farben in seinem Film. Nur nicht für die Moral oder der Sichtweise, die bleibt grau, streng aus der Sicht der Amerikaner. Alle anderen Farben verbraucht er für seine wunderbaren Bilder.

  3. #3
    Regisseur Moderator Avatar von John McCane
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    AW: Fury

    pathos würd ich dem film nicht absprechen. das sogar mein hauptargument weshalb ich den film nicht mochte. klar, im vergleich zu american sniper vielleicht nicht so krass, aber das ding kann ja auch nicht massstab sein. kriegsfilme müssen halt immer grauen zeigen um als antikriegsfilm zu gelten, aber fury, mehr als die meisten, schafft es nicht diesen anspruch zu halten. extrem einseitig und selbst darin nur ganz beschränkt, außerhalb des panzers gibt es keinen echten charakter, alles kanonenfutter. und selbst unsere crew hat keine wirklich interessanten kerle, alles archetypen der bekannten kriegsfilmklischees. blech.
    gut aussehen tut aber nachwievor.
    Forget about Freeman

  4. #4
    Regisseur Moderator Avatar von KeyzerSoze
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    AW: Fury

    hmm ... ich mochte den ja und finde ihn bisher mit Abstand ayers besten ... gerade das was du kritisierst zeigt der Film meiner Meinung nach durchweg: Der dreckige Krieg und wie eine kleine Gruppe innerhalb dieses Krieges einfach nur versucht diese scheiß Zeit zu überleben und was der Krieg aus ihnen macht. Darstellerisch gibts wenig zu klagen, auch wenn Pitt mich ein bischen arg von der Art wie er spricht an seine Basterds Rolle erinnert hat. Optisch einwandfrei und bei der Szene mit dem Eierfestmahl hatte ich durchweg nen Klos im Hals ... wie eigentlich ziemlich oft bei dem Film ... FAnd ihn super ... grad weil er nicht so ein "KRiegsspaß" ist a la Sniper und Ryan und stattdessen einfach nur dreckig, ultrabrutal und kaputt ist. Wo der US-Pathos sein soll ist mir ein Rätsel ... werden in meinen Augen alle als gleichkaputt dargestellt...
    Geändert von KeyzerSoze (07.04.2015 um 20:06 Uhr)

  5. #5
    Statist Avatar von Sam Trautman
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    AW: Fury

    Meiner Meinung nach triffst du es auf den Punkt Keyzer, Fury ist kein Kriegsspaß Film und genau das mag ich an ihm.

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